Laith Al-Deen und sein ängstlicher Optimismus

VERÖFFENTLICHUNG» 26.06.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
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Laith Al-Deen Was wenn alles gut geht bei Amazon bestellen

Nach der Premium und der Limited Fan Edition erschien dieser Tage eine weitere Version von Laith Al-Deens aktuellem Album „Was wenn alles gut geht“. Und man fragt sich natürlich, ob das sein muss. Rechtfertigt der Mehrwert der neuen Version den nochmaligen Kauf? Manche, die das Werk schon in einer anderen Auflage zuhause haben, werden sich ärgern.

Der Grund für die Neuveröffentlichung liegt aber auf der Hand: in der Sendung „Meylensteine“ war Gregor Meyle zu Gast bei Laith und dieser Werbeeffekt will ausgenutzt werden. Dass deutschsprachige Musik groß im Kommen ist, zeigt ein Blick in die Charts. Kürzlich waren erstmals seit Beginn der offiziellen Chartnotierung die zehn Spitzenplätze mit deutschsprachigen Alben belegt. Und da fand sich Vielerlei von Schlager über Rap bis hin zu Pop und Rock. Das Verdienst dafür gebührt unter anderem Xavier Naidoo. Ob man ihn nun leiden kann oder nicht – seine Sendung „Sing meinen Song“ hat einen Trend geschaffen und das Geschäft ordentlich angekurbelt.

Ich hoffe, dass auch Laith Al-Deen davon profitiert, denn ich mag sein aktuelles Album. HIER findet ihr unsere Review der Ursprungsversion aus dem Jahr 2014. Und was bietet er nun Neues? Da sind zunächst fünf Bonustracks auf CD. Es gibt „Nur wenn sie daenzt“ in der sehr gelungenen Meylensteine-Version. Außerdem „Wenn gestern heute wär“ im Duett mit Peter Maffay – wunderschön und passend. „Alles an dir“ findet sich in einer Liveversion aus dem Jahr 2014 und die beiden Titel „Unversehrt“ und „Lust auf Leben“ gab es bisher nur als Download. Alles in allem also fünf passende Zugaben.

Die DVD fällt dann aber nicht so üppig aus wie erwartet. Leider nur drei Livetitel und diese dann auch noch akustisch und recht lahm ohne Publikum eingespielt. Klar macht es Spaß, sich reduzierte Version der Songs anzuhören und Laith Al-Deen in einem ruhigen, intensiven Moment zu rleben. Allerdings sind das keine Tracks für die Repeat-Taste, sondern ein Einblick, den man sich vermutlich nur einmal anschaut.

Das gilt auch für das – gleichwohl sehr interessante – EPK und die Interviews. Laith erzählt viel zur Entstehung des Albums und ist auch mutig genug, um sein Gefühlsleben auszubreiten. Die fast schon ängstlich-optimistische Grundeinstellung des Albums, der psychische Absturz nach den nicht so erfolgreichen letzten Werken, Unsicherheit und eine fast schon trotzige Aufbruchsstimmung. Diese Aussagen entwickeln ein tiefes Verständnis für das Werk.

Mit großer Freude habe ich zudem die Sammlung aus 14 Videos betrachtet, die Laiths Werdegang ab dem ersten Hit „Bilder von dir“ bis ins Jetzt betrachten. Schade allerdings, dass die Songs des Albums „Der Letzte deiner Art“ ganz außen vor bleiben. Mir gefällt auch dieses nicht so erfolgreiche Album aus seiner Diskographie und ich finde, er tut nicht gut daran, es als Stiefkind zu behandeln.