Sarah Connor am 9. März 2016 in der Arena Trier

Photo credit: Simon Engelbert
DATUM» 09.03.2016
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Es begab sich aber zu der Zeit, dass Sarah Connor bei „Sing meinen Song“ auftrat. Und sogleich fragte ich mich, was Herrn Naidoo denn da geritten hat. Diese Tussi aus der Dokusoap „Sarah & Marc In Love“, die uns so lange mit Hits wie „Let’s Get Back To Bed – Boy!“ und „From Zero To Hero“ gequält hatte. Aber die Überraschung folgte auf dem Fuße, nämlich dann, als die Sängerin plötzlich deutsche Titel zu Gehör brachte. Vor allem die Interpretation von Gregor Meyles „Keiner ist wie du“ war ein Aha-Erlebnis. So sanft und verträumt gesungen. Ein Genuss!

Sarah Connor hat selbst gemerkt, dass die neue Richtung bei den Kollegen und beim Publikum hervorragend ankam. Es entstand das Album „Muttersprache“ mit ausschließlich deutschsprachigen Titeln. Und der Interpretin gelang das, was in den Jahren zuvor schon Udo Lindenberg, Peter Fox, Unheilig und die Toten Hosen geschafft hatten: Sie wurde zur deutschen Konsens-Künstlerin. „Muttersprache“ enthält Musik, die Generationen verbindet. Das konnte man auch beim Konzert in der Arena Trier sehen: Nicht nur die beste Freundin wurde mit ins Konzert geschleppt – am besten auch noch das Töchterchen und die dazu gehörige Oma. Männliche Wesen waren eindeutig in der Minderheit.

Sarah hatte eine große Bühne mitgebracht, auf der sie sich aber als Künstlerin nicht verlor. Ein Steg ging ins Publikum und erlaubte Nähe zu den Zuhörern. Der Bühnenhintergrund war meist in rotes Licht getaucht, als Effekte gab es hauptsächlich Livebilder auf Leinwand. Stärker als jeder Pyro- und Glitzeraufwand funktionierte die hervorragende Band mit drei stimmgewaltigen Backgoundladies, gleich zwei Schlagzeugern (einmal herkömmlich, einmal Percussion), drei Gitarristen und Keyboard. Sarah selbst erschien im schwarz gehaltenen Kostüm mit Al-Capone-Hut.

Wie zu erwarten, wurde das komplette Album „Muttersprache“ gespielt. Songs wie „Halt mich“ und „Anorak“ zu Beginn. Dann „Deutsches Liebeslied“ als erster echter Publikumssong, den die ganze Halle textsicher mitsang. Vor allem waren es Balladen, die durch starke Metaphern und eine ganz eigen Poesie überzeugten. Man sah Sarah Connor in ihrem (neuen) Element und es wurde deutlich, dass sie den Dancefloor nicht mehr braucht.

Trotzdem gab es auch eine Reise in die Vergangenheit mit einem englischsprachigen Block. „French Kissing“, „Bounce“ und weitere Hits der Vergangenheit wurden zu einem Medley verbunden, es gab ein Motown-Cover und natürlich das unvermeidliche „From Sarah With Love“, allerdings in einer sehr filigranen, jazzlastigen Version. Zwischendurch dufte die Band „Working Day And Night“ komplett allein gestalten, um Sarah eine Verschnaufpause zu gönnen.

Im Anschluss folgten die großen Hits – quasi der Konzerthöhepunkt. Für „Das Leben ist schön“ wünschte Sarah sich, dass nach ihrem Tod nicht getrauert, sondern das Leben gefeiert wird. Es gab einen Gruß aus der Ferne für Gregor Meyle mit „Keiner ist wie du“. Der Song „Bedingungslos“ erzählt ein Stück ihrer Lebensgeschichte, handelt aber auch von bedingungsloser Mutterliebe. Diese Titel trug Sarah im fast schon intimen Ambiente vor, ganz nah am Publikum, von den Mitmusikern in trauter akustischer Runde umgeben.

Zu „Kommst du mit ihr“ wurde wieder gerockt. Das eifersüchtige Paradestück, das die anwesenden Frauen voll Inbrunst mitsangen,  erinnert in seiner Direktheit und musikalischen Intensität an Melissa Etheridges „Like The Way I Do“. Den Abschluss des Konzerts bildete aber die wichtigste Single „Wie schön du bist“. Ein Song, für den Sarah eigentlich von ihrem Sohn inspiriert wurde, den man aber auch als universelles Liebeslied verstehen kann.

Den Zugabenteil eröffnete das Mother’s Finest Cover „Baby Love“. Der Song ist wie geschaffen für eine solistische Bandvorstellung. Ganz zum Ende hin gab es die noch fehlenden Muttersprache-Stücke „Mein König“, das Sarah ihrem neuen Lebenspartner Florian Fischer widmete, und das sehr aktuelle „Augen auf“ als eindringlichen Appell an Verantwortung und Zivilcourage. Die gut zwei Stunden Konzertlänge sind wie im Flug vergangen und Sarah Connor war durch und durch überzeugend. Ich fand es wirklich erstaunlich, hier hautnah zu erleben, wie Sarah Connor sich als Künstlerin vollkommen neu erfunden hat und in dieser Rolle aufgeht. Ein fantastisches Konzert, das ein begeistertes Publikum zurück ließ.

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Letzte Aktualisierung am 4.12.2016 um 14:16 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API