Einfach genial oder genial einfach: AC/DC „Rock Or Bust“

VERÖFFENTLICHUNG» 28.11.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Musik kann so einfach sein. Und trotzdem genial. Eine Band, die diese beiden Attribute seit 40 Jahren auf sich vereint, ist AC/DC. Und die Australier waren immer dann am stärksten, wenn sie am Boden lagen und scheinbar nur noch darauf warteten, dass irgendjemand auf sie tritt. Das war 1980 nach dem Tod von Bon Scott und mit der Veröffentlichung von „Back In Black“ bereits so. Süßer die Glocken nie klangen. Mit „Rock Or Bust“ verhält es sich ähnlich. Vor einigen Monaten gaben AC/DC bekannt, dass Malcolm Young aufgrund gesundheitlicher Probleme eine Bandpause einlegen werde – inzwischen steht fest, dass sein Zustand eine Rückkehr unmöglich macht. Und vor kurzem sorgte Drummer Phil Rudd mit einem vermeintlichen Auftragsmord für Aufregung. Was aber tun AC/DC? Sie packen elf Songs in 35 Minuten und zeigen der Welt den Mittelfinger!

Der Vorgänger „Black Ice“ hatte in 31 Ländern Platz eins der Albumcharts erreicht und sich weltweit knapp acht Millionen Mal verkauft. Das Artwork von „Rock Or Bust“ zeigt ein dreidimensionales Leuchtbild, welches das Bandlogo bronzefarben erstrahlen lässt. Wer daraus allerdings schließt, dass AC/DC in den sechs Jahren seit „Black Ice“ Rost angesetzt haben, der sieht sich gewaltig getäuscht. Ihr fünfzehntes Studioalbum wird vom Titelsong eingeläutet und der gibt die Richtung gleich deutlich vor: „It’s rock or bust, in rock we trust. It’s rock or bust, in what we trust. It’s rock or bust, in rock and roll we trust“! Was folgt ist permanentes Kopfnicken. Vor Zustimmung und weil AC/DC einmal mehr das tun, was sie seit ihren Anfängen mit „High Voltage“ am besten können: Aus drei Akkorden ein grosses Bluesrock-Hallelujah zu zimmern.

Produzent Brendan O’Brien und Chefabmischer Mike Fraser haben dem Ganzen im Warehouse Studio in Vancouver den nötigen Feinschliff verpasst. Da macht sich selbst das erstmalige Fehlen von Malcolm Young als kreativer Kopf der Band kaum bemerkbar, zumal er am Entstehungsprozess der Songs noch beteiligt war. An seiner Stelle hat Stevie Young, der Neffe von Angus und Malcolm, den Part des Rhythmusgitarristen übernommen. Eine Rolle, die er bereits 1988 auf der US-Tour von AC/DC mit Bravour ausgefüllt hat.

„Rock Or Bust“ bietet jede Menge Mitgröhlpotential („Miss Adventure“), fliegende Fäuste und Bierbecher („Dogs Of War“) und ohne Ende knackige Riffs am Rande der Einfältigkeit. Aber genau dafür lieben wir diese Band ja schließlich. Angus Young spornt seine Gibson SG nicht nur im staubtrockenen Knaller „Baptism By Fire“ zu Höchstleistungen an und Brian Johnson schmirgelt und röhrt sich in gewohnter Manier durch die Songs, dass es eine helle Freude ist. „Play Ball“, „Hard Times“, „Sweet Candy“ oder „Emission Control“ bringen all das kurz und bündig auf den Punkt. „Got Some Rock & Roll Thunder“ ist sogar ein Song für die Ewigkeit, der dem heiligen Motto „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“ neues Leben einhaucht. Für tiefgreifendere Botschaften waren AC/DC ohnehin noch nie bekannt.

Lediglich „Rock The House“ und „Rock The Blues Away“ klingen ein wenig uninspiriert. Wobei ich mich gerade frage, ob sich die Begriffe Inspiration und AC/DC nicht schon automatisch gegenseitig ausschließen. Von Status Quo erwartet ja auch niemand eine Rock-Oper. Egal! „Rock Or Bust“ ist nicht nur das kürzeste AC/DC-Album aller Zeiten, sondern auch ein deutliches Statement an all die voreiligen Leichenfledderer und Unkenrufer da draußen: AC/DC leben noch und sie treten euch mal wieder kräftig in den Arsch!