„Love Gets Dangerous“ – Gefährliche Liebschaften im ExHaus Trier

Die Open Air-Saison in der Region Trier ging auf der Sommerbühne des ExHauses zu Ende – wie sich das gehört. Leider nur vor 700 Zuschauern. Das lag bestimmt nicht am Line Up, denn die Veranstaltung war ausverkauft. Doch brandschutzrechtliche Bestimmungen machen neuerdings den wirklich großen Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung. Schade, denn das Ambiente stimmt noch immer. Der beschauliche Innenhof ist perfekt dafür, es in Deutschlands ältester Stadt ordentlich krachen zu lassen.

Das Festival „Love Gets Dangerous“ stand ganz im Zeichen der antifaschistischen Musikszene. Punk und linker HipHop waren die Markenzeichen der drei deutschsprachigen Headliner, die ab 19 Uhr die Bühne stürmten. Zuvor hatte ich leider Giulio Galaxis und The Baboon Show verpasst. Vor allem letztere sollen den Nachmittag ordentlich gerockt haben, doch man hat ja noch einen Brotjob und muss manchmal Kompromisse schließen.

Wie auch immer. Mit Love A ging es ordentlich zur Sache. Die Post-Punkband hat ihre Wurzeln in Trier und so wurden die Lokalmatadore ordentlich abgefeiert. Das aktuelle (dritte) Album trägt den Titel „Jagd und Hund“ und ist äußerst vielseitig. Einige Prisen Indierock und New Wave mischten sich auch im ExHaus zwischen die typischen Punk-Kracher. Leider ist es ja allgemein üblich, die sinnschweren Worte in diesem Musikstil zu vernuscheln. Aber was die Botschaft war, konnte auch so jeder ahnen: „Nazis raus“ und „Fickt das System“.

Eine Stunde ging viel zu schnell vorbei. Und dann war der HipHop dran. Passt sowas heutzutage? Jawollja, denn die Antilopen Gang ist so herrlich revolutionsromantisch. Schlagzeilen machte die Band im Sommer mit einem Gratiskonzert vor dem Flüchtlingsheim in Freital. Coole Sache. Für ihre Überzeugungen stehen die Rapper ebenso ein wie der Punk von nebenan. Man singt auch gerne mal „Fick die Uni“ – schließlich ist Trier Studentenstadt. Und der Schlagzeuger hämmert wie irre auf den Bestand eines Schrottplatzes ein. Es war auf jeden Fall eine irre Show. Und es wurde lauter und auch bunter auf der atmosphärisch beleuchteten Bühne.

Feine Sahne Fischfilet schließlich hatten nicht nur den geilsten Namen, sondern inzwischen auch ein Stammpublikum in Trier, da sie Ende letzten Jahres als Support der Broilers die Arena gerockt und so manchen Ersttäter überzeugt hatten. Die Punks aus MeckPomm mit ihrem sympathisch rundlichen Frontmann Monchi nahmen wie immer kein Blatt vor den Mund. Warum auch? Dem Verfassungsschutz sind sie eh ein Dorn im Auge und T-Shirt Aufschriften wie „Niemand muss Bulle sein!“ unterstreichen die Differenzen, die man mit der Staatsgewalt hat.

Musikalisch war die Band ganz vorne – traditionell wird der Punk hier schließlich von einigen Bläsern mit Funk-Einlagen verschärft. Das gibt ein glänzendes Alleinstellungsmerkmal an einem solchen Festivalabend. Stimmungsmäßig wurden dann auch wieder Bengalos gezündet, was bei diesen Konzerten dazu gehört, und im Rudeltanz einige blaue Flecken verteilt.

Der krönende Abschluss der Festivalsaison in Trier ist jedenfalls gelungen. Um 23 Uhr dürfte jeder ausgelaugt genug gewesen sein, um beseelt den Heimweg anzutreten. Die Botschaft des Abends ist auch bei jedem angekommen: Es geht um Liebe, nicht um Hass!