David Bowie reist rückwärts durch die Zeit: „Nothing Has Changed“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.11.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Eine „The Very Best Of“ von David Bowie? Kann es so etwas wirklich geben? Mir als Alben-Hörer stellen sich da sofort die Fußnägel hoch. Das elfte Gebot: Du sollst „Space Oddity“, „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ und „Heroes“ nicht auseinander reißen. In Zeiten von iTunes müssen wir aber wohl damit leben, dass Menschen nur einzelne Songs ihr eigen nennen wollen – oder eben Kompilationen, wie es sie von Bowie schon zuhauf gibt. Das Paket „Sound And Vision“ beispielsweise ist beim selben Label gerade mal vor zwei Monaten erschienen.

Was also ist das Alleinstellungsmerkmal von „Nothing Has Changed„? Da gibt es sogar mehrere. Zunächst die Tatsache, dass mit 59 Titeln auf drei CDs ein sehr umfassender Überblick gegeben wird. Dann ist es eine wirklich karriereumspannende Veröffentlichung des Meisters. Die Bandbreite umfasst 50 Jahre von „Liza Jane“ bis zum brandaktuellen „Sue (Or In A Season Of Crime)“. Und schließlich geht das Album interessanterweise rückwärts durch die Zeit!

CD 1 startet mit der neuen Single, die dieser Tage veröffentlicht wird und arbeitet sich zurück bis zur 1995er Version von „Strangers When We Met“, die auf dem Album „Outside“ erschienen ist. CD 2 rekapituliert die Phase der großen kommerziellen Erfolge zwischen 1993 und 1981. Eine Greatest Hits-Sammlung kommt nun mal nicht ohne „Absolute Beginners“, „China Girl“, „Let’s Dance“ und „Heroes“ aus. CD 3 schließlich widmet sich den 70er und 60er Jahren. Der Durchbruch, Welttourneen, die berühmt-berüchtigte Berliner Zeit.

Nothing Has Changed“ ist die größte und umfassendste Sammlung an Bowie-Songs, die je veröffentlicht wurde. Sie enthält sowohl bisher unveröffentlichtes Material als auch Songs, die zum ersten Mal auf CD erscheinen:

  • „Let Me Sleep Beside You“ wurde erstmals 1970 auf dem Album „The World Of David Bowie“ veröffentlicht. Im Jahr 2000 wurde es für das unveröffentlicht gebliebene Album „Toy“ neu aufgenommen und verschwand bis „Nothing Has Changed“ im Archiv.
  • „Shadow Man“ ist ein legendäres, aber bisher unveröffentlichtes Outtake aus dem Jahr 1971. Die Version auf „Nothing Has Changed“ wurde ebenfalls für „Toy“ neu aufgenommen. Die Neuaufnahme erschien als B-Seite in den frühen 2000er Jahren, die aber nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen wurde.
  • „Love Is Lost (Hello Steve Reich Mix By James Murphy For The DFA Edit)“ ist eine Edited-Version des von der Kritik hochgelobten Remixes von James Murphy, die jetzt zum ersten Mal auf CD erscheint.
  • „Your Turn To Drive“ ist ebenfalls zum ersten Mal auf CD erhältlich. Ursprünglich wurde der Song als kostenloser Download zur Online-Vorbestellung des Albums „Reality“ zur Verfügung gestellt.
  • „Wild Is The Wind (2010 Harry Maslin Mix)“ war bislang nur auf der Audio-DVD zum „Station To Station Deluxe Set“ erhältlich. Auf „Nothing Has Changed“ feiert der Mix sein CD-Debüt.
  • „Young Americans (2007 Tony Visconti Mix Single Edit)“. Die ungekürzte Version des Songs wurde als 5.1 Mix ausschließlich der „Young Americans Special Edition CD/DVD“ beigegeben. Dieser Single-Edit blieb bisher unveröffentlicht.
  • „All The Young Dudes“ – ein bisher unveröffentlichter Stereo-Mix von BOWIEs eigener Version des Songs, mit dem Mott The Hoople einen Riesenhit hatten.
  • „Life On Mars? (2003 Ken Scott Mix)“. Diese Version erschien bisher nur auf der „40th Anniversary 7-Zoll Picture Disc“. Hier zum ersten Mal auf CD erhältlich.

Der Digipack ist schön aufgemacht mit durchgängig schlüssigem Artwork, das Bowie im Spiegel der Zeiten zeigt. Leider geben die beiden Booklets nur Hinweise zu Jahreszahl und Herkunft der Songs, aber keinerlei Hintergrund-Informationen. Das soll aber kein Hinderungsgrund sein. Die Musik spricht allemal für sich.