Flake: der „Tastenficker“ von Rammstein erzählt seine Biographie

VERÖFFENTLICHUNG» 16.03.2015
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Fans der Band sollten vor dem Kauf des Buches zunächst einmal die letzte Textseite aufschlagen, denn das kann Enttäuschungen vorbeugen: „Jetzt fällt mir auf, dass ich eigentlich gar nichts über Rammstein erzählt habe“. Nasowas. Der Keyboarder der weltweit berühmtesten deutschsprachigen Band schreibt eine Biographie und vergisst dabei, sich über Karriere und Hintergründe von Rammstein auszulassen? Tatsächlich. Der Bandname wird auf der letzten Seite erstmals erwähnt. Die Episode als Keyboarder ebendieser Erfolgsgaranten auf den Seiten 350-385 abgehandelt. Das dürfte nicht den Erwartungen der Fangemeinde entsprechen – aber Flake ist trotzdem ein kurzweiliges Buch gelungen.

„Der Tastenficker“ ist die Biographie eines weltberühmten Keyboarders (Christian Lorenz, genannt Flake), der Einiges zu berichten weiß. Vor allem über die Musikszene und das Künstlerleben im letzten Jahrzehnt der DDR. Immerhin stieg das Buch inzwischen in die Bestsellerlisten von Spiegel und Stern ein. Es scheint die Leute also nicht zu stören, dass das Kapitel Rammstein zur Anekdote am Rande verkommt.

Stattdessen erfahren wir viel übers Familienleben in der DDR. Die Subkulturlandschaft, die es dort gegeben hat. Während Flakes Eltern dem System durchaus kritisch gegenüber stehen, kann Flake der Welt dort viel abgewinnen und erzählt davon, wie er 1990 die Wiedervereinigung betrauerte. Es ist die Geschichte des Aufwachsens als Außenseiter. Des Unsportlichen unter lauter Sport-Assen. Des Tastenfickers, der doch so gerne ein richtiger Musiker wäre.

Flake erzählt im Fluss, manchmal ohne Punkt und Komma. Er lässt seinen Gedanken freien Lauf und ist alles andere als chronologisch. Das Schlittern von einer Band in die nächste. Wie man sich als Künstler über Wasser hält und mit dem System arrangiert. Oft witzig, aber vor allem zeitgeschichtlich relevant. Weil uns doch allen klar war, dass es „drüben“ nicht nur Unzufriedene gab, sondern auch Menschen, die sich durchaus wohl fühlten in ihrer Haut und ihr Leben lebten. Ostalgiker werden sich an den kleinen Details erfreuen, die Flake zu benennen weiß. Und logisch lädt es zum Schmunzeln ein, wenn der Heranwachsende im Osten die Rolling Stones und die Beatles entdeckt.

„Der Tastenficker“ liest sich wunderbar leicht und ich war mehrfach fasziniert von der Fülle an Gedanken und philosophischen Ideen, die darin stecken. Am Anfang ertappte ich mich noch dabei, ab und zu ein paar Seiten vor zu blättern, weil ich doch über Rammstein lesen wollte, aber zum Ende hin war das nicht mehr wichtig. Flake hat auch vor dem großen Ruhm ein überaus interessantes Leben geführt und man folgt gern seinen Ausführungen dazu.