Zum 40. Geburtstag: „WarChild“ von Jethro Tull erscheint im neuen Stereomix und mit unveröffentlichten Tracks und Filmen

VERÖFFENTLICHUNG» 28.11.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Für Fans der britischen Progressive Rocker Jethro Tull waren die letzten Jahre ein Fest. Soundtüftler Steven Wilson nimmt sich ein Werk nach dem anderen vor und Chrysalis / Warner Music veröffentlicht die neu gemischten Versionen in exorbitant gut ausgestatteten Boxen, die den Rahmen jeder CD-Sammlung sprengen und für echte Fans vermutlich die Anschaffung einer eigenen Vitrine nötig machen.

Nach dem Meilenstein „Benefit“ und dem virtuosen Konzeptwerk „A Passion Play“ ist nun das „War Child“ Album aus dem Jahr 1974 an der Reihe. Im Anschluss an ihre höchst komplexen Konzeptalben (da war ja auch noch das fulminante „Thick As A Brick“) kehrten Jethro Tull mit „War Child“ wieder zur Songstruktur zurück. Doch auch dieses Werk war mehr als ein reguläres Studioalbum, das aus einzelnen Songs bestand. Vielmehr war es als Gesamtkunstwerk geplant, das zusätzlich einen Feature-Film und ein Soundtrack-Album enthalten sollte – doch Film und Soundtrack wurden leider nie realisiert.

„Bungle In The Jungle“ – der wohl bekannteste Track des Albums – war schon älter und ist 1972 bei Aufnahmen in der Nähe von Paris entstanden, die nie zu einem eigenständigen Album wurden. Jetzt passte es in die skurrile geplante Filmgeschichte, bei der ein Mädchen im Jenseits auf die Charaktere Gott, Petrus und Luzifer treffen sollte. Warum es zu diesem Konzeptwerk nie kam? Vermutlich hatte Ian Anderson nach „A Passion Play“ zu viel (unberechtigte) Kritik einstecken müssen und entschied sich, in Zukunft wieder einfache Songsammlungen anstatt ambitionierter inhaltlicher Projekte auf den Weg zu bringen. Kommerziell vermutlich die bessere Entscheidung – künstlerisch aber eine Schande.

Um den 40. Jahrestag zu zelebrieren, erscheint das Album nun als limitierte „40th Anniversary Theatre Edition“ in einem neuen Stereomix und im 5.1 Surround Sound. Wilson hat wieder wundervolle Arbeit geleistet und bringt die Klassiker auf ganz neue Art zum klingen. Das Album enthält zusätzlich bisher unveröffentlichte Tracks, Orchester-Stücke und selten gezeigtes Video-Footage, dazu kommt ein 80-seitiges Booklet.

„The Second Act“ liefert viel Material, das zum ursprünglichen Albumkonzept gehörte und zum Teil nie offiziell veröffentlicht wurde, die „Orchestral Recordings“ fassen zehn Orchesterstücke zusammen, von denen neun bisher noch nie andernorts erschienen sind. Vor allem das Booklet mit einer Synopsis des Filmskripts verhilft dazu, sich einen guten Eindruck von dem geplanten Projekt zu verschaffen. Wenn man dann noch die orchestralen Tracks als Filmmusik betrachtet und alles um die nicht verwendeten Stücke ergänzt, kann man sich den „War Child“ Film zumindest herbei träumen. Auf jeden Fall grandios, wie Jethro Tull ihre Vergangenheit aufarbeiten – und nebenbei den Geldbeutel der Fans in Anspruch nehmen. Die Anschaffung lohnt aber!