Missincat und Hundreds am 8.2.2015 im Kasino Trier

Hundreds Live in Trier 2015
DATUM» 08.02.2015
ARTIST» ,
VENUE»

Zwischen all dem Karnevalstrubel mal ein wenig entspannende Musik. Das war die Mission für das Double Missincat und Hundreds im Kasino Trier. Die altehrwürdige Spielstätte im ehemaligen französischen Offizierscasino am Trierer Kornmarkt ist das perfekte Örtchen, um die älteste Stadt Deutschlands mit verträumten Klängen zwischen Folk und Elektropop zu verwöhnen. 150 Zuschauer fanden sich ein – erst mit vorsichtigem Abstand zur Bühne, bis sich dann die ersten auf dem Boden niederließen und das Kasino bevölkerten wie eine sommerliche Blumenwiese.

Hinter dem Künstlernamen Missincat verbirgt sich die in Berlin lebende Italienerin Catarina Barbieri, die 2009 mit ihrem verträumten Debüt „Back On My Feet“ auf sich aufmerksam machte. Nun präsentiert die Sängerin und Songwriterin bald ihr drittes Album „Wirewalker“ mit zehn akustisch arrangierten lyrischen Pop-Balladen. Sie hat sich musikalisch dem Minimalismus verschreiben und blieb diesem Prinzip auch auf der Bühne treu. Bewaffnet nur mit einer Gitarre oder verträumt am sanften E-Piano. Doch es blieb auch Raum für vertrackte Arrangements. Dazu nutzte Catarina ein Loop-Gerät, spielte die Effekte live mit Rhythmus-Geräten oder Finger-Percussion ein und erschuf eine wundervolle Soundkulisse für ihre Songs.

Die Stimme klang immer ein wenig mädchenhaft, aber dadurch auch sehr prägnant. Die Ansagen mit italienischem Akzent hatten sehr viel Charme. Mal sind ihre Songs zauberhaft optimistisch, manchmal ist die Grundstimmung aber auch sehr nachdenklich. Missincat spielt mit ihrer Stimme, variiert und intensiviert die Gefühle. Mittels vokaler Loops gelang es ihr auch, einen mehrstimmigen Song vorzutragen – eine große Kunst.

Hauptsächlich wurden die Songs des kommenden Albums (VÖ am 27.2.2015) vorgestellt. Auf Songs wie „Pirates“ und „Star“ darf man sich jetzt schon freuen. Zum Abschluss gab es mit „Capita“ nach durchgehend englischen Lyrics noch einen italienischen Song. Für ein beschauliches Sonntagabend-Konzert war Missincat jedenfalls der perfekte Opener und sie hat sicher jede Menge neue Freunde gewonnen.

Hauptact am Abend waren aber Hundreds, ein Elektropop-Duo aus Hamburg. Das Gespann besteht aus den Geschwistern Eva und Philipp Milner. Normalerweise kennt man eher laute Töne von den beiden – viel Elektronik mit Tanzcharakter im Stroboskoplicht. Doch bei der Tour mit dem passenden Namen „Tame The Noise“ will man es leiser angehen. Kann man den Lärm zähmen? Zumindest ansatzweise.

Sängerin Eva betrat barfüßig die Bühne, Philipp drehte dem Publikum meist den Rücken zu – mit den Pianotasten beschäftigt oder in seine Keyboards versunken. Keyboards? Ach ja. Bei Hundreds heißt es schon „akustisch“, wenn statt sechs Monstergeräten nur mal zwei kleine elektronische Kästen auf der Bühne stehen. Der Anfang war auch sehr ruhig gehalten, nur mit Piano und Voice. Echte Instrumente standen durchaus im Vordergrund. Selbst als ein Schlagzeuger mit an Bord kam, erlebten die Zuschauer vor allem intime, handgemachte Musik. Missincat war im Vorprogramm wirklich toll, doch das Zusammenspiel von sphärischen Klängen und Evas eindringlicher tiefer Stimme kreierte eine wundervolle Stimmung, die jeden gefangen nehmen musste.

Im Verlauf des Abends wurde die Musik elektronischer. Es gab wummernde, dröhnende Bässe. Wenn auch niemand in Ekstase geriet, so wurde die Beinmuskulatur doch zumindest zum rhythmischen Mitwippen angeregt. Auf den Boden saß schon lange keiner mehr. Eva sang absolut klar und in beneidenswerten Stimmlagen – bisweilen auch zweistimmig im Duett mit ihrem Bruder. Raum für Stille war trotzdem da und kam auch immer wieder. Zwischendurch aber wurde das Kasino zum groovenden Dancefloor. Das machte den Zauber ihrer Performance aus.

Vorgestellt wurde vor allem das aktuelle Album „Aftermath“. Es gab aber spannende Coverversionen beispielsweise von Björk, als deren großer Fan sich Eva outete. Schmunzelnd erzählte sie die Anekdote, wie sie sich in jungen Jahren als Au Pair bei der jungen Mutter Björk beworben hatte. Leider ohne Erfolg.

Im Zugabenblock gab es überraschend „Wonderful Life“ der Elektropopper Hurts. Und auch dies in einer sehr reduzierten Version, die Stimme der Sängerin betonend und ohne jede Übertreibung. Philipp schaffte es den ganzen Abend, seine Keyboards zurückhaltend zu spielen, auch wenn „eins der kleinen Biester“ kaum zu bändigen sei, wie Eva betonte. Das Hundreds-Konzert endete nach gut 90 Minuten voll heimeliger Musik und entließ ein freudig gestimmtes Publikum in die kalte Nacht. Der Merchandise-Stand war erfreulich gut besucht und mancher konnte die Karnevalsklänge aus den benachbarten Kneipen mit einer Missincat- oder Hundreds-CD in der Tasche vermutlich bedeutend gelassener ertragen.