Johannes Oerding fackelt die Gitarre ab: „Alles brennt“

VERÖFFENTLICHUNG» 30.01.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Zwei Jahre ist es jetzt her, dass sein Album „Für immer ab jetzt“ von 0 auf Platz 4 in die deutschen Albumcharts einstieg. Danach war er mit Joe Cocker auf Tour und belegte bei Raabs Bundesvision Song Contest einen respektablen zweiten Platz. In den letzten Jahren hat Johannes Oerding 250 eigene Shows gespielt – es wird also Zeit für ein neues Album: „Alles brennt“. Mit seinem erprobten Team aus Sven Bünger und Mark Smith nahm Oerding die zwölf neuen Songs an der Nordsee in St. Peter Ording auf, gefolgt von Overdubs in Kiel und Drum-Aufnahmen in Hamburg.

Johannes Oerding macht deutschsprachige Popmusik mit souligem Einschlag. Seine Stimme ist nicht wirklich schön, hat aber durchaus Charme. Und vor allem singt er mit Leidenschaft und seine Lieder wirken authentisch – angefangen mit dem bewusst poppigen Titelsong, der mit dem 700 Mann starken Chor „Hamburg Singt“ im Refrain überrascht und als astreiner Ohrwurm daher kommt.

Im Folgenden bieten die Songs einen thematischen Rundumschlag, wie „Wenn du lebst“, das uns mit offenen Armen aufmunternd empfängt, über „Turbulenzen“, einer Art Selbsttherapie gegen Flugangst und das Problem Kontrollverlust (mit dem Johannes sogar an roten Ampeln zu kämpfen hat) und „Nie wieder Alkohol“, einer spontan-übermütigen Rock’n’Roll-Momentaufnahme, bis hin zur Ballade „Zweites Gesicht“, seinem bis dato wohl persönlichsten Song.

Stilistisch ist das Album sehr abwechslungsreich. Da gibt es poppige Gute-Laune-Nummern, berührende Liebeslieder und philosophische Titel. Große, orchestral arrangierte Titel stehen neben knuffigen Pianosongs – und die Gitarre bildet den allumfassenden Mittelpunkt, auch wenn Oerding sie auf der Rückseite des Booklets genüsslich abfackelt. Zum Glück kommt der Humor aber niemals zu kurz. Johannes Oerding ist der norddeutsche Soulman schlechthin. Manche Titel erinnern gar an die Gelassenheit eines Johnny Cash. Auch wenn der Funke nicht immer überspringt: Wer handgemachte deutschsprachige Musik mag, ist mit diesem Album bestimmt gut bedient.