Kult-Comeback aus Italien: „Felicità“ mit Al Bano und Romina Power in Berlin

DATUM» 21.08.2015
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Es ist ein wenig wie ein italienischer Abend in der Waldbühne Berlin – ein warmer Sommertag bei vino, hier und da wird italienisch gesprochen. Die Farben grün-weiß-rot auf Flaggen, Shirts und Transparenten verkünden die Vorfreude über das Comeback des Kult-Duos Al Bano und Romina Power nach 20jähriger Bühnenabstinenz. Obwohl es sich um das einzige Deutschlandkonzert handelt, bleiben so einige Plätze leer auf den zum Abend mittlerweile im Schatten liegenden Sitzplätzen. Zur Einstimmung bis zum Beginn des Konzertes gibt es Al Bano von der Platte. Die Bühne ist schlicht gehalten und auf zwei Bildschirmen flimmert ein Einspieler wie Al Bano als Kind mit seinem Bruder auf dem Land zwischen Olivenbäumen spielt.

Und dann betritt Albano Carrisi, Messias des Südens, zunächst alleine die Bühne: in Jeans und schwarzem Jackett mit langem Schal schmettert er als Solist seine Erfolge und beweist mit „Nel Sole“ dem noch verhaltenen Publikum, dass er stimmlich über die Jahre nichts eingebüßt hat. Zu Celentanos „Azzurro“ wird er von vier elegant gekleideten Backgroundsängerinnen unterstützt; zusätzlich ist ein Orchester als Verstärkung on stage. Das Comeback des Jahres ist sogar eine Schlagzeile für das Fernsehen wert, live wird Al Bano mit dem Italo-Klassiker „Funiculi Funiculà“ in die Nachrichten übertragen, doch alle warten auf nur sie: semplicemente Romina – ganz einfach: Romina – so stellt Al Bano seine jahrzehntelange Partnerin vor, die im wallenden weißen Oberteil und mittlerweile erblondet ihr Heimatland „America“ besingt.

Zwischen Englisch und Italienisch wechseln die Ansagen der beiden – Romina bedauert, obwohl ihre Urgroßmutter Deutsche war, unsere Sprache nicht sprechen zu können. „Ich wünsche, ich könnte Eure Spracke sprecken – aber nix“, witzelt sie sympathisch, wechselt ins fließende Englisch und erzählt wie sie Al Bano kennen und lieben lernte, bevor sie „A Message“ von ihrem aktuellen Soloalbum zum Besten bringt. Ein tragisches Schicksal, das Verschwinden ihrer damals 23jährigen Tochter, trennte die beiden Künstler persönlich und musikalisch. Romina verarbeitet den Verlust in einem deutschen Gedicht, welches sie mit bewegter Stimme vorliest und allen Müttern widmet. Und dann der Song, der beide Künstler endlich auf der Bühne vereint: „Libertà“ zu frenetischem Jubel und Zücken von Fotoapparaten. Mit einem Handkuss begrüßt Al Bano seine Romina und zu „13 Dicembre“, dem Festtag der heiligen Lucia, werden die vier eleganten Backgroundsängerinnen einzeln nach vorne gebeten und stimmen mit dem Publikum den Chorus an. Ein Mann ohne Liebe, eine Frau ohne Liebe – Maschine kaputt, stellen Al Bano und Romina lachend fest. Von Streitereien und Rosenkrieg ist nichts mehr zu merken, fast necken sie sich wie zwei Frischverliebte und erzählen wehmütig „aaah, damals – hätte ich doch nur“ während über die Bildschirme alte private Fotos der beiden flimmern. Bei „Sempre Sempre“ hält es niemanden mehr auf den Sitzen, es wird getanzt, geschaukelt und lauthals mitgesungen als wären wir zurück in den 80ern, in denen wir mit „Sharazan“ und endlich „Felicità“ am liebsten für immer bleiben würden.

Zusammen mit dem Berliner Ernst-Senff-Chor holt uns Al Bano mit „Nabucco“, „Ave Maria“ und „Nessun Dorma“ zurück in die Gegenwart während Romina Zeit hat, ihr Outfit zu wechseln. Standing Ovations zu seiner glasklaren Stimme erntet der Puglieser und mich jagt eine Gänsehaut nach der anderen zu so viel Stimmgewalt. Al Bano ist schon längst ins Italienische gewechselt und kündigt an „dann kommt sie“. Nicht nur Romina kommt auf die Bühne, sondern auch die Nostalgie mit „Nostalgia Canaglia“ und so driften wir zurück in das Jahr 1969 als „Acqua di Mare“ Rominas erster Soloerfolg wurde. „Du warst sehr romantisch, als du mir den Song geschrieben hast, Al Bano“, „das bin ich immer noch“ – „aber nicht mit mir“ erwidert Romina. „Du bist abgehauen“, bedauert er fast im pugliesischem Dialekt – schade, dass solche Kommentare nur die Italiener im Publikum verstehen können. Noch romantischer wird es, als die beiden Frank Sinatras „Something Stupid“ auf Italienisch („Qualche stupido ti amo“) anstimmen, sich nebeneinander setzen und zu ihrem Eurovision-Song 1976 „We´ll Live It All Again“ gemeinsam tanzen. Die alte Vertrautheit scheint zurück und mit „Ci Sarà“ folgt die nächste Schnulze.

In Vino Veritas – die Bühne wird kurzerhand mit zwei Tischen zu einer Weindegustation umgewandelt und ein Dutzend Fans dürfen Platz nehmen und Al Banos Rotwein aus seiner Produktion probieren. Und während ein Medley aus altbekannten Songs wie „Santa Lucia“, „Mamma“, „All You Need Is Love“ und „Volare“ im Schlagabtausch zwischen den beiden Sängern folgt, scherzt Al Bano mit dem Kameramann und den Fans auf der Bühne. Eine echte „notte italiana“ neigt sich dem Ende als Al Bano mit seiner Romina Hand in Hand von der Bühne geht, das Publikum aber lautstark nach einer Zugabe ruft. Und was würde da besser passen als ihren größten Hit nochmals zum Besten zu geben? Fast mag ich behaupten, dass es für eine Live-Version zu perfekt und ein Halb-Playback ist, aber egal – die Waldbühne steht Kopf! „Felicità“ – das ist wenn Al Bano und Romina gemeinsam singen, so ist es auf einem Plakat geschrieben. Und der Song brennt sich ein, wird auf dem Heimweg über Youtube-Kanäle abgespielt und noch in der U-Bahn gesungen. Ein Wiedersehen mit dem Duo dürfte es bald geben: am 18. September erscheint die CD „Live in Verona“ – ihr Auftritt in der Arena für das italienische Fernsehen und an einer gemeinsamen Platte wird gearbeitet.