BAP auf 40-Jahre-Jubiläumstour in der Saarlandhalle

Photo credit: Simon Engelbert (Rockhal, L-Esch/Alzette, 23.11.2016)
DATUM» 24.11.2016
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Wolfgang Niedecken und BAP feiern ihr 40jähriges Bühnenjubiläum. Grund genug für eine ausgedehnte Tour nach dem Motto „Das Beste von 1976 bis 2016“. Und diesem Motto wird die Band eindeutig gerecht. Schon vor Beginn kann man auf der LCD Wand aus versetzt aufeinander gestapelten Würfeln die Cover der BAP Alben bewundern und in Erinnerungen schwelgen. Meine Sitznachbarn begannen sogleich eine Diskussion über die Qualität der einzelnen Werke. Ein kommunikativer Einstieg also.

Apropos Sitznachbarn: Ja, das Konzert in der Saarlandhalle war als Sitzplatz-Konzert angelegt. Kein schlechter Gedanke, wenn man das durch alle Generationen gehende Publikum betrachtete. Und doch schafften es Wolfgang Niedecken und seine Mitstreiter schon mit dem ersten Song des Abends „Frau, ich freu mich“ alle – und wirklich alle – Zuschauer von den Sitzen zu reißen. So sollte das auch über den Rest des mehr als dreistündigen Konzerts bleiben. Die meisten Zuschauer feierten fast alle Songs stehend, zogen sich damit ab und zu auch den Unmut der hinter ihnen Sitzenden zu – doch alles in allem war es einfach eine große Party und niemand konnte den Fans in der Umgebung lange böse sein.

Der Gig kam in Schwung mit „Ne schöne Jrooß“, „Nix wie bessher“ und dem aus Tausenden von Kehlen mitgesungenen „Anna“. Da fühlte man sich doch gleich in die 80er Jahre zurück versetzt. Doch Niedecken verwies auch auf das „Da capo“ Album, dessen Songs (warum eigentlich?) so selten gespielt werden und brachte zu meiner großen Freude „Fortsetzung folgt“.

Ein Wort zur Band: Man nennt sich nun ja Niedeckens BAP. Ob das juristische Gründe hat oder dem Ego des Frontmanns geschuldet ist, sei mal dahin gestellt. Zumindest ist die Zeit von solch illustren Figuren wie dem Major, Effendi Büchel und Schmal Boecker seit Ende der 90er Jahre vorbei. Menschlich vermisst man sie, vor allem wenn im Hintergrund Einspieler alter Konzerte erscheinen und man die bekannten Gesichter sieht, doch musikalisch ist das Ensemble um Wolfgang Niedecken einfach top und sie reißen locker alle Mauern des Zweifels ein.

Am längsten ist Bass Werner Kopal dabei – nämlich 20 Jahre schon. Bemerkenswerte Neuzugänge sind aber Sönke Reich am Schlagzeug und Ulrich Rode an der Gitarre (beide seit 2014 dabei). Was diese an ihren Instrumenten abfeuern, ist eine wahre Pracht. Sei es Sönke mit seinem Power-Solo zu „Alexandra, nit nur do“ oder der gute Ulle, der (ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen) ein geniales Solo nach dem anderen raus haut und dafür mehrfach dicken Szenenapplaus bekommt. Hinzu kommt Michael Nass am Keyboard. Und natürlich Anne de Wolff: Sie ist nicht nur eine hübsche Erscheinung in der Männerrunde, sie bereichert die Arrangements auch als Multi-Instrumentalistin mit diversen Streichinstrumenten und Percussion. Der Gesamtklang in Saarbrücken war überragend. Dazu trugen unter Umständen auch die offene Bühne bei und der ausufernde Platz für die Band, der stark genutzt wurde.

BAP stellten auch Songs des aktuellen Albums „Lebenslänglich“ vor. Nicht versteckt im Set, sondern als selbstbewussten Fünferblock, dessen Songs von den Fans online gewählt wurden. Ich fand die Stücke sehr überzeugend – und vermutlich ist der Absatz des neuen Albums am Merchandise-Stand im Anschluss in die Höhe gegangen.

Ein Vierer-Block mit Liebesliedern brachte die Band und auch die Zuschauer für kurze Zeit zum Sitzen. Man begann mit dem herzlich-nachdenklichen „Jraaduss“. Danch war es Niedecken ein Anliegen, den kürzlich verstorbenen Leonard Cohen zu würdigen. Wie er selbst sagte: „Wenn wir es in jungen Jahren endlich geschafft hatten, dass ein Mädchen uns über Nacht mit nach Hause nimmt… Leonard Cohen war schon da.“ Als Hommage gab es den Titel „Famous Blue Raincoat“ in kölscher Sprache. Und unter tiefem Seufzen endete der ruhige Block mit dem Evergreen „Do kanns zaubre“.

Danach konnten BAP aber in die Zielgerade einbiegen. „Kristallnaach“ als Rockkracher mit weiterhin aktuellem Inhalt, das auffordernde „Arsch huh, Zäng ussenander“ und das mit starken Gitarrenriffs und donnerndem Schlagzeug versehene „Verdamp lang her“ schlossen nach gut zwei Stunden den regulären Konzertteil ab.

Doch Kenner wussten: Schon vor 25 Jahren dauerten Konzerte der Band mindestens drei Stunden. Ich habe selbst schon in der Saarlandhalle erlebt, dass der reguläre Set mit Stones-Titeln auf 210 Minuten ausgedehnt wurde, weil man keinen Bock hatte aufzuhören. So durfte sich die Band auch diesmal bis deutlich nach 23 Uhr verausgaben. Am Ende hatte jeder Anwesende viele Lieblingssongs gehört und es ging zurück in die kalte Saarbrücker Nacht.

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Letzte Aktualisierung am 11.12.2016 um 10:13 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API