„Der letzte Song“ – aus dem Leben eines Musikredakteurs

VERÖFFENTLICHUNG» 01.07.2016
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Der Ich-Erzähler des Romans trägt den Namen Max Lauschke und ist Musikredakteur in einem süddeutschen Radiosender. Ein sehr gelangweiltes Exemplar seiner Gattung. Er hört den eigenen Sender nur in Notfällen, denn er hasst die Musikfolgen, die ein Programm aus „bestgetesteten“ Titeln ihm vorgibt.

Man hat ja schon immer geahnt, dass Redakteure sich diese immer gleich klingende Playlist im Radio nicht selbst ausdenken können. Und tatsächlich bekommt man die Bestätigung: denn Reiner Ussat plaudert hier aus dem Nähkästchen. Jahrgang 1957, geboren in Hamburg, landete er schließlich in München und war dort 18 Jahre lang in dem Job tätig, den er hier so gekonnt auf die Schippe nimmt.

Womit muss man sich da rumschlagen? Mit Kollegen (Chefs, Sprechern, Praktikanten, Promo-Tanten und Sekretärinnen), die jedem gängigen Klischee entsprechen. Und natürlich mit den Hörern und ihren Wünschen. Besonders amüsant finde ich die kursiv eingesetzten Hörer-Wunschmails und die zynischen Antworten, die der Protagonist des Buches so in petto hat. Klasse.

Die Handlung ist mehr ein innerer Monolog. Lauschke erzählt von seiner Arbeit und aus seinem Leben. Als roter Faden dienen immer wiederkehrende Morddrohungen eines erbosten Zuhörers, der Celine Dions „My Heart Will Go On“ nicht mehr hören will. Als Leser gebe ich dem genervten Hörer recht. Ich kann die Heulboje auch nicht ertragen. Aber Redakteur Lauschke sind die Hände gebunden – denn der Sender glaubt zu wissen, dass seine Zielgruppe Celin Dion mag. Eine böse Zwickmühle.

Der Blick hinter die Kulissen des Radio-Machens ist eine wundervolle Ansammlung von Anekdoten. Das Radio-Gewinnspiel wurde versehentlich zu früh gelöst, der Redaktionshund Grönemeyer ist spurlos verschwunden, der Chefredakteur vernascht eine Kollegin auf der Behindertentoilette – und schließlich begeht Lauschke einen folgenschweren Fehler.

Reiner Ussat nimmt uns mit auf eine witzige Reise in. Sein Schreibstil ist amüsant und gut nachvollziehbar. Die Traumsequenz zum Ende hin hat mich etwas genervt, doch darüber kann man getrost hinweg sehen. Wen schon immer interessiert hat, was beim Radiosender seines Vertrauens passiert, wenn gerade keiner zuhört, bekommt hier die selbst-ironische Vollbedienung.

Unsere Empfehlung

Der letzte Song: Ein Radio-Roman
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  • Taschenbuch: 288 Seiten

Letzte Aktualisierung am 6.12.2016 um 06:12 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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