Judith Owen: „Ebb & Flow“ im Westküsten-Sound der 70er

VERÖFFENTLICHUNG» 27.02.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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In Großbritannien und vor allem in den USA ist Judith Owen sehr populär – so sehr, dass sie sogar schon einen Gastauftritt bei den Simpsons hatte. Hierzulande aber dürfte sie bislang höchstens Insidern bekannt sein. Schade eigentlich, denn die aus Wales stammende und seit den frühen 1990er Jahren in den USA lebende Singer-Songwriterin veröffentlichte im letzten Jahr mit „Ebb & Flow“ bereits ihr achtes, von der Kritik hochgelobtes Album. Ende Februar 2015 ist die CD nun auch in Kontinentaleuropa offiziell herausgekommen.

Das Album umfasst zwölf Songs und man spürt die Songwriting-Kultur und den Westküsten-Sound der 70er Jahre. Joni Mitchel, James Taylor und Carole King übten großen Einfluss auf die Sängerin aus. Um der Platte die richtige Basis zu geben, hat Judith Owen bei den Urhebern jenes Sounds nachgefragt, die nicht nur auf Platte zu hören sind, sondern auch mit ihr auf Tour gehen werden: Waddy Wachtel (Gitarre), Leland Sklar (Bass) und Russ Kunkel (Schlagzeug) sind die Heroen, die Judith nun begleiten. Das früher auch als The Section bekannte Trio spielte auf dutzenden klassischer Alben, zum Beispiel auf Carole Kings „Tapestry“, James Taylors „Sweet Baby James“ oder „Running On Empty“ von Jackson Browne.

Die Songs von „Ebb & Flow“ transportieren den Spirit jener Zeit in die Gegenwart.  „Über die menschlichen Empfindungen zu singen, das Leben im Schatten von Verlust und Frustration, Traurigkeit und Einsamkeit, und dabei nicht alles nur sentimental zu betrachten, sondern etwas herausragend Schönes daraus zu machen – das ist der Job des Songschreibens“, beschreibt Judith Owen ihre künstlerische Intention. Sie singt von Tod ihres Vaters („I Would Give Anything“) und dem Suizid ihrer Mutter („You’re Not Here Anymore“). Sehr schwierige Themen. Aber es gibt auch optimistische Songs, die Wege aus der Hoffnungslosigkeit aufzeigen. Stücke wie „Train Out Of Hollywood“ oder „Under Your Door“.

Besonders interessant finde ich die beiden Coverversionen: zum einen „Hey Mister, That’s Me Up On The Jukebox“ von James Taylor, zum anderen „In The Summertime“, Mungo Jerrys Riesenhit von 1970. Judith wählt in beiden Fällen eine stilistisch neue Herangehensweise. Das Ergebnis ist vor allem beim Summertime-Song äußerst frisch und gelungen. Die Künstlerin hat eine fantastische Stimme und es wird einfach Zeit, dass man sie auch auf dem europäischen Festland besser kennen lernt.