20. Hurricane Festival trotz Wetterkapriolen mit großartigem Abschluss

Hurricane Festival 2016
Photo credit: FKP Scorpio Presse Robin Schmiedebach

…und dann war da ja noch das HURRICANE FESTIVAL 2016! Sowohl die Veranstalter von FKP-Scorpio, als auch alle Festivalteilnehmer einschließlich meiner Person, brauchten sicherlich eine ganze Weile, um dieses „Spektakel“ im Nachwege zu verdauen. Doch jetzt erstmal von Anfang an…

In diesem Jahr sollte es DIE große Geburtstagssause werden, die Jubiläumsfeier des 20.Hurricane Festival am Eichenring in Scheeßel. Waren bei der ersten Ausgabe 1997 nur rund 20.000 Gäste am Start, feiert das Hurricane in diesem Jahr mit 75.000 Besuchern mittlerweile das zweitgrößte Rock-Festival Deutschlands. Headliner wie Rammstein, Mumford & Sons und The Prodigy sorgten bereits im Februar dafür, dass sowohl das Hurricane als auch das Schwesterfestival Southside komplett ausverkauft waren. Noch nie war der Run auf die Tickets so groß.
Auch die Wettervorhersage macht allen große Hoffnung, Temperaturen bis 30 Grad und Sonnenschein sind angesagt, die besten Voraussetzungen für ein gelungenes Festival. Einen Tag vor Beginn machen die Wetterfrösche plötzlich eine Kehrtwende, Unwetter und Regen sollen kommen, was bei der herrlichen Sommerwoche noch keiner so recht glauben will. Mit bester Festivallaune starten die meisten Anreiser schon am Donnerstag, bei den sommerlichen Temperaturen sind die Staus rund ums Festivalgelände schon die erste Herausforderung, und gen späten Abend verdunkelt sich dann auch noch der Himmel zusehends.

Der Festival-Donnerstag

Doch das lässt die Laune der hartgesottenen Festivalisten nicht schmälern, denn schon am Vortag des eigentlichen Festivalstarts beginnt in der White Stage die Warm Up-Party. In der Zeltbühne herrscht ausgelassene Stimmung, zu den ersten Konzerten von u.a. den NewComern Chefboss und Großstadtgeflüster wird ordentlich abgefeiert. Der nächtlich einsetzende Starkregen mit ersten aufziehenden Gewitterfronten zwingt allerdings die Zeltbühne in die Knie, aufgrund von Unterspülungen der Bühne und des Fußbodens muss die Veranstaltung der Beck’s Camp FM-Party unerwartet abgebrochen werden, da die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet werden kann. Und so nimmt das Dilemma seinen schicksalhaften Lauf…

Der Festival-Freitag

Aufgrund der starken Regenfälle der ersten beiden Tage treten bereits einige Tausend Festivalbesucher ihre Heimreise an, denn viele sind von den Überschwemmungen auf den Campingplätzen betroffen und komplett durchnässt. Das Festivalteam von FKP Scorpio arbeitet am Vormittag mit Hochdruck an den Trockenlegungsarbeiten auf dem Gelände und an den Bühnen. So verschiebt sich der Einlass auf ca. 15:00 Uhr, sodass Zebrahead (16:00 Uhr Green Stage) lärmend das Festival auf der Green Stage eröffnen. Entgegen der Vorhersage hält sich das Wetter mit schwül-sonnigen 30 Grad, der Festivalbetrieb läuft mit einem Schlag auf Hochtouren, die Besucher strömen wie Ameisen zu den Bühnen. Auch wenn vor allem White und Red Stage heute offenbar gar nicht mehr bespielbar sind und die Konzerte dort fast gänzlich ausfallen werden, zeigen sich die Festivalbesucher nach der anstrengenden Regennacht weiterhin feierfreudig.
So genießen wir den erfrischenden Auftritt der sympathischen Schwedenrocker von Royal Republic (17:15 Uhr Green Stage), die ebenfalls gut gelaunt all ihre Fans zu Hits wie „Tommy-Gun“ oder auch „Everybody Wants To Be An Astronaut“ zum Springen und zu kollektiven Lalalaa-Chören animieren können. Zu „Full Steam Spacemachine“ gibt es keine Halten mehr, die Band wird zu Recht umjubelt, denn Frontmann Adam Grahn tut alles, um eine perfekte Performance abzuliefern.
Gerade erst waren alle so richtig in Fahrt gekommen, da zwingt uns eine erneut aufziehende Gewitterfront zum sofortigen Verlassen des Festivalgeländes. Um die Sicherheit aller Besucher zu gewährleisten wird von den Veranstaltern eine Unterbrechung von rund zwei Stunden angekündigt. Nach den Durchsagen an den Bühnen kann das gesamte Festivalgelände ohne Panik innerhalb von nur 17 Minuten komplett evakuiert werden. Wir überlegen kurz, entscheiden uns dann aber schnell für ein Abendessen im Gasthaus des Nachbarorts, statt das Unwetter im Auto abzuwarten. Durch die doch unerwartet kurze Unterbrechung verpassen wir leider The Hives (20:45 Uhr Green Stage), die offensichtlich ein großartiges Konzert gespielt haben und ihre Fans zu „Stop-the-rain“ Chören aufgefordert haben.
Wir treffen rechtzeitig zu den Shooting Stars AnnenMayKantereit (21:45 Uhr Blue Stage) wieder auf dem Gelände ein, die seit rund einem Jahr auf Dauertour sind und derzeit ihr im März erschienenes Debütalbum „Alles Nix Konkretes“ vorstellen. Das Publikum macht zu dem Ohrwurm „Pocahontas“ schon richtig Stimmung, springt und singt lauthals mit, sodass Frontmann Henning May bei ihrem ersten Hurricane geradezu überwältigt ist. Die durchweg eingängigen Songs der ehemaligen Schülerband wie „Oft Gefragt“ und der wundervollen Ballade „Barfuß am Klavier“, geprägt von Mays markant rauer Stimme, fangen alltägliche Geschichten über das Leben und die Liebe ein, in denen sich jeder irgendwo wiederfinden kann.
Absolut glücklich über dieses wirklich tolle Konzert fiebern wir nun dem Kontrastprogramm der Headliner Rammstein (00:15 Uhr Green Stage) entgegen, die auch schon beim Hurricane Festival Debüt mit von der Partie waren.  Mit einer Stunde Verspätung und einer Sondergenehmigung für die späte Uhrzeit geht es nun endlich mit der erwarteten gigantischen Pyroshow los, die uns bei jedem Knall ordentlich zusammenzucken lässt. Sie starten ihr Set mit dem Textkracher „Ich Tu Dir Weh“, in dem sie vom Harnkanal, von Salz und Eiter erzählen. Viel konnte ich den Texten ja noch nie abgewinnen, auch überzeugt mich heute die sadomachistische Darbietung auf der Bühne wenig, zu der Frontmann Till Lindemann auf einer Kettenplattform gen Himmel emporfährt.
Mit ihren recht harten Texten und dem sonderbaren theatralischen Sprachstil, der mich dauernd an Berthold Brechts Mackie Messer erinnert, musikalisch begleitet von Marschrhythmen und preschenden Drums, fühle ich mich persönlich nicht wirklich angesprochen. Doch unterhaltsam sind Rammstein irgendwie dann doch, und der Großteil ihrer Fans scheint ganz offensichtlich voll in ihrem Element zu sein, denn zu den tanzbaren elektronischen bis Techno-beeinflussten Stücken „Ich will“ und dem Metal-lastigen „Engel“ wird ordentlich abgerockt und mitgegröhlt. Als Lindemann auffordert „Wir wollen Eure Hände sehen“ werden tatsächlich alle Hände emporgehoben, Rammstein wird geradezu frenetisch gefeiert, wobei fast jeder Song mit Knall und Feuerstrahl beendet wird. Die Show ist an Theatralik kaum zu übertreffen, nicht umsonst ist Rammstein die erfolgreichste deutsche Band überhaupt, obwohl ihre Fans mittlerweile schon sehr lange auf ein neues Album warten. Das regenfreie Konzert endet schließlich mit den Worten „Wir bedanken uns sehr, sehr, sehr!“ und tosendem Applaus.
Der Abschluss dieses chaotischen Festivaltages macht uns weiterhin Hoffnung auf das Wetter am morgigen Tag, obwohl der Regen schon auf dem Rückweg langsam wieder einsetzt.

Der Festival-Samstag

Schon am frühen Morgen verfolgen wir die Regenfälle und Gewitter mit Argwohn, erfahren dass es beim Southside durch die schweren Unwetter bereits Verletzte gegeben hat und das Festival schließlich komplett abgebrochen wird. Wir befürchten auch für das Hurricane das Schlimmste und warten gespannt vor unserem Handy auf neueste Meldungen über die App oder das Camp FM Radio.
Die Veranstalter haben offensichtlich alle Hände voll zu tun, die Schäden auf dem Festivalgelände und an den Bühnen in Griff zu bekommen. Laut neuesten Meldungen wird mit Unterstützung von der Gemeinde, dem THW, der Feuerwehr, der Harzer Bergrettung mit schwerem Fahrzeug und der Polizei versucht, der Wassermassen Herr zu werden. Zumindest hört es gegen Nachmittag mal auf zu regnen, der Einlassbeginn ist vorerst von 15:00 Uhr auf 18:00 Uhr verschoben, das macht uns Mut.
Als wir uns auf den Weg zum Gelände machen, sieht es zunächst tatsächlich so aus, als ob die Regenunterbrechung weiter andauern könnte, was leider ein Trugschluss ist. Vor dem Haupteingang angekommen, fängt es wie aus Kübeln an zu schütten. Gut, wenigstens kein Gewitter denken wir uns und harren aus, um die Öffnung der Pforten zu erwarten. Noch immer sind alle bester Laune, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, denn jeder will nun zumindest noch die bereits nach hinten verschobenen Top-Konzerte von Frank Turner, den Editors, Maximo Park und The Prodigy oder auch Boys Noize sehen. OK, jetzt soll es angeblich um 20:00 Uhr nun wirklich losgehen, wir halten weiter durch. Als gegen halb neun der Beginn nochmals nach hinten verschoben wird, streichen wir nach stundenlangem Warten vorm Eingang des Festivalgeländes und inzwischen pudelnass nun endgültig die Segel.
Zusammen mit vielen anderen enttäuschten Fans trollen wir uns im Starkregen entlang der nicht enden wollenden Straße in unseren Gummistiefeln zurück zum Auto, welches wir glücklicherweise vorsorglich gar nicht erst auf einen der unter Wasser stehenden Parkplätze manövriert hatten. Nicht nur mir blutet schließlich das Herz, als wir über Mundpropaganda erfahren, dass der ganze Samstag nun komplett abgesagt ist.
In unserer Unterkunft angekommen haben wir endlich wieder Handy-Empfang und erfahren über die App, dass die 10 Liter Regen pro qm, die bereits Freitag gefallen waren, die Veranstalter zur Absage des Festival-Samstags gezwungen haben. Solche Regenmassen hat es in der Geschichte des Hurricane Festivals noch nicht gegeben. So endet beim ein oder anderen der zweite Festivaltag eher mit der Fußball EM, ob im Womo, zu Hause oder in einer der nahegelegenen Unterkünfte, oder aber mit Schlamm-Wettkraulen, Luftmatratzen Weitrutschen oder Schlauchbootfahren auf dem zu großen Teilen überfluteten Campinggelände. Sogar bei der Motorbooty Party auf dem in diesem Jahr erstmalig vorhandenen neuen Playground wurde in der Nacht trotz Regen noch ordentlich abgefeiert, es ist einfach unglaublich, was die Hurricane Besucher so alles aushalten.
Das ärgerlichste des Tages ist hauptsächlich die Tatsache, dass die laufenden Informationen gar nicht bis zu den Leuten auf dem Gelände durchdringen konnten, da es dort einfach wenig oder gar keinen Empfang gibt. Vielleicht sollte man in solchen Fällen doch eher auf ein SMS-Benachrichtigungssystem ausweichen, denn diese kommen wenigstens ab und an noch durch.

Der Festival-Sonntag

Der Morgen verheißt Gutes denken wir uns nach einem ausgiebigem Frühstück, denn die Sonne traut sich, wie in der Vorhersage angekündigt, tatsächlich am Vormittag aus den Wolken heraus. Und schon kommt auch die Meldung über die App, der Festivalbetrieb startet pünkltich gemäß Timetable auf allen Bühnen! Die Freude ist natürlich riesig, es liegt ein vollständiger und auch noch sonniger Festivaltag vor uns, endlich geht es los!
Fast zu spät treffen wir zu den Alternative Rockern aus Brooklyn/NY mit dem Namen X Ambassadors (12:00 Uhr Green Stage) auf dem Gelände ein. Die letzte Takte ihres derzeitigen Radiohits „Renegades“ von ihrem Debütalbum VHS werden gerade von ihren Fans lautstark mitgesungen, mit dem die Band um das Brüderpaar Sam und Casey Harris zusammen mit Noah Feldshuh 2015 sogar den Sprung auf Platz 1 der Alternative Charts schaffte.
Wir bleiben direkt hier und schauen uns die erst 2013 gegründete britische Indie-Pop Band Blossoms an (13:00 Uhr Green Stage), deren gleichnamiges Debütalbum erst Anfang August bei uns erscheinen wird. Die fünfköpfige Band um Sänger Tom Ogden präsentiert melodischen Synth-Pop, zu dessen tanzbaren Beats bei herrlichstem Sonnenschein auf dem vom Regen gebeutelten Feld vor der Green Stage im Schlamm getanzt wird.
Im Anschluss kommt bei BØRNS (14:00 Uhr Green Stage) jeder Eighties-Liebhaber voll auf seine Kosten. Ihr Grundstil erinnert sehr an die guten alten Hits der Achtziger, sie klingen auch ein wenig wie die amerikanischen Hurts, jedoch sind allerhand interessante Einflüsse im Sound verstrickt, mal jazzig, mal poppig. Ihr Erstlingswerk „Dopamine“ ist schon im letzten Jahr erschienen, und nach dem was ich auf der Bühne gehört habe lohnt es sicherlich da mal weiter reinzuhören.
Inzwischen hat sich das Festivalgelände sichtlich gefüllt, von der gestrigen Wetterkatastrophe ist bis auf die unübersehbaren Schlammmassen nichts mehr zu spüren. Alle sind wirklich mega gut drauf und man merkt so richtig, wie die gute Stimmung aus allen förmlich rausplatzt.
Nicht entgehen lassen will ich mir das Konzert von Ausnahmetalent Tom Odell (14:45 Uhr Blue Stage), der seine Live-Tour zusammen mit dem früheren Razorlight Drummer Andy Burrows bestreitet und ihn auch bei seinem gerade im Juni erschienen Album „Wrong Crowd“ unterstützt hat. Zu dem neuen poppigen Dance-Sound schwingen seine Fans vor der Bühne die Hüften, trotzdem bleibt auch Raum für die ruhigen Songs, in denen seine einmalig kräftige Stimmen zusammen mit den Pianomelodien das Publikum jedes Mal verzaubert. In einigen Songs erinnert er mich sogar ein wenig an den jungen Elton John, der ebenfalls voller Energie den Gesang mit seinen Klavierkünsten vereinte. Natürlich darf auch sein Top-Song „Another Love“ zum Ende hin nicht fehlen, wo alle bei den ersten Klängen direkt jubeln und textsicher mitsingen. Tom Odell ist erst zum zweiten Mal beim Hurricane und sagt, dass es eins seiner Favoriten-Festivals sei. So widmet er sogar einen Song seinem wirklich großartigen Publikum, welches von seiner Musik total geflasht wirkt.

Für Publikumsliebling Axel Bosse (16:45 Uhr Green Stage) ist der Andrang auf den Front of Stage Bereich groß, der Anfang dieses Jahres mit „Engtanz“ sein sechstes, erneut großartig gelungenes Studioalbum herausbrachte. Nach einigen Dankesworten seitens der Geschäftsführung von FKP-Scorpioan an alle Hurricane-Besucher für deren Geduld und Verständnis aufgrund des Wetterdesasters in diesem Jahr, fetzt der Wahl-Hamburger mit „Du Federst“ auch schon richtig los. Um den Wettergott zu beschwören gibt es eine Reggae-Einlage, Bosse jagt dabei von einem Ende der Bühne zum anderen, um das Publikum aufzuheizen und bringt schon beim ersten Song alle hier zum Tanzen. Beim folgenden „So oder So“ singen seine Fans komplett mit, während Bosse unermüdlich über die Bühne rockt. So lieben die Fans ihren Aki, ob zu „3 Millionen“, langsamen Walzermelodien oder zu „Dein Hurra“ springen und tanzen die Fans, um den außerordentlichen Sympathieträger Bosse zu feiern. On Top gibt es auch noch Sven alias Herr Spiegelei von Deichkind als Ehrengast auf der Bühne, bei anschließenden Aki-Klatschchören wirkt der bescheidene Solo-Künstler zutiefst gerührt und bedankt sich bei allen Helfern und auch dem Publikum, die den heutigen Auftritt überhaupt möglich gemacht haben. Was ein überwältigendes Konzert voller Energie und Gefühle, unser Dankeschön geht zurück an Aki Bosse!

Während James Bay (18:15 Uhr Green Stage) mit seinen herzzerreißenden Pop-Songs wie seinem Radio-Dauerbrenner „Hold Back The River“ Mädchenherzen glücklich macht, schauen wir in der wieder bespielbaren Zeltbühne bei den Studio Braun Helden der mittlerweile nicht mehr fiktiven Electro-Pop Band Fraktus (19:00 Uhr White Stage) vorbei. Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palmiger sind einfach die Oberkracher, wenn sie mit ihrem musikalischen Halbkönnen und einer guten Portion Ironie „Welcome To The Internet“, „Maler und Lackierer“ oder „All die armen Menschen“ zu tanzbaren Discobeats und einem eher sprechartigen Gesang performen. Hinterlegt wird das Ganze dann noch mit einer Art Lightshow und kleineren Lichtspielereien, die die urige Szenerie der vermeintlichen Techno-Pioniere perfekt abrundet.

Eines meiner heißersehntesten Konzerte steht nun bevor, die nordirische Indie-Rock Band Two Door Cinema Club (19:15 Uhr Blue Stage) um Frontmann Alex Trimble schafft es immer wieder, neue mitreißende Songs zu schreiben. Ihr kommendes Album „Gameshow“ wird erst zum Herbst erwartet, bis dahin hören wir sie auf ihrer Live Tour u.a beim Hurricane und Melt! Festival. Sie starten ihr Set mit einem ihrer beliebtesten Songs „Undercover Martyn“ und „Sun“, der zum heutigen Sommerwetter einfach toll passt. Das Publikum ist begeistert und schon zu „I Can Talk“ geht auf dem Field vor der Blue Stage richtig die Post ab, die Stimmmung hier ist einfach großartig. Jeder ihrer Titel ist praktisch ein Hit und durch Trimbles besondere Stimme auch einfach unverkennbar. Mit treibenden elektronischen Beats und wildem Stroboskoplicht präsentieren uns Two Door Cinema Club neben ihrer gerade neu erschienenen Single „Are We Ready“ eine wunderbare Mischung aus ihren bisherigen Alben wie „Eat That Up, It’s Good For You“, „Someday“ und den Abschluss bildenden beliebtesten Hit „What You Know“, zu dem schließlich alle springen und mitsingen. Es ist ein absolutes Highlight für alle Fans an diesem großartigen Festivalabend.

Den nahtlosen Übergang bildet das Konzert der von Kele Okereke mittlerweile zum x-ten Male neu formierten englischen Band Bloc Party (20:15 Uhr Green Stage), die wir gemütlich vom Rande auf dem Rasen sitzend in der Abendsonne genießen. Sie waren vor zehn Jahren zum ersten Mal beim Hurricane dabei und freuen sich nach der dramatischen Absage des Southside Festivals ausdrücklich, heute hier spielen zu können und stellen uns gleich auch schon die stärksten Songs aus dem aktuellen Album „Hymns“ vor. Mit tanzbaren elektronischen Beats starten sie mit „The Love Within“ und „Flux“ im Anschluss, die vom Publikum mit großem Applaus bejubelt werden. „Virtue“ erinnert stilistisch ein wenig an die alten erfolgreichen Hits, die im Folgenden auch gleich anknüpfen. Richtig überzeugend sind tatsächlich wieder mal die guten alten Stücke wie „One More Chance“, „Hunting for Witches“ und „Blanquet“, die natürlich nicht fehlen dürfen und zu denen die Fans hier mächtig tanzen und abfeiern.

Pünktlich zum Beginn der verrückten Hamburger Erfolgs-Elektropunker Deichkind (21:15 Uhr Blue Stage) versuchen wir noch einen guten Platz zu finden, doch das Gelände ist bereits hoffnungslos überfüllt und immer mehr Menschenmassen strömen Richtung Blue Stage. Deichkind eröffnen ihr Set in derselben Reihenfolge ihres im letzten Jahr veröffentlichten Albums „Niveau Weshalb Warum“. Sie starten mit Vollgas mit „So ’ne Musik“ und „Denken Sie groß“ durch, wobei die Menge vor der Bühne gefühlt total durchdreht.

Den Rest von Deichkind heben wir uns auch aufgrund des zunehmenden Gedränges und der mittlerweile schlechten Sicht auf die weit entfernte Bühne für das kommende Melt! Festival auf und stellen uns schon mal für Mumford & Sons (22:30 Uhr Green Stage) an der Schlange zum Einlass zur Front of Stage an. Nach ihrer offiziell verkündeten Pause hatte man ja schon Angst, dass die fantastischen Folk-Rocker nie wieder live zu sehen sein würden, doch dann überraschten sie uns im letzten Jahr mit einem überhaupt gar nicht mehr so folkigen Album „Wilder Mind“, an das man sich mit seinen E-Gitarren, Schlagzeug und Synthies erst einmal gewöhnen musste. Und jetzt können wir die Briten um Sänger Marcus Mumford als heutigen Headliner endlich wieder auf der Bühne erleben, welch eine Freude! Ein wenig geschmälert wird diese allerdings, als wir über zwanzig Minuten auf die Herrschaften warten müssen, die ganz offensichtlich größte Schwierigkeiten damit haben, sich während der Fußball EM auf ihr Konzert zu konzentrieren, was sie selbst anschließend auch zugeben. Okay, sei es ihnen verziehen, denn los geht´s mit „Snake Eyes“ vom aktuellen Album, darauf gleich weiter mit dem Folk-Erfolgshit „Little Lion Man“ vom Debütalbum „Sigh No More“, zu dem hier alle total durchdrehen, springen, tanzen und singen.
Schon ist die lange Wartezeit vergessen, denn nun reißt Mumford & Sons das gesamte Publikum mit, die Stimmung hat quasi schon beim zweiten Song ihren Höhepunkt erreicht. Komplett akustisch spielt die vierer Stammbesetzung „Awake My Soul“ und „Below My Feet“, eine großartige Performance, die vom Publikum auch entsprechend gewürdigt wird. Bei „Lover Of The Light“ setzt sich Frontmann Marc Mumford persönlich an die Drums, die alten Folk-Songs von den beiden ersten Alben werden zum Glück auch weiterhin klassisch mit dem wunderbaren Banjo, Bläsern und Geige gespielt, was die Fans ja gerade so an ihrer Musik mögen. Bei „Believe“ werden nach Aufforderung viele tausend Handys angeschaltet, so dass ein regelrechtes Lichtermeer vor der Bühne entsteht, es ist wirklich eine fabelhafte Atmosphäre. Ein kleines Geburtstagsständchen für den Bassisten Ted Dwane wird anschließend vom Publikum angestimmt und daraufhin mit dem Top-Hit „The Cave“ belohnt, die Fans sind jetzt richtig in Tanzstimmung und feiern mit Mumford & Sons den krönenden Abschluss des diesjährigen Hurricane Festivals.
Getoppt werden kann dies nur vom Alleingang Marc Mumfords, der bei „Ditmas“ plötzlich von der Bühne mitten ins Publikum rennt und mittendrin weitersingt und sich von seinen Fans feiern lässt. Dieser verabschiedet sich schließlich mit den Worten „Ich liebe Deutschland“, obwohl sie sich dann doch noch zu drei Zugaben hinreißen lassen und natürlich auch noch den mega Ohrwurm „I Will Wait“ spielen. Bei den kollektiven I Will Wait-Gesängen des Publikums bekommt sogar Marcus Mumford endlich mal ein Lächeln über die Lippen, der das ganze Konzert über eher angespannt wirkte.
Während wir nun schon langsam das Gelände verlassen, um nicht im absoluten Verkehrschaos zu landen begleitet uns auf unserem Rückweg noch der allerletzte eher rockige Song „The Wolf“, der uns sogar fast über die Schmerzen unserer gummistiefelgeplagten Füße hinwegsehen lässt. Ein wunderbarer Festivaltag geht mit diesem Konzert-Highlight zu Ende, welches den Ausklang des Festivals geradezu perfekt gemacht hat.

Fazit

Insgesamt sind von Donnerstag bis Sonntag an die 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Am Abreisetag sind als Folge der starken Regenfälle um die 20 von FKP angeheuerten Trecker damit beschäftigt, die Autos und Womos von den schwer überfluteten und teilweise hüfttief verschlammten Parkplätzen zu ziehen, nach Aussagen der Polizei würden diese Arbeiten sogar die nächsten Tage noch andauern.
Abschließend muss man dem Veranstalter FKP Scorpio ein großes Lob aussprechen, denn nur durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit aller Beteiligten und das lösungsorientierte Krisenmanagement ist der letzte Festivaltag überhaupt durchführbar gewesen. Alle haben hier an einem Strang gezogen und auch die Festivalbesucher blieben trotz der widrigen Umstände stets bei guter Laune. Wir sagen im Namen aller „Danke“ für den großartigen Einsatz aller Beteiligten und den geretteten wundervollen Festival-Sonntag, der dem ganzen Chaos doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss verhalf. Eins ist zumindest sicher, das 20.Hurricane Festival wird jedem Einzelnen für immer in Erinnerung bleiben!
Neben dem Hurricane Swim Team-Slogan wurde ebenfalls die „Festivalhymne“ „Am Sichersten Seid Ihr Im Auto“ geboren, die ab sofort auf allen digitalen Musikplattformen verfügbar ist. Alle Einnahmen hieraus gehen übrigens direkt an Viva Con Agua, eine super Sache also! Das Video gibt hervorragend die ganze Atmosphäre des diesjährigen Hurricane Festivals wieder, schaut hier mal rein.

Viele tolle Mitschnitte der Konzerte erwarten Euch in der 3sat Mediathek sowie die Reportage über das 20. Hurricane Festival.

Im nächsten Jahr findet das Hurricane Festival vom 23.-25. Juni 2017 statt. Tickets sind über eine Reservierung/Vorbestellung unter Angabe der diesjährigen Ticketnummer unter www.hurricane.de möglich. Eine kleine Entschädigung für die entgangenen Konzerte hat sich FKP Scorpio inzwischen auch überlegt, und so können wir uns durch den etwas reduzierten Ticketpreis bereits jetzt auf das nächste Hurricane Festival 2017 freuen, dann aber bitte wieder in voller Länge und bei hoffentlich besten Wetterbedingungen.