Wenn Richard Kruspe ruft, folgen die Topstars: Massig Gäste auf „Silent So Long“ von Emigrate

VERÖFFENTLICHUNG» 14.11.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Gitarrist Richard Kruspe hat mit Rammstein erreicht, was den meisten Musikern verwehrt bleibt: Platinalben, internationale Tourneen in nahezu sämtlichen Ländern der Erde, die Anerkennung des Feuilletons ebenso wie die Zigtausender Fans. Doch es gibt noch einen anderen Richard Kruspe als den, der bei Rammstein im Rampenlicht steht. Auf dem 2007 erschienenen Debüt seines Solo-Projekts Emigrate überraschte der Gitarrist erstmals als facettenreicher Sänger düstermelancholischer Industrial- und Metal-Songs. Damals allerdings wollte er noch ein Geheimnis um sein alter Ego machen. Das ist beim Zweitwerk „Silent So Long“ (ganze sieben Jahre später) nicht mehr der Fall.

Bereits damals war für Kruspe klar, dass Emigrate keine Eintagsfliege bleiben sollte. Zu viel Spaß hatte ihm die Arbeit im lockeren Verbund mit dem Gitarristen und Produzenten Olson Involtini sowie Arnaud Giroux (Bass) gemacht. „Ich kann gar nicht so genau sagen, warum, aber irgendwie wollte ich immer mindestens zwei Emigrate-Platten machen“, erklärt Kruspe. Neben den genannten Mitstreitern sowie dem Schlagzeuger Mikko Sirén konnte Kruspe für die Produktion des Albums aus einem beeindruckenden Pool internationaler Top-Stars und Kollegen schöpfen.

Als Gäste geben sich Dellé, Lemmy Kilmister, Marylin Manson, Jonathan Davis (Korn) und Peaches das Mikro in die Hand. „Der Grundgedanke bei Emigrate ist, mit neuen Leuten zu arbeiten, ungewohntes Terrain zu betreten, andere Welten zu entdecken“, sagt Kruspe. Zudem singt der Rammstein-Haudegen auch selbst und muss sich stimmlich vor den Mitstreitern nicht verstecken.

Das Album wird beherrscht von krachenden Industrial-Sounds, die oft ins Poppige abgleiten. Die Produktion ist sehr stark und kann mit den Klängen von Kruspes Hauptband ohne Weiteres mithalten. Harte Gitarren wirken eher im Hintergrund und sorgen für die Grundstimmung. Echte Akzente werden vor allem durch die charismatischen Gäste gesetzt. So entstand ein äußerst vielseitiges Album und selbst die halbwegs balladesken Klänge von „Born On My Own“ wirken keineswegs fehl am Platz. Selbst Freunde von Depeche Mode dürften sich in manchen Synthiepop-Elementen wiederfinden.

Während es im Rammstein-Lager mal wieder bedeutungsschwanger still bleibt, denkt Richard Kruspe mittlerweile an ein drittes Emigrate-Album, das unter Umständen schon im nächsten Jahr erscheinen soll. Wenn seine Kreativität weiterhin so fließt wie für den aktuellen Release: nur zu!