Die Glut brennt immer noch! Chuck Ragan Tour 2015 in Münster

DATUM» 05.04.2015
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Als die sich die Pforten zu den heiligen Hallen des Skaters Palace, der schönsten Punkrock-Scheune NRWs, öffnen, strömen die stereotypischen Gesichter eines Chuck Ragan Publikums herein: Vollbärtige Männer, welche die 30 Jahre lange hinter sich gelassen haben, junge Frauen mit Ankern an Hals, Unterschenkel und Oberarm tätowiert und last but not least, gealterte Punkrocker in Social Distortion- und Turbojugend-Jacken, welche dem heute 40-jährigen Frontmann von Hot Water Music noch einmal in der „guten, alten Zeit“ verweilen möchten. Kurz und knapp – die schönsten Menschen, die du für so ein Konzert bekommen kannst.

Den Anfang macht heute der Niederländer und Langzeitkamerad Ragans, Tim Vantol. Alleine, aber mit Klampfe bewaffnet, stellt er sich den gut 1000 Leuten im Skaters Palace.  Es ist deutlich anzumerken, dass der Künstler aus Amsterdam stetig an Popularität gewinnt. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn ein beträchtlicher Anteil einige Songs textsicher mitsingen kann. Skinny Lister legen mit ihrer Mischung aus Folk und dem Soundtrack zu einer gesitteten Kneipenschlägerei noch einmal eine ganz Schippe drauf. Sängerin Lorna Thomas wirbelt zu Jon Kanaka, This Is War und Forty Pound Wedding wie ein Flummi auf der Bühne hin und her, wirkt aber fast wie eine Miniatur neben ihrem 5 Liter großen Krug, der lediglich mit „XXX“ beschriftet ist und sich immer mal wieder einen Schluck genehmigt. Wasser schmeckt bestimmt anders….

Doch das alles wirkt wie ein kurzlebiger Zeitvertreib, sobald die ersten brüchigen Laute von Chuck Ragans Reibeisenstimme ertönen. Something May Catch Fire lädt zum ersten gemeinsamen Belasten der Stimmbänder ein. Die ersten Stimmen werden heiser, manche Leute denken sich bestimmt: „Wie soll ich nur die kommenden 100 Minuten überstehen in dieser Bullenhitze von Punkrock-Scheune?“ Mit Bier und noch mehr Gesang! Und dem Hot Water Music-Klassiker Drag My Body, der in einer Akustikversion in der Mitte des Sets gespielt wird. Ragans Camaderie blüht hingegen bei  Gave My Heart Out und California Burritos richtig auf. Sichtlich gerührt bedankt sich der 40-jährige gefühlte Dutzend Mal beim Publikum fürs Erscheinen, fürs Mitsingen und dafür, dass „these wonderful people“ es ihm ermöglichen diesen Job Tag für Tag auszuleben.

In der Zugabe setzt eine wunderbare Full-Band Version von For Broken Ears diesem Osterabend die Krone auf. Man möchte tausend Mal bei diesem Konzert eine Funken entzünden, der die Glut bis zum Ende aller Tage anfeuert. Vielen Dank dafür!