Die neue Farbenlehre des Heino: Der Enzian blüht jetzt Schwarz!

VERÖFFENTLICHUNG» 12.12.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Da hat uns der alte Haudegen doch vor zwei Jahren einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Heino stellte mit seinem Album „Mit freundlichen Grüßen“ die Musikwelt ordentlich auf den Kopf. Ein Schlagerbarde singt Punk und Rock? Was machen wir mit unseren Feindbildern? Darf man plötzlich Heino hören, nur weil „Junge“ aus seinem Mund so herrlich selbstironisch klingt? Ja – ich denke man darf. Heino hat alles richtig gemacht, zeitlos geniale Songs ausgewählt und sich mal eben in Rockermanier selbst erfunden. Das Album war der Knaller. Es verhalf Heino zur ersten Nummer 1 in seiner langen Karriere und die Liveauftritte (unter anderem in Wacken!) verschafften dem inzwischen 76jährigen ein ganz neues Publikum.

Einen Tag vor seinem 76. Geburtstag legte der Sänger aus Düsseldorf noch einen drauf. Das neue Album trägt den Titel „Schwarz blüht der Enzian“. Titelsong und dazugehöriges Video zeigen die Marschrichtung auf. Heino singt mit rollendem R und sonorer Stimme, wie wir es gewohnt sind. Begleitet wird er aber von Metalklängen und einer hämmernden Basslinie, die sich gewaschen hat. Zur Unterstützung fürs Video – der Hang zur Selbstironie ist geblieben – hat Heino die Wildecker Herzbuben als Security mit dabei und auch Patrick Lindner, Stefan Mross sowie Gotthilf Fischer wirken mit. So viele Feindbilder in einem Metal-Video. Das tut nicht nur weh, es ist geradezu grandios!

Heino geht jetzt im Vergleich zum Vorgängerwerk den umgekehrten Weg. Er wählt nicht mehr Werke der Pop- und Rockkultur aus, sondern nimmt seine eigenen Erfolgstitel, um ihnen einen ganz neuen Klang zu verleihen. Als musikalische Vorbilder scheint er sich Rammstein ausgewählt zu haben, denn die meisten Titel gehen in Richtung Industrial Metal und Neue Deutsche Härte.

Auf „Schwarz blüht der Enzian“ rockt Heino zu all seinen Klassikern – den Volksliedern und Schlagern, die Generationen geprägt haben (ob die Hörer das wollten oder nicht). Von „La Paloma“ und „Jenseits des Tales“ über „Rosamunde“ und „Die schwarze Barbara“ bis hin zu „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und „Wir lagen vor Madagascar“ – da jagt ein Ohrwurm den nächsten. Insgesamt 13 neu eingespielte Lieder, die der Musiker in einem monatelangen Prozess gemeinsam mit mehreren hochkarätigen Produzententeams aufgenommen hat. Meist erkennt man die Ursprungs-Idee. „Hoch auf dem gelben Wagen“ wurde deutlich von den Toten Hosen beeinflusst, „Komm in meinen Wigwam“ erinnert an den Extrabreit-Punk. Zum Abschluss gibt es dann doch noch einen neuen, schlagerähnlichen Track mit dem Titel „Jetzt erst recht“.

Ich muss Heino und seinen Beratern mal wieder ein gutes Händchen zugestehen. Titel und neue Arrangements sind sorgfältig gewählt und funktionieren einwandfrei. Im kommenden Jahr feiert Heino sein 50-jähriges Bühnen-Jubiläum. Natürlich muss eine solch einzigartige Bühnen-Karriere gebührend gefeiert werden, darum schicken Rodeostar und Starwatch Entertainment Heino ab Oktober 2015 auf große Tournee. „Schwarz blüht der Enzian: Verspottet, belächelt, beschimpft- KULT! 50 Jahre Heino“, so der Titel der Tour.