John Illsley „Live in London“ mit Solomaterial und dem Erbe der Dire Straits

VERÖFFENTLICHUNG» 27.02.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL»
John Illsley Live in London bei Amazon bestellen

„Testing The Water“, das letzte Solowerk von John Illsley, fand ich schon überraschend. Die Nähe zu den Dire Straits der 80er Jahre ist wirklich frappierend. Kein Wunder, denn John Illsley war als Bassist von der Gründung 1977 an mit dabei und gilt auch heute noch als Mitglied der nie aufgelösten sondern offiziell nur auf Eis gelegten britischen Rockband. Inzwischen wird wohl niemand mehr an ein Comeback glauben, sodass es umso schöner ist, wenn neben Mark und David Knopfler auch John Illsley die Legende am Leben erhält.

Das tut er nicht nur mit seinen Soloalben, sondern vor allem auch live. Und seine Konzerte sind mit einer Masse von Dire Straits-Material angereichert. Der Mitschnitt „Live In London“ wurde 2014 im ‚Half Moon‘-Pub im Westen der Metropole aufgenommen und bietet interessanterweise fünf Stücke vom schon älteren Album „Streets Of Heaven“, während das aktuelle „Testing The Water“ nur mit „When God Made Time“ vertreten ist. Die eigenen Stücke passen sich wunderbar in das Dire Straits-Repertoire ein. Illsley singt selbst die Lead Vocals und tut dies mit recht hoher, aber durchaus prägnanter Stimme.

Das Hauptaugenmerk liegt aber auf den alten Songs, und da hat es die Auswahl wirklich in sich. Wir hören Klassiker wie „Walk Of Life“, „Sultans Of Swing“ und „Money For Nothing“ in starken, originalgetreuen Versionen. Der Bassist und Sänger wagt sich aber auch an schwierige Titel, die nicht jede Coverband drauf hat. „Once Upon A Time In The West“, „Private Investigations“, „Romeo And Juliet“ und vor allem „Brothers In Arms“ erklingen wundervoll melancholisch mit starker Gitarrenarbeit von Robbie Mcintosh und Simon Johnson.

Als Schmankerl obendrauf gibt es das Cohen-Cover „First We Take Manhatten“ und Pink Floyds „Another Brick In The Wall“. So bietet die Live-CD ein kurzweiliges Konzert von 75 Minuten Länge, das Fans der genannten Rockgrößen begeistern dürfte. An Johns Stimme hat man sich schnell gewöhnt und das Konzerterlebnis ist durchaus beeindruckend. Im März 2015 bewegt sich der Brite auf deutschen Bühnen. Vormerken!