Die Nouvelle Vague des deutschen Hip Hops – Sonderblöd mit „DFGSB“

VERÖFFENTLICHUNG» 11.11.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Ja, wir haben’s verstanden. Hip Hop lebt vom Asozialismus ihrer Interpreten. Fernab von den „Anfängen“ des deutschen Friedenskumbaya Hip Hops mit „Größen“ wie den Fanta 4 oder Fettes Brot wird nun endlich wieder die Mutter des anderen so beleidigt wie es sich gehört: In Battles, auf den Straßen und Schulhöfen oder auf den 28 Songperlen, die auf dem Debütalbum „DFGSFB “ der Kölner Hip Hopper DJ Dietrich und Charlie Champagner von „Sonderblöd“ zu hören sind. Wofür diese Kürzel stehen, muss jeder selbst herausfinden, da diese Seite keine zu vulgären Ausdrücke unterstützt.

Bitte nichts falsch verstehen, die Texte der beiden Rapper haben an und für sich nichts von weltpolitischer Relevanz. Und genau das ist es auch, was das erste Album der Kölner Combo so interessant und vielfältig macht. Die Songs hören sich die Hintergrundmusik eines großen Kindergeburtstages für Erwachsene an mit jeder Menge Political Incorrectness und einer wunderbaren Würze Pipi/Kacka-Humor. Die ambivalenten Inhalte der einzelnen Tracks sorgen während der gut 60 Minuten Spielzeit immer wieder für Lacher: Da wird beim Song Skelter über das zerstückeln von Huren in Double Time gerappt und kurze Zeit später bei Das Schiff lag vor Barbados schwärmt der Künstler von einer riesigen Seemänner-Orgie in der Karibik. Features völlig unbekannter Artists, die nur durch ihre Alliterationen in Vor- und Nachnamen im Gedächtnis bleiben, sind die Kerzen auf der Kindergeburtstagstorte: Die eingesprochenen Texte sind teilweise null im Takt und hören sich trotzdem so richtig an, fast als ob willkürlich irgendwelche Freunde herangezogen wurden, die gerade verfügbar waren. Die Krönung dieser Scharade spiegelt sich in dem Örg-Feature Die Geilsten im Club wider. Der Künstler rappt übrigens identisch zu seinem Namen und bringt meist nur unverständliche Laute von sich.

Das absolute Highlight der Marke Sonderblöd bietet eine Dauerwerbesendung von denbeiden Pioniere der Hip Hop Nouvelle Vague. Dabei schlüpfen sie in die Rollen der Unterhaltungsexperten Chefkoch Charlie und der Moderation Dietrich Dödel samt Schwanzkappe und Ausrufen wie „Da geht mir doch der Kackstift flöten“ oder „Mir wächst ne dritte Zitze!“ um das Album in bestmöglicher Form zu präsentieren.

Wer sein Niveau weit unterhalb der Kniekehlen hat, findet in Sonderblöd einen neuen Unterhaltungsfaktor in seiner Lieblings-Playlist: Die Musik ist für Fans und Freunde des schlechten Geschmacks, für diejenigen, die sich am sonntäglichen Zeltplatzabfackeln auf Festivals beteiligen für die, die seine Freundin beim ersten Date mit auf einen Schrottplatz nehmen um Kupferdrähte zu klauen.