Zu jeder Zeit stimmig: My Morning Jacket am 02.09.2015 im Kölner Gloria

My Morning Jacket Pressefoto
DATUM» 02.09.2015
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Es war einmal das Jahr 2006. Da spielte die letzte große Band der Grunge-Ära eine ziemlich tolle Europa-Tour und hatte eine Supportband namens “My Morning Jacket” an ihrer Seite. Deren Songs waren so eingängig und bestechend, dass die Pearl Jam Fans nicht nur wegen der guten Plätze früh die Arenen füllten. Klasse Songwriting, gute Live-Qualitäten und die richtigen Einflüsse (The Who, Neil Young…) versprachen eine rosige Zukunft der Musiker aus Kentucky. Allerdings lieferten sie in den Folgejahren mit “Circuital” und “Evil Urges” weniger inspirierte Alben ab.

Nun stehen sie also kurz nach der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums “The Waterfall” auf der Bühne des Kölner Glorias und präsentieren die neuen Stücke im Bewusstsein, ein gelungenes Werk vorgelegt zu haben. “Spring”, “Compound Fracture” und “In Its Infancy” werden entsprechend früh im Set präsentiert. Eine Mischung aus Americana und Psychedelic prägt so von Beginn an die Atmosphäre des Abends. Und da auch der Sound nichts zu wünschen übrig lässt, hat die Band das Publikum schnell auf seiner Seite. Die Gitarre legt Sänger Jim James erstmals zu “Touch Me I’m Going to Scream Pt. 1” zur Seite. Mit Handtuch über dem Kopf lässt er seine butterzarte Stimme über der Musik schweben. Manchmal knapp an der Überkandidelung, aber letztlich immer stimmig. Sein Hemd sieht aus wie das Ergebnis eines Lightpainting-Workshops, aber auch hier muss man sagen, dass es bestens ins plüschige Gloria mit seinen samtroten Wänden passt.

Am anderen Bühnenrand gibt Carl Broemel vor allem während der Ballade “Steam Engine” sein Bestes. Nach träumerischem Gitarren-Solo wechselt er ans Saxophon. Das gesamte Stück nimmt in seiner Live-Version einen komplexen Verlauf, der in einem wilden Finale mündet und so den agileren Teil des Mainsets einläutet. “What A Wonderful Man” aus “Z”, dem wohl stärksten Album der Band, kann sich kaum eine(r) entziehen. Nach kurzem Akkustik-Part (“Hopefully”) endet das Mainset wieder mit Songs des aktuellen Albums. “Tropics” und “Believe” unterstreichen auch in ihren Live-Versionen die Qualität von “The Waterfall”, mit dem die Männer aus Louisville einen guten Weg eingeschlagen haben. Ob es tatsächlich ein Weg oder eher wieder eine Momentaufnahme ist, wird die Zukunft zeigen. Heute ist “Anytime” der zeitlos grandiose Abschluss des Mainsets.

In der Zugabe sticht zunächst “Lay Low” hervor und da die Drums zunächst vom Band kommen, kann sich Drummer Patrick Hallahan auch mal entspannen. Auch im Schlussakt des Konzertes wartet man vergeblich auf irgend ein Wort der Band an das Publikum. Man lässt lieber die Musik sprechen und tut das vor allem mit dem unglaublich verspielten “Touch Me I’m Going to Scream Pt. 2”. Das Theater wird zum Dancefloor. Mit dem bewährten “One Big Holiday” endet der zweistündige Auftritt. Wieder einmal hatte die Setlist Unerwartetes zu bieten. Und deutlich zu spüren war die Spielfreude der Band. Wenn der mit “The Waterfall” eingeschlagene Weg beständig sein wird, steht rosigen Zeiten rund um My Morning Jacket nichts im Weg.

Setlist:

  • Spring (Among The Living)
  • The Dark
  • Compound Fracture
  • Evil Urges
  • In Its Infancy (The Waterfall)
  • Touch Me I’m Going to Scream Pt. 1
  • Steam Engine
  • Master Plan
  • What A Wonderful Man
  • Victory Dance
  • Hopefully
  • Like A River
  • Tropics (Erase Traces)
  • Believe (Nobody Knows)
  • Anytime
    ——–
  • Circuital
  • Lay Low
  • Touch Me I’m Going to Scream Pt. 2
  • One Big Holiday