Zurück in die Vergangenheit – Prinz Porno am 23.01.2015 im Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln

Prinz Porno 2015 CBE Ehrenfeld Köln
DATUM» 23.01.2015
ARTIST»
VENUE»

Zugegeben, normalerweise würde der musikalische Künstlername Prinz Porno bei einem durchschnittlichen Publikum – abgesehen natürlich von der Zielgruppe ArabyMoneyRich – im ersten Moment vielleicht nicht gerade das Prädikat „künstlerisch wertvoll“ erhalten. Beim genaueren Hinhören entpuppt es sich als die beste Schaffenszeit des Rappers Friedrich Kautz aka Prinz Pi aka der Rebell ohne Grund. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man beim Konzert des wiederauferstandenen Prinz Porno, der anno 2005 beerdigt wurde, ein Publikum zwischen 25 bis 30 Jahren antrifft. Als Location wurde der jetzt schon instanzverdächtige „Club Bahnhof Ehrenfeld“ gebucht, der besonders durch seinen Industriecharme besticht und gerade einmal Platz für 400 Leute bietet. Perfekte Voraussetzungen für ein schönes „Untergrundkonzert“ an so einen Abend. Dass sein neuestes Album „pp=mc²“ gar nicht mehr so Untergrund ist und einfach mal direkt von 0 auf 1 in die Charts gestiegen ist, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Als um 20:15 Uhr das Licht ausgeht und Prinz Porno höchstpersönlich im „Parental Advisory“ Shirt und mit Freund und Rapperkollegen E-Rich (nein, dieses Mal ist keine Band am Start) die Bühne betritt, wird er lautstark empfangen. So richtig warm wird der Prinz mit dem Publikum anfangs jedoch nicht, trotz der tropischen Hitze, die sich in der Halle breit macht. Das liegt auch zuletzt auch daran, dass man den Untergrundrapper durch den ganzen Nebel, der wie Kamelle durch die Maschinen gepumpt wird, überhaupt nicht sehen kann: Textausfälle durch anhaltendes Husten sind die Folge. Nach mehrmaligem Anflehen seitens des Künstlers an die Technik, die Bühnensituation zu verändern, verzieht die Dunstwolke langsam und es wird Platz für mehr Eskalation geboten. Die Setlist geht runter wie Dosenbier, die Mischung aus Neu und Alt verträgt sich hervorragend. Gerade beim Beatfarbrik Song Du Hure sieht man eine durch und durch grinsende Männermeute aus voller Kehle textsicher mitsingen. Immer wieder schön zu sehen ist, wie sich Künstler und Publikum den Ball hin und her spielen, wie beispielsweise bei Reiss es ab oder Chilig. Schwieriger wird es da schon bei alten Perlen wie Bonnies Ranch oder Sneakerking den Lyrics überhaupt zu folgen. Selbst eingesessene Fans können die Lyrics nur hilflos mitstammeln und schauen sich fragend an, auf welchem der gefühlten zwanzig Prinz Porno-Alben der Song vertreten ist. Keine Liebe hingegen ließe sich locker als instrumental für die Menge spielen: Gefühlt vier von fünf Personen brüllen den Prinzen mit erhobenen Zeigefinger und wutentbranntem Gesicht Zeile für Zeile um die Ohren.

In der Zugabe kommt noch mehr Bewegung in die Bude. Mit 100x, Generation Porno und seinem wohl mit erfolgreichstem Song Gib dem Affen Zucker entführt nun Prinz Pi die Menge einmal mehr ins Land der Crowdsurfs, Pits, und nicht zuletzt ins Land der Schmerzen und Blutergüsse. Ein schönes und bleibendes Andenken für die kommenden Tage.

Eine verkommene, schnuckelige Industrielocation, aggressiver Sound, ein Künstler, der fast nur alte Evergreens zum Besten gibt, Ecken und Kanten, schweißtriefende Shirts – was will man an einem Freitagabend mehr? Man ist nun natürlich wieder ein wenig voreingenommen, wenn man an das nächste Konzert von Prinz Pi denkt, wo eine weitaus jüngere Zielgruppe eher hören will, wie man mit Situationen wie bei Laura, der Liebe und der verdammten Jugend umzugehen hat. Alles hat seine Daseinsberechtigung. Trotzdem war dieses Konzert, generell diese Tour, ein einzigartiges Erlebnis und eine schöne Reise in die Vergangenheit.