Callejon zwischen Angst haben und Angst machen: „Wir sind Angst“

VERÖFFENTLICHUNG» 09.01.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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„Wir sind Angst“ lautet der Titel des neuen Albums von Callejon, der deutschsprachigen Metalcore-Band aus Düsseldorf. Die martialischen Album- und Songtitel lassen gerne mal den Eindruck rechten Gedankenguts aufkommen, doch da muss man sich keine Sorgen machen. 2013 coverten sie den „Schrei nach Liebe“ der Ärzte und gerne bereichern auch prägnante „Nazis raus“-Aufkleber ihre CD-Hüllen. Also gerne laut und dreckig, aber keineswegs deutschtümelnd.

Seit über zehn Jahren sind Callejon im deutschsprachigen Metal über alle Zweifel und jegliche Trends erhaben. Ihre letzten beiden Alben „Blitzkreuz“ und „Man spricht deutsch“ landeten in den Top 10 der deutschen Albumcharts – aber das ist eigentlich nicht wirklich von Belang, denn die fünf Hardrocker halten sich nie lange mit dem Status quo auf, sondern entwickeln sich konsequent weiter.

Das neue Album ist in jeder Hinsicht absolut kompromisslos. Düsterer, direkter und so dermaßen auf den Punkt klangen Callejon noch nie. Der Sound von „Wir sind Angst“ lebt und atmet. Damit gar nicht erst der Geruch von Plastik-Klang aufkommt, wurde das Album in Zusammenarbeit mit Produzent Markus Schlichtherle komplett analog aufgenommen.

Angst und Wut sind die inhaltlichen Themen – verknüpft mit der Aussage: „Man muss nicht alles hinnehmen“. „Dunkelherz“ und der Titeltrack sind fantastische, knallharte Burner. Und wenn es dann zum Abschluss mit „Erst wenn Disneyland brennt“ etwas seichter wird, findet man den Anschluss an die Realität wieder. Gesang und Screamo-Einlagen wechseln sich stimmig ab. „Krankheit Mensch“ regt zum Nachdenken an und verursacht Gänsehaut. Alles in allem also ein gelungenes Metalcore-Album. Und die deutschen Texte müssen niemanden abschrecken.