Genesis – R-Kive: Fünf Köche würzen die selbe Suppe

VERÖFFENTLICHUNG» 03.10.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wenn sich fünf weltberühmte Musiker für eine BBC-Dokumentation wieder zusammen finden, muss auch ein Produkt im Laden stehen, von dem alle etwas haben. Das werden sich Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford gedacht haben, als sie die Idee für den vorliegenden Sampler entwickelten. Hit-Zusammenstellungen von Genesis gibt es ja schon einige, doch bisher war es oberstes Gebot, diese Releases streng von den jeweiligen Soloveröffentlichungen zu trennen.

Das hat sich nun geändert und wir bekommen eine chronologisch sortierte Box mit drei CDs voller Hits, in die sich einige selten gehörte Songperlen eingeschlichen haben. Die Solotitel der fünf Musiker wurden dabei einfach anhand ihrer zeitlichen Abfolge einsortiert.

CD 1 widmet sich ganz der Gabriel-Ära und es ist natürlich bezeichnend, dass sich nur neun Songs darauf finden. Der Hang zu epischer Breite war ja ein Markenzeichen der ursprünglichen Schülerband. Allein „Supper’s Ready“ gilt bis heute als Inbegriff dieser Zeit und ist natürlich komplett vertreten. Das Konzeptalbum „The Lamb Lies Down On Broadway“ muss sich hingegen auf den Titelsong, das weniger bekannte „Back in N.Y.C. “ und den ersten Superhit der Band „Carpet Crawlers“ beschränken.

CD 2 beschreibt den kometenhaften Aufstieg des Phil Collins als Leadsänger bis hin zu seiner fulminanten Solokarriere. Da findet sich das zarte „Ripples“ neben „Turn It On Again“ und den Hits „Mama“ sowie „That’s All“, die Genesis in den Charthimmel führten. Parallel darf man sich an Peter Gabriels „Biko“ und „Solsbury Hill“ erfreuen. Zudem schmettert Phil seine Solo-Superhits „In The Air Tonight“ und „Easy Lover“, die die 80er Jahre geprägt haben.

Die Titel von Tony Banks und Steve Hackett sind zwangsläufig die weniger bekannten, da sie ihre Soloalben nie am Massengeschmack ausgerichtet haben. CD 2 endet dann mit „Silent Running“ von Mike + The Mechanics, der endlich auch dem fünften im Bunde einen großen Hit bescherte, der bis heute weltbekannt ist.

CD 3 markiert endgültig den Schwenk von Prog zum Mainstream, der spätestens 1983 durch „That’s All“ eingeleitet wurde. Die Alben „Invisible Touch“ und „We Can’t Dance“ werden anhand der Singles vorgestellt, das letzte Werk „Calling All Stations“ wird über den Titelsong höchstens noch als Fußnote erwähnt. Die letzten vier Titel sind weniger bekannte Solotitel von Peter Gabriel („Signal To The Noise“), Phil Collins („Wake Up Call“), Steve Hackett („Nomads“) und Tony Banks („Siren“). Damit schließt sich der Kreis und das Archiv, von dem sich der Compilationtitel „R-Kive“ ableitet, wird vorerst geschlossen.

Überraschungen wie Unveröffentlichtes oder gar einen neuen Song gibt es leider nicht. Die Ausdehnung auf drei Silberlinge führt zumindest dazu, dass man einige Titel findet, die nicht den alltäglichen Hörgewohnheiten entsprechen und die man eventuell gar nicht in der Sammlung hat. Schön finde ich das dicke Booklet mit achtseitiger historischer Zusammenfassung von Craig McLean in Form eines Essays und mit einer bildhaften Zusammenstellung der Cover aller vertretenen Studioalben.

Eine Bemerkung kann ich mir dennoch nicht verkneifen: Wenn man für ein letztes Studioalbum einen neuen Sänger verpflichtet, dann wird dieser zwangsläufig zu einem vollwertigen Bandmitglied. Wenn dem nicht so wäre, könnte man sich die Aufnahmen auch gleich schenken. Ray Wilson war ein hervorragender Sänger. Dass „Calling All Stations“ nicht der erhoffte Erfolg vergönnt war, lag weniger an seiner Leistung, als vielmehr an der Entwicklung im Musikgeschäft Ende der 90er Jahre. Zum Glück ist zumindest der Titelsong des Albums mit auf dem Sampler. Ein weiterer Song aus Wilsons Solowerk wäre aber ein Gebot der Fairness gewesen.