Taylor Swift startet ihre Europa-Tour in der Lanxess Arena

DATUM» 19.06.2015
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Wo bin ich hier nur rein geraten… Während die Hälfte der Kölner Richtung Jahnwiesen zieht oder ihre Fenster weit öffnet, um AC/DC live zu hören, mache ich mich auf zur Lanxess Arena. Auf dem Weg treffe ich Teenies und ihre eifrigen Eltern, die genauso aufgeregt die selbst gebastelten, LED-verzierten Pappschilder ihrer Sprösslinge tragen.

Angefangen hat Taylor Swift als US-amerikanisches Country-Sternchen – mittlerweile ist sie siebenfache Grammy-Gewinnerin. 30 Millionen Albumverkäufe, 80 Millionen Song-Downloads, alles was geht auf Platz 1. Ach ja, und die jüngste Frau, die vom Billboard Magazin als Woman of the Year ausgezeichnet wurde. Mittlerweile ist passiert, was bei Kinderstars immer passiert: Die Frau ist erwachsen geworden. Ihre Emanzipation heißt Pop – ihr aktuelles Album „1989“ ist genau das. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin Miley bleibt die Zunge aber drin und die Bluse zu. Bei Taylor Swift geht es nicht um Sex, sondern um Romantik und Freundschaft und „Wir schaffen alles zusammen“. Dementsprechend jung ist ihre Zielgruppe.

Bevor es mit der Show richtig losgeht, zeigt uns die Dame, was Entertainment ist – davon können sich einige Live-Acts in Deutschland noch eine Scheibe abschneiden:
1. Großartiger Support: James Bay spielt das Kontrastprogramm zum heutigen Abend. Mit kleiner, schrammeliger Band auf der großen Bühne. Ganz, ganz toll.
2. Während des Umbaus gibt es Videos auf der Leinwand: Outtakes von den Dreharbeiten, Interviews mit Taylor, tanzende Fans, ein bisschen Werbung für dies und das.
3. Ganz amerikanisch zeigt die Arena-Kamera auch noch live ausgewählte Fans aus der Halle, die ihre Schilder und Verkleidungen vorzeigen. Die kommen z.B. aus Ungarn und den USA, haben sich aufwendig vorbereitet oder begrüßen ihre Taylor in Köln, Deutschland und ihrem Herzen. Mit LED-Blinkelichtern.
4. Kurz bevor die Show losgeht, kommt Taylor Swift an der Seite sogar noch mal kurz raus und begrüßt ein paar Fans. Das kriegen gar nicht alle mit.
5. Armbänder! Die bekommen alle Fans am Eingang. Und die leuchten später im Takt der Musik in verschiedenen Farben und sorgen für die richtige Atmosphäre.

Die ganze Show ist darauf ausgelegt, dass das hier für alle ein toller Abend wird. Mit „Welcome to New York“ springt Taylor auf die Bühne, bei „Blank Space“ gibt es schon den ersten kleinen Kostümwechsel. Das ist natürlich alles durchchoreographiert, aber nicht perfekter Plastikpop. Auch Taylor Swift ist nicht perfekt: Es gibt Sängerinnen mit kräftigerer Stimme und sicher auch ausdrucksstärkere Tänzerinnen. Auch „sexy“ wirkt sie immer ein bisschen unbeholfen. Aber das alles macht sie sympathisch.

Noch besser wird die Show, wenn Taylor sich selbst die Gitarre umschnallt oder sich vor das seltsam alienartige Klavir setzt, bei „I Know Places“, „Love Story“ oder „Style“ zum Beispiel. Bei „Bad Blood“ sehen die Tänzer toll aus! Danach gibt es noch eine E-Gitarren-Rockversion von „Wildest Dreams“ – komplett mit „Seven Nation Army“-Video im Hintergrund.

Die Videos während der Kostümwechsel sind dann aber schon ein bisschen peinlich – oder ich aus der Beste-Freundin-Phase raus. Darin erzählen berühmte Freundinnen, wie toll Taylor ist, wie super Mädchenfreundschaften sind und wie gerne Taylor Katzen mag. Die ganze Halle kreischt bei Selena Gomez und Cara Delevingne, dafür kennt leider keiner Lena Dunham oder die Haim-Mädels.

Am Ende hatte ich einen super Abend – auch wenn meine Twitter-Timeline danach von AC/DC-Lobgesängen überläuft. Alles egal. Haters gonna hate, hate, hate, hate, hate.