André Rieu mit zwei Veröffentlichungen zum Thema „Eine Nacht in Venedig“

VERÖFFENTLICHUNG» 31.10.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Walzerkönig André Rieu stellt seine Veröffentlichungen gern unter ein Motto. Im Jahr 2013 ging es zum einen um die Musik von Abba, zum anderen um bekannte Musical-Melodien. Im Jahr 2014 stehen ein Land und eine Stadt im Mittelpunkt: Italien und „Eine Nacht in Venedig„. Unter diesem Titel erscheinen gleich zwei Veröffentlichungen, die trotz gleichen Covers und gleichen Titels doch grundverschieden sind.

Die CD ist eine rein instrumentale Zusammenstellung neuer Songs, eingespielt vom Johann Strauss Orchester. Wie der Name des Albums schon sagt, geht es um Bella Italia und bekannte Melodien aus jenem Land. Da finden sich einige Highlights und Evergreens wie „O Sole Mio“, „Volare“ und „Azzurro“. Die Fans des erfolgreichsten Violinisten der Gegenwart dürfen sich auf die berühmte „Barcarole“ von Jacques Offenbach, den „Lagunenwalzer“ von Johann Strauß oder die Toselli-Serenade freuen. Als exklusives Highlight sind auf dem neuen Album auch drei eigene, erstmals veröffentlichte Kompositionen André Rieus zu hören, die alle Venedig gewidmet sind: „Love in Venice“, „La Gondola“ und „Bella Tarantella“.

Die Mischung aus Klassik, Schlagern zum Mitwippen und Eigenkompositionen ist zwar ganz schön, aber wie meistens reißt der instrumentale Rieu vom Band nicht so richtig mit. Wenn man sein Publikum verstehen will, die ausgelassene Stimmung und den sympathischen Künstler mit seiner Bühnenpräsenz, dann braucht man den visuellen Aspekt.

Diesen bietet der DVD-Mitschnitt in gut 160 Minuten Länge. Es handelt sich um ein Jubiläumskonzert, denn zum zehnten Mal begeht der Niederländer ein Sommerabendkonzert in seiner Heimatstadt Maastricht. Für diesen Anlass hat er den Platz mit Kulissen und feinem Ambiente in die Stadt Venedig umgewandelt. Und dort findet sein Orchester eine riesige Bühne mit allerlei Accessoires und zwei großen LCD-Wänden.

Der Dreivierteltakt dominiert den Abend, doch es gibt auch lange Ausflüge in die Metiers Operette und Musical. Unterstützt wird André Rieu von Solisten wie den drei Platin-Tenören und seinen Backgroundsängerinnen, die auch solistisch in Erscheinung treten. Die kleine Amira singt herzzerreißend „O Mio Babbino Caro“, das Trio St. Petersburg begleitet „Nitsch Jaka“ mit ungewöhnlichem Instrumentarium und passend zum  in Venedig spielenden Sissi-Film gibt es aus dem Musical Elisabeth den Hit „Ich gehör nur mir“ gesungen von der australischen Künstlerin Mirusia Louwerse.

Auch das übliche Strauss-Medley darf natürlich nicht fehlen. Da gibt es natürlich den popkulturellen Klassikhit „An der schönen blauen Donau“ – und ja, es wird getanzt im Publikum. Für den Maestro ein Höhepunkt jedes Konzertabends. Als netter Showeffekt wird ein ganzer Chor venezianischer Gondolieri per Gondel eingefahren, die dann „Buona Sera“ intonieren. Selbst der 75jährige Rocco Granata wurde aus Italien eingeflogen, um seinen Hit „Marina“ zu performen.

André Rieu fuhr erneut eine gigantische Show auf,  die mit visuellen und musikalischen Höhepunkten glänzt – auch dann ganz hübsch anzusehen und anzuhören, wenn man ansonsten um Walzer einen großen Bogen macht. Der Stargeiger lässt das Publikum für fast drei Stunden alle privaten Sorgen vergessen und bringt ein kleines Stück heile Welt ins Wohnzimmer. Der Holländer hat in seiner Karriere schon viele schwierige Momente gehabt, stand zeitweise kurz vor dem Ruin – und doch hat er sich wie ein Stehaufmännchen wieder aufgerappelt. Sein Publikum ist ihm treu, Zweifler überzeugt er mit Charme und sympathischem Auftreten. Seine Entertainer-Qualitäten sind unbestritten.