Frei.Wild beziehen Position: „Opposition“

VERÖFFENTLICHUNG» 03.04.2015
BEWERTUNG» 6 / 9
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Frei.Wild mussten in den letzten Jahren einiges an Ungemach über sich ergehen lassen. Sänger Philipp Burger hat ursprünglich in der Rechtsrock-Band Kaiserjäger gesungen und der nationalistische Titel „Südtirol“ gehört auch zum Repertoire seiner neuen Band. Überhaupt scheinen sich Frei.Wild in der rechtsradikalen Szene einer großen Beliebtheit zu erfreuen. Dies hatte Konsequenzen in der Vergangenheit: Jennifer Rostock lassen keine Fans mit Frei.Wild-Shirt auf ihre Konzerte, die Nominierung für den Echo sorgte für Boykott-Androhungen, das „With Full Force“-Festival musste die Band nach Protesten wieder ausladen. Der Popularität der Südtiroler Band tat das aber keinen Abbruch. 2010 gab es noch Platz 2, mit „Feinde deiner Feinde“ (2012) dann Platz 1 in den Charts. Auch das Akustik-Album „Still“ belegte den Spitzenplatz der Charts.

Frei.Wild spielen mit den Anfeindungen und profitieren davon. Das kann man ihnen nicht absprechen und auch nicht ankreiden. Sie berufen sich auf Meinungsfreiheit und verweisen auf ihr Durchhaltevermögen. Damit sind sie Rechtspopulisten wie der AFD und Pegida zumindest in der Argumentation ziemlich nahe. Aber wo liegen auch wirklich die Grenzen öffentlicher Meinungsäußerung? Das zumindest ist ein weites Feld, das mit der (recht harmlosen) Musik nichts mehr zu tun hat. Zumindest nennen Frei.Wild ihr aktuelles Album folgerichtig „Opposition“ und schieben den Titel „LUAA Rock’n‘Opposition“ mit rein. Darin geht es um ein grundsätzliches Gegen-alles-sein, was die politische Klasse angeht. Wir sind unzufrieden mit dem, was oben passiert – ein dankbares Thema für jeden Stammtisch.

Weiterhin machen Frei.Wild lauten Deutschrock. Stilistisch nahe an den Böhsen Onkelz, Betontod, aber auch an den Toten Hosen. Die Texte sind recht dezent gehalten. Eine Menge von Phrasen wie in „Wir brechen eure Seelen“, Durchhalteparolen („Hab keine Angst“) und Philosophisches („Alles um uns ist still“). Es darf sogar mal schlagermäßig optimistisch klingen: „Es braucht nicht viel um glücklich zu sein“ hätte mit anderen Vocals und feineren Instrumenten auch in Silbereisens Frühlingsfest eine Chance.

Schnörkellose Rockmusik, raue Vocals, etwas Punk und ein paar Alibi-Balladen. Natürlich wird auch das neue Album für Kontroversen sorgen und vermutlich schnurstracks an die Chartspitze stürmen. Die Konkurrenz rund ums Osterfest ist ohnehin nicht gerade groß. Frei.Wild sind im Vergleich zu den letzten Alben zahmer geworden. Was sie immer noch gut können: Den Fans eine Menge Material bieten für ihr Geld. Mir liegt nur die einfache CD-Version des Albums vor, doch da gibt es noch eine Menge mehr, beispielsweise ein Boxset mit Doppel-CD, Hörbuch und DVD.