Love A mischen die Provinz auf: „Jagd und Hund“

VERÖFFENTLICHUNG» 27.03.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Love A stammen aus Trier und legen mit „Jagd und Hund“ ihr drittes Album vor. Das schwierige dritte Album? Davon ist zumindest nichts zu bemerken. Wir bekommen zwölf Songs voller Power und Energie, denen nichts Provinzielles anhaftet. Love A sind immer noch verwurzelt im Punk, bieten musikalisch aber eine gesunde Mischung, die weit in die Sphären von Indierock und Wave hinein reicht. Gut so! Es gibt ein wenig Melancholie, doch vor allem Aggressionen und etwas Wahnsinn.

Zunächst fällt einmal das gelungene Cover auf. Es repräsentiert so ziemlich alles, was Punk nicht sein will. Biederes Gehabe. Eine gelungene Zurschaustellung konservativer Werte. Die Stücke des Albums schwanken zwischen Hoffnung und Resignation. Da ist „Lose your illusion“, ein trauriger Song über Gewalt, Drogen und Medikamentenmissbrauch. Oder das philosophische „100.000 Stühle leer“ mit intelligenten Textzeilen: „Nur wer mal aufgestanden ist, der darf sich setzen / und darum bleiben hier so viele Stühle leer“.

Mein Voice Kids-verwöhnter zehnjähriger Sohn meinte: „Der kann ja gar nicht singen“. Und irgendwie ist es beruhigend, dass ich ihm noch erklären muss, dass es auf die Botschaft ankommt und nicht auf die Stimme. Und dass Punk nun mal eben nicht wie Radiomusik klingt. Vermutlich wird es schon in fünf Jahren anders sein und er erklärt mir seine Musik. Hat noch Zeit.

Love A beschäftigen sich auch mit modernen Themen. „Modem“ behandelt die ständige digitale Verfügbarkeit und den Medienkonsum: „Opa will ins Internet. Er hat gehört: dort gibt es Sex und weiße Tiger.“ Oftmals düstere Tonfolgen. Sänger Jörkk Mechenbier schreit bisweilendie Vocals wild heraus, sorgt aber immer noch für Textverständnis. Besonders genial finde ich sein Stakkato in „Der beste Club der Welt“. Energisch: „Weil dein Verstand komplett am Arsch ist, / glaubst Du an Gott und wahrscheinlich sogar an das System.“

Wut – ja. Vielleicht nicht so allumfassend, wie in den 80ern, aber „Brennt alles nieder“ ist nahe dran. „Fickt das System“, heißt es dort. Aber wie, wenn dem Einzelnen die Medienberieselung wichtiger ist als das eigene Denken? Love A regen zumindest zur Auseinandersetzung an und kämpfen gegen die Stagnation. Authentisch, ohne sich von einer Szene vereinnahmen zu lassen, reflektiert, ohne verbissen oder gar zynisch zu sein. Das Album erscheint als CD in einer schnieken Digi-Pack-Version und als Vinyl in aufwändigem Klappcover und limitierter farbiger Auflage. Da kommt Großes aus Deutschlands ältester Stadt!