Gazpacho: „Molok“ zerstört die Welt

VERÖFFENTLICHUNG» 23.10.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Gazpacho sind die progressiven Meister des Geschichtenerzählens. Im Prinzip hauen sie ein wundervolles Konzeptwerk nach dem anderen raus. Für mich steht immer noch „TickTock“ ganz vorne, das die Autobiographie von Antoine de Saint-Exupéry  in Töne fasst. Doch „Molok“ kratzt schon irgendwie am Thron. Eine Stärke des norwegischen Sextetts ist das Schaffen von musikalischer Atmosphäre. Gerade die ruhigen Passagen gehen dabei in eine Richtung, die Schaudern und Gänsehaut erzeugt. Meines Erachtens hat man es aber bei den letzten Werken „March Of Ghosts“ und „Demon“ damit übertrieben. Diese waren wunderschön, aber im gesamten Bild zu homogen und zu leise.

Das mag Jammern auf hohem Niveau sein – mir erschien es jedoch auffällig. Jetzt endlich finden Gazpacho mit „Molok“ zu alter Stärke zurück. Es gibt abrupte Stilwechsel, ein Pendeln zwischen lauten und leisen Passagen. Der Einsatz osteuropäischer Musik-Elemente erinnert an die weltmusikalischen Teile von „Tick Tock“. Chorsänger unterstützen Jan-Henrik Ohmes emotionale Gesangseinlagen, die Rhythmusfraktion bekommt ordentlich was zu tun.

Die Geschichte ist interessant und wird gekonnt künstlich aufgepuscht. Es geht um religiöse Themen Hand in Hand mit neuen wissenschaftlichen Ideen und Theorien. Der Molok (Moloch) ist in seiner ursprünglichen Bedeutung die gnadenlose, alles verschlingende Macht. Keyboarder Thomas Andersen erklärt dazu: „Das Album selber handelt von einem Mann, der um 1920 feststellt, dass egal wo irgendjemand einen Gott anbetet, er dieses in der steinerner Form tut. Ob eine Kathedrale, die Steine von Mekka oder Stonehenge. Gott scheint von seinen Anbetern in Stein getrieben worden zu sein, um niemals zurückzukehren. Dies geht zurück auf den norwegischen Volksmythos in dem heißt, wenn ein Troll dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, wird er zu Stein. Aber es erklärt auch, warum Gott schon seit langer Zeit nicht kommuniziert.“

Betrachtet man das Universum mechanisch sind alle Ereignisse die Folge vorheriger Ereignisse. Das bedeutet mit genügend Information sollte man in der Lage sein die Vergangenheit und die Zukunft zu kalkulieren. Das ist es, was der Mann in der Geschichte um 1920 tut. Er baut eine Maschine, nennt sie „Molok“ nach dem biblischen Dämon der mit seinem Kiefer Kinderopfer zermalmte. Allerdings, zermahlt seine Maschine Zahlen. Am Tag der Sommersonnenwende startet er die Maschine und schnell gewinnt er eine Art von Intelligenz, währender durch die Geschichte rast und seine eigene Entwicklung erlebt.

Der Ansatz ist äußerst philosophisch. Das passt zur Band, wird aber zumindest an einer Stelle zu pathetisch. Der Longtrack „Molok Rising“ funktioniert diesmal irgendwie nicht, obwohl gerade solch ausufernde Songs normalerweise zu Gazpachos Stärken gehören. Bis dahin aber war es gigantisch. „The Master’s Voice“, „Bela Kiss“, „Know Your Time“ und vor allem „Choir Of Ancestors“ sind grandios. Da sieht man über einen kleinen Spannungsabfall zum Ende hin gerne mal hinweg.

Ach ja – was meinte ich mit dem künstlichen Aufpuschen? Ein kleiner Code am Ende des Albums, der wie ein komisches Geräusch klingt, löst die Korrektur Software auslösen die in allen CD Playern läuft und wird eine zufällige Nummer errechnen jedes Mal wenn die CD abgespielt wird. Sollte diese Nummer mit der gegenwärtigen Position aller Elektronen im Universum korrespondieren dann könnte das Universum im Prinzip zerstört werden. Die Funktionsfähigkeit dieses Gimmicks soll wissenschaftlich belegt sein. Zumindest passt es zur inhaltlichen Ausrichtung des Albums, bringt Bewegung in die Pressearbeit und macht das Album zum Gesamtkunstwerk. Auch gut.

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