Willkommen im Diktatorenhimmel – K.I.Z. in der Sporthalle, Hamburg, 20.11.2015

DATUM» 20.11.2015
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Schon von Weitem sind die K.I.Z. Anhänger aka die Taka Tuka Ultras mit lautem Gebrülle in Hamburg zu hören und zu sehen: Seien es Gesangschöre à la „Ich war in der Schule und habe nichts gelernt“ oder Hahnenkampf-Masken tragende zwei meter Schränke – der gesamte Hamburger Norden gleicht heute einer Freakshow.

Pünktlich um 21 Uhr erlöschen die Lampen der Hamburger Sporthalle und ein Video zeigt die vier Berliner, bei dem was sie am Besten können: Geld zählen, Groupies vernaschen und dem Backstagepersonal eine Knarre an die Schläfe halten: eben richtiger Urlaub für’s Gehirn. Das Bühnenbild gleicht einer Kopie der Berliner Mauer. Über welcher die vier Diktatoren Maxim, Nico, Tarek und DJ Craft mit ihrem Scharfsinn und ihrer Rhetorik wachen. Letzterer hat an seinem heutigen Geburtstag nur einen Wunsch: zu dem Beat von Spasst„Alle Hände nach oben und springt“. Gesagt, getan, ihre 6.500 Untergebenen sorgen ohnehin für eine bärenstarke Stimmung.

Zum Kannibalenlied verschwindet die Combo von der Bühne. Während die Masse die Taka Tuka – Hymne voller Inbrunst und Ehrfurcht  mitsingt, mischen sich die vier Berliner unter die Meute und erscheinen plötzlich an der Technik. Von ihren Rednerpulten aus werden brennende Wutreden gegen den Endfeind, den Hater, geschwungen und Lobeshymnen auf den einzig wahren Fan gesungen. Und mit welchem Song könnte man diese Predigt schöner beenden, als mit Abteilungsleiter der Liebe?

Auch nackte Haut wird heute Abend präsentiert: Maxim klettert beim Song Käfigbett aus einer Papp-Vagina, räkelt und quengelt sich auf dem Boden, Zeile um Zeile, wie er seine Eltern umbringen möchte. Der Vollmond leuchtet nach 75 Minuten hell über der Bühne, die Feuerzeuge gehen bei „fünf,…äh drei“ gleichzeitig an und tauchen die Sporthalle in eine Totenkammer: Auch wenn man Neuruppin schon hunderte Male mit seinen Kumpanen bei Saufgelagen im Park gegen den Mond gebrüllt hat, die Atmosphäre sorgt immer noch nach all den Jahren für eine Gänsehaut am gesamten Körper.

Die Zugabe bietet mit einem Remix des Evergreens Walpurgisnacht noch eine Überraschung in der Setlist. Last but not least schließt sich der Vorhang. 13.000 Hände schnellen am Ende nach oben um mit den Berlinern ein letztes Mal zur Melodie von „We Are The World“, einen ganz besonderen Hurensohn zu feiern. Da geht das Herz selbst neuen, minderjährigen Gläubigen auf, die K.I.Z. heute zum ersten Mal sehen.

Seien wir ehrlich, über die Live-Qualitäten von K.I.Z. brauchen wir nicht diskutieren. Was den Abend wirklich besonders gemacht hat, war das Publikum: Es ist keine Seltenheit, dass man sich bei 6.500 Leuten ein wenig anonym fühlt, dass es bei den Konzerten Stimmungshänger gibt oder, dass die hinteren Reihen nicht bei jedem Schund mitmachen wollen. Bei diesem Konzert jedoch hat die Meute als Einheit funktioniert, als der eine wahre Fan. Und auf den können K.I.Z. stolz sein und ihn auch gerne auf das Raumschiff mitnehmen.

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Letzte Aktualisierung am 2.12.2016 um 15:15 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API