Chris Thompson: „Jukebox“ – die Quintessenz einer bemerkenswerten Karriere

VERÖFFENTLICHUNG» 31.01.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Chris Thompson ist in vielen Punkten eine tragische Gestalt des Musikgeschäfts. Ein Mann mit exorbitant guter Stimme und einem Feeling für massentaugliche Songs. Fragt aber mal in eurem Bekanntenkreis, wer etwas mit ihm anfangen kann. Liebhaber von Manfred Mann’s Earth Band? Manche wissen zumindest, dass er mal Sänger dieser Band war. Hört euch „Budapest Live“ an und ihr hört Chris Thompson. „For You“, „Davy’s On The Road Again“, „Blinded By The Light“, „Mighty Quinn“ – Thompson hat mit seiner Stimme wahrlich Großes vollbracht. Blöd nur, dass die Band den Namen des Keyboarders im Titel trägt. Manch unbedarfter Musikjünger meint heute noch, Manfred Mann sei Frontmann der gleichnamigen Band.

Thompson hat mit Alan Parsons gearbeitet, mit Mike Oldfield und Leslie Mandoki. Nicht zu vergessen sein Nummer-1-Hit in Deutschland. Kennt ihr nicht? Kein Wunder. „You’re The Voice“ wurde ja auch von John Farnham gesungen, für den Thompson als Songwriter tätig war. Heute bleibt dem guten Chris im Alter von fast 68 Jahren nichts anderes übrig, als mit all diesen Ungerechtigkeiten zu kokettieren.

Seine Liveshows, in denen er alle Aspekte seines langen musikalischen Lebens munter vermischt, sind immer noch eine Wucht. Und die Doppel-CD „Jukebox – The Ultimate Collection“ vermittelt einen Eindruck von seinen vierzig Jahren im Rampenlicht. Das Album ist die Quintessenz einer bemerkenswerten Karriere eines Künstlers, der mit seiner Stimme Musikgeschichte schrieb. Und er bleibt in seinen künstlerischen Aktivitäten aktuell. So arbeitete Chris Thompson bei seinem letzten Studioalbum „Toys And Dishes“ gemeinsam mit dem jungen Soundingenieur Arno Krabman, der sonst für Künstler wie Nightwish oder Evenesence Alben produziert.

Die Tracklist liefert Live-Interpretationen seiner zahlreichen Klassiker, die er einst für Manfred Mann´s Earth Band sang, und den bereits erwähnten John Farnham-Hit „You´re The Voice“. Im Vergleich zu früher ist seine Stimme rauer geworden, verlebter. Aber er klingt charismatisch wie eh und je und hat definitiv an Rock-Attitüde gewonnen. Auch eigene Highlights wie „Hot Summer Night“, „Million Dollar Wonder Hit“ oder der Album-Opener „Dark Side“ vom im vergangenen Jahr veröffentlichten Soloalbum kommen sehr gut. Weiterhin bietet das Album als einen von vier Bonustiteln die bisher unveröffentlichte Akustikversion des Songs „Thunder Child“, der im Original 1978 auf Jeff Waynes „War Of The Worlds“-Album erschien und das Rockmusical deutlich bereicherte.

Man kann dem guten Chris immer ein Ohr gönnen und tut gut daran. Mich stimmt die „Jukebox“ jedenfalls sehr nostalgisch und Erinnerungen an die wirklich großen Konzerte der MMEB (in den 90ern war Chris zeitweise wieder mit dabei) werden wach. Live ist der Brite immer eine Bank und dürfte Freunde guter AOR-Rockmusik keineswegs enttäuschen.