Cäthe: „Vagabund“ – von der Möglichkeit und Unmöglichkeit der Liebe

VERÖFFENTLICHUNG» 02.10.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Catharina Sieland, alias Cäthe, bekam mit zwölf ihre erste Gitarre und gab mit vierzehn ihr erstes Konzert. Früh übt sich, wer Erfolg haben will. Musik- und Gesangsausbildung folgten erst im Anschluss. Inzwischen lebt die selbstbewusste junge Sängerin in Berlin. Nach den ersten beiden Alben war sie Gast beim „MTV unplugged“ der Scorpions – jetzt folgt mit „Vagabund“ ihr drittes Studioalbum.

Während „Verschollenes Tier“ eine Reihe elektronischer Momente aufzuweisen hatte, schaltet Cäthe für die dritte CD wieder einen Gang zurück und zeigt sich wie im Debüt sehr keck und bodenständig mit handgemachter Musik. Die neuen Lieder lassen sich zurückführen auf ihre frühesten musikalischen Einflüsse, als sie in ihren Teenagerjahren die Musik der Woodstock-Ära für sich entdeckte. Mehr Singer-Songwriter-Preziosen, weniger Rockelemente, dafür mehr Schönklang in ihrer Stimme und geradlinigere, wohltemperierte Melodien.

Der organische Klang ist ein Markenzeichen von Cäthe. Der rauchige Unterton in ihrer Stimme nimmt mich als Hörer mit. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, es sei zu viel des Guten. Sie klingt oft getrieben und leicht hysterisch. Da würde eine Entschleunigung in Form entspannter Balladen manchmal gut tut. Doch das ist nicht ihr Ding – Powersong folgt auf Powersong und die Emotionen stehen stets im Mittelpunkt.

Selbstreflexion und die Möglichkeit sowie Unmöglichkeit der Liebe stehen im Mittelpunkt der Texte. Die Mischung aus Songwriter-Stücken und Chansons belebt den deutschsprachigen Pop und führt ihn in verschiedene Bereiche der Welt, mit dem Höhepunkt „Müder Drache“ im Tango-Stil. Cäthe klingt mal lasziv extrovertiert („Glaub mir, Honey“), mal sehr in sich gekehrt wie beim nachdenklichen „Foto im Portemonnaie“.

„Vagabund“ ist mal wieder ein energisches, starkes Album. Leise Töne, die für mehr Abwechslung sorgen würden, fehlen weitestgehend. In der Liveperformance wird das kein Nachteil sein, wenn Cäthe rastlos und schwungvoll die Bühne stürmt. Erste Termine stehen bereits:

  • 04.11.15 Dresden – Beatpol
  • 05.11.15 München – Ampere
  • 06.11.15 Berlin – Postbahnhof
  • 07.11.15 Köln – Luxor
  • 08.11.15 Hamburg – Mojo Club