Klee rufen „Hello again“ – Coveralbum im Bossa Nova Stil

VERÖFFENTLICHUNG» 14.08.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Von der ehemals so rührigen Band aus Köln haben wir erschreckend lange nichts gehört. Die aktuelle Besetzung besteht nur noch aus Suzie Kerstgens und Sten Servaes. Und leider gibt es auch vier Jahre seit dem Erfolgsalbum „Aus lauter Liebe“ keine neue Musik. Sehr schade, denn mir hat der abwechslungsreiche Elektropop immer sehr zugesagt. Vom ersten hauptsächlich am Rechner entstandenen Album „Unverwundbar“ hat sich die Band musikalisch immer mehr hin zu dicht und abwechslungsreich arrangierten Popsongs entwickelt.

2015 erscheint nun recht unerwartet ein Album im Bossa Nova Stil. Und es sind keine eigenen Titel, sondern eine sehr eigenwillige Mischung aus alten deutschen Schlagern, in die sich aber auch einige starke Chansons beispielsweise von Udo Lindenberg und Reinhard Mey hinein geschummelt haben. Wie um Gottes Willen soll das funktionieren?

Die Antwort: hervorragend! Verbindendes Element sind nämlich die lässig gespielten lateinamerikanischen Rhythmen, die wie ein lauer Sommerhauch durch das Album wehen. Ein Sommerausflug, könnte man sagen, ein Fotoalbum aus zufällig gehörten Titeln, die eine fröhliche Leichtigkeit miteinander vereint.

Man muss sich allerdings auf die 60er und 70er Jahre einlassen – zumindest textlich. Howard Carpendales „Hello again“, das schmissige „Barfuß im Regen“ von Michael Holm, selbst Roy Blacks Muster-Schlager „Du bist nicht allein“ und das geschmachtete „Ohne dich“ der Münchner Freiheit sind mit dabei. Die ursprünglich wenig gehaltvollen Texte gewinnen tatsächlich im Easy-Listening-Format und geben den Songs eine ganz neue Dimension. Roland Kaisers frivoles „Manchmal möchte ich schon mit dir“ schleicht plötzlich sommerlich frisch durch die Gehörgänge.

Als Klee während der Studioarbeit an ihrem kommenden offiziellen Album saßen (dessen Veröffentlichung für 2016 geplant ist), hat die Band für eine Fanta-Werbekampagne eine Coverversion von „Hello Again“ eingespielt. Neben der im Spot verwendeten Version entstand – mehr aus Spielerei – eine Bossa-Nova-Variante, die alle Musiker um Suzie und Sten nicht mehr losgelassen hat. „Wir hatten bei der Aufnahme einen unglaublichen Spaß, uns auszuprobieren, und entwickelten zufällig ein gemeinsames Brennen für diesen Sound. Dann haben wir das noch mit anderen Stücken ausprobiert“, erinnert sich Suzie.

Das blieb auch für die Plattenfirma kein Geheimnis, und schnell entstand die Idee, daraus auf dem Weg zum offiziellen Album ein weiteres Sommeralbum zu planen. „Das lief dann plötzlich wie ein Zahnrad und entwickelte eine verrückte Eigendynamik im Studio,“ berichten Klee. „Eine schöne Herausforderung war es, die ausgewählten Songs zu unseren eigenen zu machen. Vor allem bei den muttersprachlich nicht deutschen Interpreten wie Gilbert Becaud oder Adamo musste ich darauf achten, deren Akzent nicht mitzusingen,“ erzählt Suzie begeistert und ergänzt: „Die Originale sind ja bereits sehr starke Interpretationen. Das alles in einen KLEE-Kosmos zu bringen, obwohl wir musikalisch dabei ganz anders klingen wollten, war spannende Arbeit, mit der wir am Ende aber auch sehr glücklich sind.“

Das sommerliche Mix-Tape macht auf jeden Fall die Zeit des Wartens bis zum nächsten Studiowerk etwas kürzer. Ein spannendes Stück Musik für die Sommerabende, die da noch kommen sollen.