Farin Urlaub Racing Team – „Faszination Weltraum“: Farin hat niemals wirklich Urlaub

VERÖFFENTLICHUNG» 17.10.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wenn die Ärzte Schaffenspause haben, schlägt die Stunde vom Farin Urlaub Racing Team. Das Soloprojekt ist schon lange kein Lückenfüller mehr – erkennbar daran, dass das neue Album „Faszination Weltraum“ auf Anhieb den Spitzenchartplatz in Deutschland enterte. Logisch, denn man bekommt auch was geboten. Farin fährt ein zehnköpfiges Ausnahmeorchester auf, das in starkem Kontrast zur Dreierperformance der Ärzte steht. Da ist zum einen die enorme Bandbreite der Band mit Bläserklängen, ausgedehntem Backgroundgesang und Ausflügen in musikalisch fremdländische Gefilde – und zum anderen natürlich die starke Präsenz weiblicher Bandmitglieder, die immerhin sechs Köpfe der großen Truppe bilden und neben ihren instrumentalen und gesanglichen Qualitäten auch sehr hübsch anzuschauen sind.

Musikalisch bewegt Herr Urlaub sich in den Gefilden des Rock. Es werden fast ausschließlich schnelle Nummern geboten. Da ist der laute Opener „Mein Lied“ schon ein guter Vorbote. Ebenso wie die Single-Auskopplung „Herz? Verloren“, die sich seit Wochen stilsicher ins Airplay der besseren Radiosender einschleicht und die Wortschöpfung „polyamorös“ gekonnt in die deutsche Sprache einführt.

In „Dynamit“ äußert Farin handfeste Architekturkritik und fordert mit „Was die Welt jetzt braucht“ alle Stubenhocker zum Aktivwerden auf. Nicht unbedingt innovativ, aber stets aktuell. Ebenso wie der optimistische Mutmachsong „AWG“ (Alles wird gut). Das Thema Tanzen wird zunächst mit „Heute Tanzen“ in bewährter Ska-Punk-Manier behandelt, bevor es dann mit „iDisco“ in die Vollen geht und eine hübsche Ohrwurm-Pop-Melodie einen Text mit sich bringt, der der Gesellschaft den Spiegel vor Augen hält.

Farin bietet wie gewohnt frische, fetzige Musik, die sich vom allgemeinen Liedgut abhebt. Dazu kommen intelligente Texte, gerne auch mal mit philosophischen Zeilen wie in „Newton hatte Recht“ und dem gesellschaftskritischen „3000“, das auf satirischem Weg Überlebensstrategien für das dritte Jahrtausend erbittet. Auch ernst Töne sind zu hören – beispielsweise im Herz-Schmerz-Song „Das Traurigste“. Ja, Farin kann auch ernst gemeinte Liebeslieder. Und Tiefschürfendes – wie im abschließenden „Immer dabei“.

Wenn die Ärzte Urlaub machen, zeigt Farin, wie er als Solokünstler bestehen kann. Es ist bereits das vierte hervorragende Album des Berliners. Die Experimentierfreude hat im Vergleich zum letzten Release allerdings ein wenig nachgelassen. „Faszination Weltraum“ ist ein lupeneines Rockalbum, das alle Fans handgemachter deutscher Musik ansprechen dürfte.

Überzeugt euch mit dem Albumplayer:

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