Punkrock Attitüde ohne viel Blink Blink – Sum 41 in der LMH, Köln, 26.02.2016

Photo credit: Rainer Keuenhof
DATUM» 26.02.2016
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Nach drei langen Jahren sind die Herren um Deryck Whibley endlich wieder in der Domstadt anzutreffen. Die Live Music Hall wird leider erst zu den letzten Tönen des Supports Newsted betreten, da man vorher durch einen Irrgarten aus überfüllten Garderoben (mal überfüllt, dann wieder doch nicht) irgendwo seine Jacke abgeben musste. Nichtsdestotrotz sind viele Fans voller Erwartung, ob die Kanadier genau so gute Show hinlegen, wie vor drei Jahren an Ort und Stelle.

Over My Head lässt die vordere Hälfte der ausverkauften Live Music Hall zum ersten Mal springen. Auf eine Begrüßung wird verzichtet: Let’s Fucking Do this!“, ist das Einzige, was man vom  35-jährigen Ex-Mann von Avril Lavigne in den ersten Minuten zu hören bekommt. Er lässt eher die Songs Motivation und The Hell Song für sich sprechen. Rhytmisches Klatschen und Kopfnicken ist zumindest in den ersten Reihen vollkommen fehl am Platz. Das Publikum wirft förmlich sich aufeinander. Die Rarität Makes No Difference vom ersten Album sorgt für eine kleine Verschnaufspause, vielleicht auch weil der Song, den Sum 41 einst einen Major-Deal ermöglichte, beim teilweise sehr jungen Publikum ein Unbekannter ist. We’re All To Blame lässt die Massen da eher aufhorchen: Prompt wird ein Circle Pit von der Größe eines Riesenrads gebildet. Als Sahnehäubchen stehen Frauen auf den Schultern ihrer Männer und lassen sich beim Anlauf in die Menge fallen. Punkrock Herz, was willst du mehr? Vielleicht auf der Bühne stehen? Kurzerhand erleben acht Auserwählte den weiteren Verlauf rund zwei Meter seitlich von der Band entfernt. Deryck Whibley ist der Jahre lange Alkoholmissbrauch, inklusive einem Schlaganfall mit künstlichem Koma nicht im geringsten anzumerken und wirkt so lebendig wie die Erinnerungen der Apfelkuchen aus American Pie und die entsprechende Hintergrundmusik. Zu Sick of Everything gehen hunderte von Mittelfingern gegen Donald Trump in die Höhe. Weisheiten kommen vom Sänger zu fortgeschrittener Zeit nicht zu knapp: Abgesehen vom üblichen „You bunch of crazy motherfuckers! You guys are motherfuckers, you fucking motherfuckers, you wanna go fucking crazy right?“, prophezeit er dem gesamten Publikum, aufgrund von erhöhten Punkrock- und Metalkonsums, einen langen Aufenthalt in der Hölle. Grölende Zustimmung macht sich unter der Menge breit. Ein letztes Mal werden zu  Underclass Hero und Fat Lip die Sprunggelenke ausgetestet, dann ist nach geschlagenen 1,5 Stunden Schluss.

Eine der Dinge, die an der Band über all die Jahre war, ist der Fakt, dass die Gruppe stets ohne riesige Skandale, soliden Punkrock und noch solidiere Live-Shows für die Massen produzieren konnten. Sicherlich hatten sie ihre Tiefs, allen voran Deryck Whibley, doch im Vergleich zu anderen Nummernbands aus der Zeit wurde keine mediale Sensation aus jedem Fliegenschiss veranstaltet. Sie konzentrieren sich aufs Wesentliche: 90 Minuten Ausrasten zu vernünftigen Preisen, ohne Konfetti und großartiger Blink Blink Attitüde.

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Letzte Aktualisierung am 28.09.2016 um 22:10 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API