Curse liefert nach sechs Jahren „Uns“ – eine musikalische Achterbahnfahrt und extrem reduzierte Momente

VERÖFFENTLICHUNG» 31.10.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Ganze sechs Jahre hat sich der Rapper aus Minden nach seinem letzten Release „Freiheit“ Zeit gelassen. Ein guter Reim will Weile habe – oder so. Untätig war Curse in dieser Zeit auch nicht: Er gründete die Indierockband The Achtung, Achtung und fungierte als Texter und Komponist für unter anderem Glasperlenspiel. Das neue Soloalbum trägt den einfachen Titel „Uns“ und wurde auch von mir sehnsüchtig erwartet, obwohl ich nur selten Rap höre. Es sind einfach die (durchaus auch musikalische) Ausstrahlung und die eindringliche Stimme von Curse, die stets aufs Neue in ihren Bann ziehen.

Das Album startet mit dem Mega-Track „Tatooine„, der alles bietet, was ich mir von Curse wünsche. Vor allem die starke Rhythmus-Passage im zweiten Teil sorgt für Gänsehaut. Aber auch die für Star Wars-Fans sehr interessanten Lyrics, die den wohlbekannten Planeten mit den zwei Sonnen besingen. Dass es dabei auch ohne ausufernde Elektronik geht, erfahren wir im ersten Bonustrack, der eine wundervolle Pianoversion des Songs bietet. „Ich hab versucht mein Glück auf Sand zu bauen. Oder auf Mist, und hab dann Mist gebaut.“ Das Album führt durch die Welt von Curse, über Freundschaft, Abenteuer und verregnete Nächte.

Uns“ hat gewohnt starke Beats, gute Arrangements mit sinnvoll eingesetzten Samples und vielen stilsicher verwendete Instrumenten, die Curse aus der Riege der Deutschrapper weit herausheben. Wenn der Gute mit nachdenklichen Texten ins Erzählen kommt, läuft mir mehrmals ein eiskalter Schauer über den Rücken, so bei „Kristallklarer Februar“, das den Abschied von einem kürzlich verstorbenen Freund besingt. In meinen Augen ein emotionales Meisterwerk, in dem er die letzte Begegnung und das Begräbnis intensiv schildert.

Wie es sich für diese Musik-Szene gehört, umgibt sich Curse mit einer ganzen Reihe von Kollegen, die das Album stützen und unterstützen. Fibi Ameleya wird zunächst in einer lustigen Probe-Sequenz eingeführt und singt dann das Stück „Ende“ im Duett mit, Elif bereichert „Sie fallen“ mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und Rapper Tua wirkt bei „November“ mit.

Über allem schwebt aber Curse’ sonore Stimme teilweise in schöner Rapgeschwindigkeit und mit einer Intensität, die Ihresgleichen sucht. In seinen lyrischen Texten überzeugt Curse auch mich als jemanden, der nicht unbedingt der Rap-Fraktion zuzuordnen ist. Doch der Stilmix und die Vielseitigkeit, die von Beginn an geboten werden, heben „Uns“ wohltuend aus der Hip-Hop-Masse raus und bieten der Eintönigkeit die Stirn.

Curse schafft eine Gesamtklangwelt vom ersten Ton an, muss sich nicht auf Beats und Instrumentals stützen. Ich finde es sehr bezeichnend und durchaus mutig, im Bonusbereich vier Tracks in Pianoversionen zu performen und seine vokalen Fähigkeiten ganz nach vorn zu stellen. Egal ob musikalische Achterbahnfahrt oder extrem reduzierte Momente: „Uns“ ist ein ungewöhnliches und durch und durch überzeugendes Rap-Album.