Klaus Hoffmann und die Sehnsucht nach Berlin – live in Trier

DATUM» 19.03.2016
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Livekonzerte von Klaus Hoffmann sind etwas ganz Besonderes. Manchmal hat man das Gefühl, als stünden dort zwei grundverschiedene Menschen auf der Bühne. Der extrovertierte Erzähler, immer mit einem kessen Spruch auf der Lippe, der sich in seinen Ansagen verhaspelt, von seltsamen Begebenheiten erzählt oder weit vom Thema abschweift. Dann der introvertierte Sänger und Songwriter, der seine „stille Musik“ so emotionsbeladen ans Publikum bringt und den schmalen Grat zwischen rührseliger Emotion und Nachdenklichkeit so gekonnt beschreitet.

In Trier war Klaus Hoffmann nicht zum ersten Mal. Hohe Polit-Prominenz hatte sich in der Europahalle eingefunden. Selbst Ministerpräsidentin Malu Dreyer wurde gesichtet. Das spielte aber für die Show des Chansonniers keine Rolle und war nicht einmal eine Erwähnung wert. Wenn Klaus Hoffmann auf der Bühne steht, lebt er ganz in seiner eigenen Welt, erzählt aus seinem Leben und immer wieder von der Heimat und dem Sehnsuchtsort Berlin.

Als Mann an den Tasten hatte Hoffmann seinen Langzeit-Sidekick Hawo Bleich mitgebracht, der sich aber auf die Begleitung an Flügel und Keyboard beschränkte und höchstens mal ein süffisantes Grinsen zu den quirligen Ansagen des Entertainers beitrug. Ein großer Teil des Programms wurde mit launigen Anekdoten bestritten und man ertappte sich gern dabei, sich mehr auf die nächste Ansage als auf den nächsten Song zu freuen.

Vielen Besuchern waren die neuen Titel (das Album „Sehnsucht“ erschien 2014) gar nicht sehr geläufig. Sie fieberten vielmehr der nächsten Jacques Brel-Interpretation entgegen. Doch das war auch kein Problem. Das Repertoire unendlich vieler Studioalben ist ohnehin kaum zu überblicken und Hoffmann bemühte sich, aus allen Epochen etwas zu bieten. Er zeigte sich als hervorragender Entertainer mit Berliner Schnauze und interpretierte seine poetischen Chansons mit einer Intensität, die nicht nur mir mehrfach Gänsehaut erzeugte.

Am kommenden Ostersamstag wird Klaus Hoffmann 65 Jahre alt. Ein bewegtes Leben hat er geführt – sein Schauspieltalent mit der Hauptrolle im Plenzdorf-Klassiker „Die neuen Leiden des jungen W.“ dürfte jedem Deutsch-Leistungskursler unvergessen sein.  Wie seine großen Kollegen auf Augenhöhe, Reinhard Mey und Hannes Wader, kann der Jüngste in diesem Trio, der das Rentenalter quasi noch nicht erreicht hat, live durchweg überzeugen.

Und der Abend in Trier wollte mal wieder nicht enden. Im Zugabenblock hatten sich viele Zuhörer längst vor der Bühne versammelt und jubelten dem Künstler zu. Und der ließ sich nicht lumpen: Obwohl das Saallicht schon angeschaltet war und Rausschmeißer-Musik erklang, kam er noch ein letztes Mal auf die Bühne und entließ erst um viertel vor 11 ein begeistertes Publikum in die kalte Trier Nacht.

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