Wild, graziös und ein bißchen durchgeknallt: Florence + The Machine in Düsseldorf

Nachdem es 2014 eher ruhig um Florence + The Machine war, meldete sich die Band Ende Mai mit ihrem dritten Album „How Big How Blue How Beautiful“ zurück. Bevor der Longplayer erschien, musste Sängerin Florence Welch einen kleinen Rückschlag einstecken: Im April brach sie sich auf dem kalifornischen Coachella Festival bei einem Sprung von der Bühne den Fuß. Die nächsten Konzerte wurden einfach im Sitzen gespielt (wenn auch ohne einen Thron á la Dave Grohl) und einige Wochen später hüpfte das Energiebündel wieder in gewohnt ausgelassener Manier über die Bühne. Musikalisch setzte die Band auf satte Gitarren-Riffs und Bläser-Parts und das Konzept ging auf: „How Big How Blue How Beautiful“ erreichte Platz eins in den USA, UK, Kanada, Australien und weiteren Ländern. In den deutschen Album-Charts stieg es auf Nummer drei ein. Mitte Dezember startete dann die langerwartete Deutschland-Tour von Florence + The Machine mit Konzerten in Berlin, Hamburg, München und heute zum Abschluss in Düsseldorf.

Die Mitsubishi Electric Halle ist bis auf den letzten Platz ausverkauft und selbst der ist besetzt. Kurz: Es ist knüppelvoll. Um Punkt 21 Uhr beginnt der grosse Aufmarsch auf der Bühne. Ich zähle elf Bandmitglieder, die an ihren Instrumenten Platz nehmen (darunter Harfe und Bläser), bevor Frau Welch elfengleich auf die Bühne tänzelt und mit frenetischem Jubel empfangen wird. „What The Water Gave Me“ ist der erste Song des Abends, gefolgt von „Ship To Wreck“, das auf The Smith-inspirierten Gitarren segelt. Zwei Videoleinwände sorgen dafür, dass auch der bereits erwähnte letzte Platz beste Sicht auf das Geschehen hat. Der Sound ist wunderbar ausbalanciert und lässt die grossartige Stimme von Florence Welch wie einen warmen Wind durch die Halle schweben. In Sachen Bühnenoutfit hat sie sich offenbar von Guildo Horn beraten lassen. Im Bühnenhintergrund glitzern hunderte Mosaike wie Lametta (was zur vorweihnachtlichen Stimmung passt) und während „Rabbit Heart (Raise It Up)“ geht Florence Welch auf Tuchfühlung zu den Fans in der ersten Reihe und verschenkt ihren Blumenkranz.

Irgendwie denkt man im einen Moment, dass die Frau da oben komplett durchgeknallt ist, um dann im nächsten Moment ihre zum Teil etwas übertrieben albernen Ansagen unglaublich sympathisch zu finden. So fordert sie die Fans vor „Third Eye“ auf die Handys wegzustecken und sich gegenseitig in den Arm zu nehmen. Später spielt sie mit dem The Source-Cover „You’ve Got The Love“, das von den Düsseldorfern lauthals mitgesungen wird, auf der ganz grossen Gefühls-Klaviatur, nur noch übertroffen von einer wunderschönen Akustikversion von „Cosmic Love“. „Ich liebe dich“ brüllt jemand quer durch die Halle und hätte Florence Welch ihn verstanden, wäre sie bestimmt rot geworden und hätte gekichert. Dass sie auch richtig Party machen können beweisen Florence + The Machine dann zum Abschluss des Mainsets mit dem Dreierpack aus „What Kind Of Man“ (und einem Refrain für die Ewigkeit), „Spectrum“ und „Dog Days Are Over“. Inzwischen sitzt in der Mitsubishi Electric Halle niemand mehr und der rothaarige Wirbelwind ist bei der Beschwörung des Weltfriedens angekommen. Süss!

Im Zugabenblock gibt es dann noch das kraftstrotzende „Mother“ und den „Drumming Song“, bevor Florence Welch nach insgesamt 95 Minuten zum letzten Abklatschen für dieses Jahr in den Bühnengraben springt und dabei diesmal unverletzt bleibt. Nicht nur stimmlich verfügt die Frau über eine enorme Power. Ihre ersten Konzerte absolvierte sie lediglich mit einer E-Gitarre um den Hals und einem Schlagzeuger auf der Bühne. Heute ist sie zu Recht in der ersten Liga angekommen. Es gibt nicht wenige Leute, die jeden ihrer Songs als Volltreffer bezeichnen, jede Zeile als Gedicht und jedes gesungene Wort als Wohltat für die Seele und nach einem solchen Abend wie heute fällt es schwer ihnen zu widersprechen. Dafür lohnt sich sogar ein Ausflug in den eigentlich verbotenen Vorort von Köln. How Beautiful!

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Letzte Aktualisierung am 2.12.2016 um 20:15 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API