Jenny Wilson: Demand The Impossible – ein Album mit finsterem Timbre

VERÖFFENTLICHUNG» 13.02.2015
BEWERTUNG» 6 / 9
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Vor circa 10 Jahren hat mich ein Album durch den Sommer begleitet. Ich kann mich nicht mehr erinnern wie ich zu  „Love and Youth“ von Jenny Wilson gekommen bin, durch einen Tipp, eine Rezension, wasauchimmer. Aber irgendwas muss mich bewogen haben, das Album zu kaufen.

Einmal in meinem Besitz, lief es fortan auf Heavy Rotation, zuhause, im Auto, im Büro. Ich war begeistert von dieser großartigen Popmusik, die leichtfüßig und tiefgründig zugleich daherkam. Wilsons Songs hatten ein ausgereiftes Songwriting, autobiografische, zum Teil selbstironische Texte und waren hinreißen arrangiert, luftig und dicht zugleich. Diverse Kooperationen mit Künstlern wie The Knife, Robyn oder Trentemoller machten Frau Wilson nicht uninteressanter.

Im Jahr 2009 folgte dann ihr zweites Album „Hardships“. Ich habe reingehört aber aus irgendeinem Grund hat es mich nicht so erwischt wie „Love and Youth“ seinerzeit. Ich gestehe, dass ich keine größeren Anstrengungen unternommen habe, mit Hardships warm zu werden. Vielleicht war es mein Fehler. Vielleicht ist es aber auch gerade ein Punkt, der gute Popsongs ausmacht – sie bleiben hängen, ohne dem Hörer dabei irgendeine Anstrengung abzuverlangen. Wie dem auch sei. Vor kurzem bekam ich jetzt Jenny Wilsons drittes Album „Demand The Impossible“ auf den Tisch, und nahm mir vor, in das neue Werk mit voller Aufmerksamkeit einzusteigen. Bereits in 2013 veröffentlicht kommt es in Deutschland erst im Februar 2015 in den Handel.

Was sehr schnell auffällt – die Platte ist extrem rhythmisch. Bei fast allen Songs liegen mehrere Schichten von Beats übereinander, die sich verdichten und im Vordergrund stehen. Auch Wilsons Gesang ist sehr rhythmisch. Von einem Dance Album zu sprechen führt aber in die falsche Richtung. Viele Songs sind eher von afrikanischen oder auch orientalischen Einflüssen bestimmt, wie zum Beispiel in „Opposition“ zu hören. Auf analoge Instrumente wurde weitestgehend verzichtet, man kann hier durchaus von Elektropop sprechen. Was auch auffällt, ist die dunkle Grundstimmung der Platte. Ihre Krebserkrankung thematisiert Wilson in mehreren Songs. „Mean Bone“ und „Pyramids“ ziehen das finstere Timbre des Albums noch ein Stück weiter nach unten. Die Sounds sind interessant unterkühlt. An manchen Stellen fühlt man sich an Nicolas Jaar erinnert, wenn man den Gesang wegdenkt.

Insgesamt finde ich auf „Demand The Impossible“ nicht die musikalische Bandbreite und Dynamik vor, die mich bei „Love And Youth“ so begeistert hat. Nun ist es aber normal, dass Künstler sich verändern, ihre Musik verändern. Vielleicht ist es nicht fair, das vorliegende Album ständig mit dem immerhin schon 10 Jahre alten Erstlingswerk zu vergleichen. Denn für sich allein genommen, ist „Demand The Impossible“ ein durchaus hörenswerter Output. Zum ersten Reinhören kann ich den Song „Restless Wind“ empfehlen.