Man ist mit sich im Reinen – The Gaslight Anthem in der Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf 29.10.2014

The Gaslight Anthem Tour 2014 Düsseldorf

„Great Expectations! Great Expectations!“ „I’ll play it, when we get back on stage. Alright?“ „Yeah!“ Diese Unterhaltung zwischen Brian Fallon und einem sichtlich angetrunkenen Zuschauer, ist bezeichnend für den großartigen Abend, welchen The Gaslight Anthem, allem voran Mastermind Brian Fallon, den 5.000 Leuten an diesem herbstlichen Abend in Düsseldorf bereiten. War man noch etwas enttäuscht von den letzten Konzerten zur „Handwritten“ Tour, hat man sich heute einer gehörigen Portion Rock n Roll und Spielspaß erfreut.

Zurück auf Anfang: Den Abend eröffnet Post-Punk Kombo Bayside aus New York City. Mit Songs wie „Big Cheese und „Winter“ liefern Sänger Anhtony Ranerie und der Rest der Band einen gelungenen Start in den Abend. Leider gehen Deer Trick aus Providence, Rhode Island dagegen ein wenig unter mit ihrer Mischung aus Funk und Pop. Umso mehr freut man sich, als die Lichter zum dritten Mal erlischen und The Gaslight Anthem mit „Stay Vicious“ ihr Konzert beginnen. Schon beim Soundcheck merkte man, dass bei der Band aus New Jersey eine entspannte Atmosphäre herrscht. Dafür sorgt nichts zuletzt auch Brian Fallon, dem das Ende seiner Ehe so gar nicht anzumerken ist. Spontan lädt sich der 34-jährige bei einem Fan zum Schnitzelessen ein und amüsiert sich über ein absichtlich abgebrochenes Rollstuhlrad, welches provokativ in die Luft gehisst wird. „Handicaped or not, do whatever you want“! Musik wird nebenher auch noch gespielt. Das Augenmerk liegt in erster Linie auf dem neuen Album „Get Hurt“, aber auch Klassiker wie „We Came To Dance“, „1930“ oder „Old White Lincoln“ werden lauthals und textsicher mitgesungen.

Kommen wir zum schönsten Moment des Konzerts: Nach „Dark Places“ verschwindet die Band von der Bühne. Brian Fallon kehrt im Anschluss alleine zurück, um sein Versprechen einzuhalten und spielt „Great Expectations“ von ihrem zweiten Album in einer Gänsehaut-Version, in der er all sein Herzblut und doch eine gehörige Portion von seinem momentanen Seelenschmerz darlegt. Schöner kann es eigentlich nicht mehr werden.

Denkste. „The 59 Sound“ holt noch einmal sämtliche Reserven aus den Leuten heraus. Glich das Publikum vorher einem Standgebläse der Extraklasse, wird endlich gesprungen, getanzt und…oh fuck…ist da etwa ein Crowdsurfer, der die Meute anheizt sich mehr zu bewegen? Mit „We’re Getting A Divorce, You Keep The Diner“ verabschieden sich The Gaslight Anthem nach fast zwei Stunden von der Bühne.

Man muss schon wirklich genau suchen, um nach diesem Abend einige Kritikpunkte zu finden. Das Einzige, was einem ein wenig verbesserungswürdig erschien, ist die Tanzfreudigkeit des Publikums. Dieses hat sich im Laufe der letzten Jahre um 180 Grad verändert. Vor fünf Jahren, als sie noch mit Frank Turner im Kölner Underground spielten, sah man noch keine High Heels, Frauen mit Hüten und Männer, die einem Marco Polo Katalog entsprungen sein könnten. Davon sollte man sich trotzdem nicht stören lassen. The Gaslight Anthem waren nie interessiert im Untergrund zu verweilen und sich die Erben irgendeines altgehalfterten „Bosses“ sein. Sie wollen mit ihrer Musik Geld scheffeln, große Hallen ausverkaufen und sich in keine religiöse oder musikalische Schublade packen lassen. Chapeau und Amen dafür!

Die Fotos zum The Gaslight Anthem Konzert aus Düsseldorf 2014 gibt es hier!