Ein Album als „Insel“ – so sehr JULI wie irgend möglich

VERÖFFENTLICHUNG» 03.10.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Das Elektropop-Album „In Love“, das Juli im Jahr 2010 eingeschoben haben, war nicht der große Wurf. Ein Song wie „Elektrisches Gefühl“ traf zwar kurzfristig den Nerv des Radiohörers, konnte aber keinerlei Nachhaltigkeit erzeugen. Wenn Juli heute noch in den Playlists vertreten sind, dann höchst nostalgisch mit „Perfekte Welle“ und „Geile Zeit“.

Inzwischen sind wieder vier Jahre vergangen. Vier Jahre, in denen es die Bandmitglieder (die seit 2000 in dieser Besetzung zusammen Musik machen) eine ganze Zeit lang in alle vier Winde auseinandergeweht hat. Aber obwohl sie das wo und wann erst einmal offen ließen, stand nie außer Frage, dass man sich eher früher als später wieder zusammenfinden würde, um neue Songs zu schreiben. Am Ende trafen die Gießener sich dort, wo sie auseinander gegangen waren, in Berlin, stellten allerdings rasch fest, dass ihre eigentliche Heimat weder die Hauptstadt noch die Provinz, sondern die Band Juli selbst ist.

Die erste Auskopplung „Insel“, die schon seit Wochen veröffentlicht ist, beschreibt dieses neue Zusammengehörigkeitsgefühl. Eine Insel, der man hin und wieder den Rücken kehrt, wenn einen der Inselkoller packt, die man aber im Herzen stets bei sich trägt und auf die es einen immer wieder wie magisch zurückzieht. Diese Erkenntnis wurde zum Ausganspunkt und Rahmen der gemeinsamen Arbeit am neuen Album.

Musikalisch ist es eine Rückbesinnung zu den Wurzeln. Weniger Elektronik, mehr bodenständige Songs, die ein wohliges Gefühl vermitteln. Dabei mache ich auch nach vielen Hördurchgängen nicht den eingängigen Radiohit aus, aber eine Reihe kleiner Perlen, die sich im Ohr festsetzen. Beispielsweise das hymnische Statement „Nichts brauchen“ mit feinem Rhythmuskonstrukt oder die sphärische Ballade „Hallo Hallo“ mit einer verträumten Eva Briegel an den Vocals.

Das nostalgische „2004 vermittelt den melancholischen Juli-Sound, wie wir ihn von den ersten beiden Alben kennen. Da denke ich sofort an „November“ und ein wohliger Schauer läuft über den Rücken. Doch es geht nicht nur in die Vergangenheit. „Eines Tages“ schafft eine optimistische aber doch sehr utopische Zukunftsvision. Was ein gutes Album ausmacht, ist, dass es als Ganzes funktioniert. Und dafür haben Juli mal wieder ein Paradebeispiel abgeliefert. Evas facettenreicher, wunderschöner Gesang, die intelligente Pop-Ausrichtung und ein übergeordnetes sehnsuchtsvolles Thema. „Insel“ wächst mit jedem Hören und ich bin froh, dass wir das Gießener Quartett wieder in alter Qualität zurück haben.

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