Diana Krall schafft den Spagat zwischen Pop und Jazz: „Wallflower“

VERÖFFENTLICHUNG» 30.01.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Diana Krall  Wallflower bei Amazon bestellen

Die kanadische Pianistin und Jazzsängerin Diana Krall hat ein Händchen dafür, sich in immer neuen Musikrichtungen zu bewegen und bekannte Songs mit ihrer wundervollen Stimme neu zu beleben. Da gab es in der Vergangenheit bereits Ausflüge in die Welt des Bossa Nova oder zur Musik der 20er und 30er Jahre. Diesmal allerdings liefert sie uns eine Zusammenstellung neu interpretierter Pop-Perlen. Und das Ergebnis ist atemberaubend schön.

Das Album trägt den Titel „Wallflower“ und gerade das ist ein Bild, das einem wirklich nicht in den Sinn kommt, wenn man an die bisherigen Veröffentlichungen der Kanadierin denkt. Da war sie doch eher die coole Sängerin, deren Stimme einem die Gehörgänge mit prickelndem Raureif überziehen kann, oder eine elegant swingenden Pianistin. Vielleicht denkt man auch an die verführerische Blondine vom Cover ihres letzten Albums „Glad Rag Doll“, wobei man die Altersangabe im Wikipedia-Artikel für einen bösen Scherz hält.

Aber ein „Mauerblümchen“? Dass sie alles andere als das ist, beweist Diana jetzt einmal mehr auf ihrem brandneuen Album, auf dem die arrivierte Jazzpianistin auch als Popsängerin glänzt. Mit einem Repertoire, das so kaum jemand erwartet haben dürfte. Hinzu kommen ganz besondere Duett-Partner aus ihrer Heimat Kanada: Michael Bublé und Bryan Adams. Außerdem ist als Gast der amerikanische Songwriter Blake Mills mit dabei.

Die Song-Zusammenstellung ist einzigartig gut und ganz an Dianas sanfte Jazz-Stimme angepasst. So erweckt sie „California Dreamin‘“ zu neuem Glanz und wandelt den sommerlichen Glanz in eine verträumte Attitüde um. „Desperado“ der Eagles, „Superstar“ von den Carpenters und Bob Dylans „Wallflower“, das dem Album dem Titel gab. Alles versehen mit dezenten Arrangements, die Dianas Stimme ganz hervor heben.

Die Eagles sind dann mit „I Can’t Tell You Why“ gleich nochmal vertreten und wir dürfen uns an Elton Johns „Sorry Seems To Be The Hardest Word“ versehen mit weiblicher Melancholie erfreuen. Und zum Ende hin lässt sie nicht nach. „I’m Not In Love“ (10cc) ist wunderschön. Im Duett mit Bryan Adams gibt es Randy Newmans „Feels Like Home“ und ganz zum Schluss den Crowded House-Klassiker „Don’t Dream It’s Over“.

Diana Krall kann alles singen. Was zu beweisen war! „Wallflower“ ist ein wundervoll eingängiges Album, das zum Träumen einlädt und dem geneigten Hörer eine atmosphärische Dreiviertelstunde beschert. Sie gibt den Songs ein wenig Jazz-Drive mit, zerstört aber nicht den Pop-Charakter. Wer ihre bisherigen Veröffentlichungen mag, sollte auch der neuen Seite der Diana Krall eine Chance geben.