Achim Petry – Mittendrin im Leben und in der Musik

VERÖFFENTLICHUNG» 26.09.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Reinhard Mey hat ein wundervoll sympathisches Lied über Wolfgang Petry geschrieben, das er auf seiner momentanen Tour auch jeden Abend live vorträgt. „Wolle“ handelt davon, wie er sich das Leben des Kollegen im Süden vorstellt. Auf einer Finka, abseits allen Stresses und mit der Liebsten an der Seite. Vermutlich ist das wirklich so – und es wäre dem Mann im Holzfällerhemd zu gönnen.

In Deutschland wird der Name Petry aber vom Sohnemann Achim am Leben gehalten. Und das stellt man sich dann doch schwierig vor für den jungen Mann, der in erwiesenermaßen große Fußstapfen treten muss. Andere grenzen sich dafür bewusst vom großen Familienoberhaupt ab. Joe Hill beispielsweise, den als Autoren-Pseudonym nichts mit dem Namen Stephen King verbindet. Oder die junge Westernhagen-Tochter, die sich als Künstlerin nur Mimi nennt.

Achim Petry geht offensiver mit dem bekannten Vater um. Eigentlich heißen nämlich beide bürgerlich Remling mit Nachnamen und er hat den Künstlernamen Petry bewusst übernommen. In der Vergangenheit hat er auch das Erbe weiterleben lassen, trat zunächst als Vorgruppe des Vaters auf und ging später mit den Hits Wolfgang Petrys in Neufassungen solo auf Tour.

„Mittendrin“ ist nun bereits das dritte Soloalbum mit eigenen Songs und man darf durchaus überrascht sein. Einige Gemeinsamkeiten sind unverkennbar: die ehrlichen, geradlinigen Lyrics und die kölsche Klangfarbe in der Stimme. Anderes aber ist ganz neu. Achim Petry versucht sich gekonnt im Singer/Songwriter-Genre. Da gibt es keine Schlager-Anleihen mehr und keine Experimente im Discofox. Stattdessen kernige Songs, die bisweilen tiefsinnige Botschaften vermitteln.

Musik und Persönlichkeit sind auf dem Album „Mittendrin“ zweifellos eins geworden. Wobei das Kreativ-Team Achim und Wolfgang Petry sowie Produzent René Lipps dafür alle Register ihres Könnens ziehen. Herauskommen sind zum Beispiel die emotionsgeladene Ballade „Eine Handvoll Reis“ – ein Song, der sich mit der Ungerechtigkeit in der Welt beschäftigt. Weitere Höhepunkte des Albums sind Titel wie das gradlinige und rockige „Grenzen“, das sich mit alltäglichen Beziehungsproblemen und deren Relativierung beschäftigt. Ein Durchhalte-Song par excellence ist der knallige Rock-Song „Das Leben wird weitergehen“. Harte Gitarren-Riffs und ein peitschendes Schlagzeug machen den Song zur Powerhymne.

Der berühmte Vater ist für zwei Duette mit an Bord, was dem Album eine ganz neue Note gibt. Auf der ersten Singleauskopplung „Rettungsboot“ ist Wolfgang Petry zum ersten Mal seit acht Jahren wieder in einem Musikvideo zu sehen war. Und es ist zudem auch noch das erste Duett seiner Karriere. Mit der melancholisch-nachdenklichen Rock-Ballade „Tinte (Wo willst du hin)“ gibt es unter den Bonustracks sogar noch ein zweites hitverdächtiges Duett mit Vater und Sohn. Dabei nimmt sich Wolle weit genug zurück, dass es trotzdem noch Achims Songs sind, die da interpretiert werden.

„Mittendrin“ ist ein abwechslungsreiches Album, das zudem eine klare Botschaft verfolgt: „Wo kommst Du her, wo gehst Du hin?“ Diese Zeilen begleiten das Album in allen Facetten und sind sicher ein Hinweis auf die angesprochene Thematik der großen Fußstapfen, die hilfreich aber auch hinderlich sein können.