BalticSeaChild – Kai Wingenfelder und seine Liebe zum Irish Folk

VERÖFFENTLICHUNG» 13.02.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Dass Kai Wingenfelder auch Irish Folk kann, hat er zu Zeiten von Fury in the Slaughterhouse schon in markanten Ansätzen bewiesen. Überhaupt ist er nach Auflösung der Band überraschend vielseitig geworden. Da gibt es starken Deutschrock von den beiden Wingenfelder-Brüdern, die dabei aber nicht ihre Wurzeln vergessen und live gerne auch Fury-Klassiker zum Besten geben. Mit dem neuen Release hat er sich aber einen lang gehegten Traum erfüllt. Immerhin waren auch Fury schon gemeinsam mit den Pogues auf Tour und hatten viel Spaß dabei.

Eigentlich wollte Kai nur ein Solo Akustik Album für Lars Jensen aufnehmen, der mit seiner Folk Band Tears for Beers bereits durch Nordirland, Dänemark, Estland und Deutschland (unter anderem mit den Hooters und Torfrock) tourte. Die beiden verstanden sich auf Anhieb derart gut, dass sie beschlossen, ein gemeinsames Album aufzunehmen. Und das Ergebnis ist weit entfernt von den öden Anbiederungsversuchen deutscher Bands an irischen Vorbildern. Kais Stimme passt einfach zur Musik und schon zu Fury-Zeiten hat er sich nie verstellt, um authentischer zu klingen.

„BalticSeaChild“ ist Irish Folk in klassischer Besetzung mit Gitarre, Akkordeon, Banjo und Fiddle, der trotzdem hier und da irgendwie moderner klingt als das, was man normalerweise erwartet. „Wenn es im Bein zuckt oder im Herz schmerzt, kann man nicht alles falsch gemacht haben.“ Das ist das Motto, welches sich durch das gesamte Album zieht.

Der Opener „Devil’s Love“ klingt so wie im Irish Pub nebenan – eine verdammt gute Eröffnung. Überraschend kommt das Elton John-Cover „Rocketman“ im Sound der grünen Insel. Die meisten Tracks sind folkige Gute-Laune-Songs, die fetzig in die Glieder fahren, beispielsweise „Fool In The Rain“ und „Fiona“. Doch es wird bisweilen auch ruhiger: „Long Stony Way To Paradise“ und „Hand In Hand“ funktionieren als schaurig-schöne Balladen.

BalticSeaChild sind auf jeden Fall eine Entdeckung für Freunde des Folkrocks. Vielleicht rettet Kai ja auch mal einen Song in die Liveshows mit seinem Bruder Thorsten. Gerade ist ein Livealbum der beiden erschienen und das nächste Album steht auch bereits in den Startlöchern.