Madsen machen auf „Kompass“ fast alles richtig

VERÖFFENTLICHUNG» 14.08.2015
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Madsen Kompass bei Amazon bestellen

Im vergangenen Jahr feierten Madsen ihr zehnjähriges Jubiläum. Drei der fünf Gründungsmitglieder sind Brüder: Johannes, Sebastian und Sascha. So wurde der Familienname auch gleichzeitig zum Namen der Band. Niko Maurer komplettiert die Madsen-Bande zum Quartett. Seit der Veröffentlichung ihres gleichnamigen Debütalbums stehen Madsen für Punk und Rock, für Laut und Leise, für Drängend und Sehnsuchtsvoll. Das ist auf ihrem neuen und mittlerweile sechsten Studioalbum „Kompass“ nicht viel anders.

Mit „Sirenen“ gelingt ihnen gleich ein vollfetter Einstieg, der mehr als nur ein bißchen Lust auf den Rest macht. Ein Stück, das sich gut auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte beziehen lässt. „Leichter“ ist eine Art Beziehungsratgeber zum Mitgröhlen und das von einem schönen Refrain getragene „Kompass“ eine Liebeserklärung an all jene, die unserem Leben eine Richtung geben. Dazwischen liegt mit „Küss mich“ ein wenig Polka. In „Ich bin korrupt“ tanzen sie mit ausgebreiteten Armen über eine bunte Blumenwiese. Bis hierhin hat der Opener nicht zu viel versprochen. Leider halten Madsen dieses Niveau aber nicht über die volle Länge der insgesamt zwölf Songs durch.

„Ich trink nur eben aus“ ist eine punkige Spassnummer, die allerdings durch das folgende und in eine ähnliche Richtung lärmende „Fluten“ zunehmend eintönig wirkt. Auch „Graue Welt“ hat man mit seinen 08/15-Riffs irgendwie schon tausendmal (und noch dazu besser) gehört. Zwischendurch holen Madsen mit „Unerreichbar“ einmal tief Luft, aber selbst dieser musikgewordenen Flucht aus der digitalen Welt fehlt die nötige Tiefe. Damit steht es nach guten und schlechte(re)n Songs kurz vor Schluss Unentschieden. Aber in der Verlängerung darf ja noch dreimal ausgewechselt werden.

Mit „Nochmal“ nehmen Madsen das Tor wieder in den Blick. Ein netter Gute-Laune-Pop-Song. Das hymnische „Über die Berge“ lässt sie dann richtig Fahrt aufnehmen, bevor sie mit „Leuchttürme“ als vollfettem Abschluss den letzten und entscheidenden Elfmeter verwandeln. Das Ding sitzt auch deswegen, weil es neben der rockigen auch die zerbrechliche Seite von Madsen zeigt und damit die zwei Gesichter der Band perfekt wiederspiegelt. Abpfiff und Sieg!

Sicherlich darf man nach zehn Jahren im Geschäft von Madsen nicht mehr die Quadratur des Kreises erwarten. Dennoch tragen sie die Fahne der Spielfreude weiterhin fröhlich flatternd vor sich her. Sie lassen sich weder auf ein Genre, noch auf einen Themenkreis beschränken. Auf „Kompass“ schaffen sie so erneut den Spagat zwischen Intimität und grosser Geste.