Positiver geht’s nicht – Frank Turner im Kölner Underground, 03.09.2015

Photo credit: Rainer Keuenhof
DATUM» 03.09.2015
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Frank Turners Besuche in Köln waren immer geprägt von einzigartigen Momenten in besonderen Locations: Sei es den Musiker betrunken auf der Bühne im 200 Mann Club „Blue Shell“ zu erleben, in einer Kirche von einem Priester angekündigt zu werden oder als Support von The Gaslight Anthem im Kölner Underground im Jahre 2009, seinem ersten Konzert überhaupt in Deutschland. In letztere Stätte kehrt er nach sechs Jahren zurück. Dieses Mal als Headliner. Ohnehin hätte der gebürtige Bahrainer die Location eine ganze Woche lang mieten können – vor der Halle campieren dutzende von Fans auf der Suche nach einem Ticket für das Konzert.

Den Anfang macht der Singer/Songwriter „North Alone“ aus Osnabrück, welchen man schon als Support von Flogging Molly in der Domstadt dieses Jahr bewundern durfte. Ein Hauch von Irland weht durch die Luft als die Whiskeygetränkte Reibeisenstimme von Sänger Manuel North die Zeilen „There ain’t no new love songs to write“ durch das Mikrofon presst. Begleitet wird er dabei lediglich von Geige und Akustikgitarre.

Nach dem gelungenen Warm-up lässt sich der Mann des Abends nicht lange bitten: Unter Stroboskoplicht und dem Beifall von 300 Frank-Turner-Hardcore-Hooligans betritt der 33-jährige Brite die Bühne und startet den Abend mit Get Better. Das Hauptaugenmerk des Sets liegt, wie nicht anders zu erwarten, auf Turners neuem Album Positive Songs For Negative People. Gemeine Fan-Hater würden vielleicht behaupten, dass an neuem Kram ruhig hätte etwas gespart werden können. Doch wer Turners sechstem Meilenstein auch nur eine Durchlaufzeit an Aufmerksamkeit schenkt, bemerkt sofort wie nahtlos sich die teils wuchtigen Songs in das neue Set einfügen. Allen voran Josephine wird von der Menge gebührend gefeiert. Doch auch Klassiker wie Photosynthesise werden mit Sitz-Laolas zelebriert. Turner ist sichtlich gut gelaunt, macht hier und da seine Späße und bringt, bei einer kleinen Verschnaufspause für die Band, mit The Ballad of Me and My Friends doch noch eine kleine Rarität aus seinem Repertoire zum Vorschein. Das Bier fließt, die Menge pogt und springt fröhlich vor sich hin – umso verwunderlicher ist es, als Turner nach I Still Believe plötzlich von der Bühne verschwindet! Ist es denn wirklich schon so spät? Tatsache! Ganze 75 Minuten und 20 Songs sind bereits Vergangenheit von Show Nr. 1781.

Das absolute Konzert Highlight beschert eine der größten Wall of Deaths, die das Underground je gesehen hat. Vor der Bühne entwickelt sich eine Tanzfläche, die für keinen anderen Song als Four Simple Words besser geeignet wäre. „I WANT TO DANCE“ ertönt es aus den vorderen Reihen, als Hände, Torsos und Köpfe aufeinander prallen und zu einer tanzenden Bewegung verschmelzen. Da lässt es selbst Turner nicht nehmen sich bei dem Publikum mit einem Crowdsurf zu bedanken und sich anschließend zu verabschieden.

Selten hat klirrende Kälte so gut getan, wie nach diesem Konzert: Konzertgänger wringen ihre triefenden T-Shirts aus, ein Mädchen ist nur noch in der Lage“Luft! Luft!“ zu keuchen und auf der Toilette kippen sich die Leute Literflaschen Wasser auf Ex hinter die Binde. Nichtsdestotrotz, die 100 Minuten haben sich mehr als gelohnt und machen Laune auf weitere schweißtreibende Frank Turner – Konzerte.

SETLIST

  • Get Better
  • If Ever I Stray
  • Long Live the Queen
  • Demons
  • Josephine
  • Polaroid Picture
  • Out of Breath
  • Glorious You
  • Peggy Sang the Blues
  • The Opening Act of Spring
  • The Ballad of Me and My Friends
  • Photosynthesis
  • Plain Sailing Weather
  • Glory Hallelujah
  • Reasons Not to Be an Idiot
  • Mittens
  • Recovery
  • The Road
  • The Next Storm
  • I Still Believe
  • —————
  • The Angel Islington
  • The Way I Tend to Be
  • Try This at Home
  • Four Simple Words