The 12 Tenors am 17.01.2015 in der Hochwaldhalle Hermeskeil

The 12 Tenors Bandfoto
DATUM» 17.01.2015
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Seit fünfzehn Jahren gibt es nun diese Tenor-Inflation, die sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt hat. Wir kennen inzwischen die drei Tenöre, die jungen Tenöre, Il Divo, Adoro und viele mehr. In Hermeskeil war es am vergangenen Samstag gleich ein ganzes Dutzend, das sich die Ehre gab und die Hochwaldhalle begeisterte.

The 12 Tenors haben Mitglieder aus Deutschland, Großbritannien, Polen und den USA. Leider werden die Songs nicht a cappella dargeboten (was durchaus den stimmlichen Möglichkeiten entsprechen würde) sondern das Ensemble lässt sich von drei Instrumentalisten begleiten: Keyboard, Piano und Schlagzeug erzeugen eine musikalische Hintergrundkulisse. Und das muss man der Gruppe zu Gute halten! Oft neigen ja solche Pop-Rock-Klassik-Kombinationen dazu, den Gesang hinter einer orchestralen Bombastwand verschwinden zu lassen. Hier ist es zum Glück anders. Der Gesang steht eindeutig im Vordergrund und wird von der Band nur unterstützt.

Das Konzert begann zunächst sehr klassisch mit dem gewaltigen „O Fortuna“ aus Carl Orffs „Carmina Burana“. Ein perfekter Einstieg, um das stimmliche Können zu zeigen. Vor allem der deutsche Opernsänger Alexander Herzog zeigte dann alsbald sein Moderationstalent und führte das Publikum mit Witz und schelmischem Grinsen durch den Abend. Das Repertoire zog sich durch viele Sprachen, so gab es schon recht früh den Mitsing-Oldie „Veronika, der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists.

Auch die russsische Weise „Kalinka“ musste dran glauben und wurde von den Zwölfen durch vielerlei Clownereien aufgepeppt. Das Ensemble bot eine fein abgestimmte, bisweilen freche Choreographie und brachte das Publikum immer wieder in Bewegung. So wurde „Delilah“ von Tom Jones zur wahren Schunkel-Orgie (wie ein britischer Sänger meinte: „der liebste Tanz der Deutschen“). Und es gab schon im ersten Block eine Reihe von Highlights! Ich nenne mal „You Raise Me Up“ mit wundervoll marschierenden Drums und wechselnden Solisten, die zeigten, dass man diesen Song sowohl poppig als auch klassisch oder gar mit Rock-Attitüde interpretieren kann.

Ebenso stark fand ich die lautmalerische Version von „Music“ (John Miles) und ein Michael-Jackson-Medley, das sich neben „Man In The Mirror“ und „Beat It“ besonders ausführlich dem Hit „Thriller“ widmete und die 12 Tenors in eine Horde tanzender und singender Zombies verwandelte. Dann wurde es noch einmal klassisch und das unvermeidliche „Nessun dorma“ von Puccini führte unter tosendem Applaus in die Pause.

Im zweiten Teil überwogen endgültig die englischen Stücke und auf der Bühne aber auch im Publikum wurde die Stimmung immer ausgelassener. Wir hörten „You’re The Voice“ und ein verspieltes „Good Vibrations“. Zu einem Medley voller Instrumentals und Titelsongs der James-Bond-Reihe gab es eine ausgefeilte Agenten-Choreografie. „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Land des Lächelns“ ließ die Frauenherzen weich werden. Kein Wunder, dass immer mehr Protagonisten um die Gunst der Weiblichkeit buhlten. Der stämmige Alexander Herzog und ein polnischer Mitstreiter ließen sich gar zu einem sängerischen Schaukampf hinreißen, der das weltbekannte Liebeslied „O sole mio“ von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchtete.

Höhepunkt im zweiten Teil waren für mich die Songs von Queen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, die „Bohemian Rhapsody“ a cappella zu interpretieren. So kann ich für die dezent instrumental begleitete Version der 12 Tenors nur Respekt zollen. Besonders emotional war dabei die weiche Solo-Interpretation einzelner Passagen. Als weitere Queen-Titel gab es ein Medley aus „We Will Rock You“, dem mit unbändiger Spielfreude versehenen „Don’t Stop Me Now“ und „We Are The Champions“. Das Publikum hielt zu diesem Zeitpunkt schon lange nichts mehr auf den Sitzen.

Die sehr gut gefüllte Hochwaldhalle hat sich als Konzertschauplatz für die 12 Tenors auf jeden Fall bewährt. Es wurden einige Zugaben gefordert und die sichtlich gut gelaunte Truppe bedankte sich mit einer Hommage an Joe Cocker „You Can Leave Your Hat On“ (nur echt mit freien Oberkörpern) und dem schmachtenden Abschied „Time To Say Goodbye“. Ich kann nach dieser Performance sagen, dass ich sehr beeindruckt war. Die Mischung aus Klassik, Pop und Rock war absolut stimmig und die gesangliche Leistung sehr überzeugend!