Lone Arranger – Manfred Manns zweites Soloalbum

VERÖFFENTLICHUNG» 17.10.2014
BEWERTUNG» 6 / 9
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Manfred Lubowitz stammt aus Südafrika und gehört mit der Manfred Mann’s Earth Band zu den ganz Großen weltweit. Man schrieb zwar auch eigene Titel, doch es waren gerade Coverversionen, die zu riesigen Charthits wurden und die Originale meist in den Schatten stellten: „Do Wah Diddy Diddy“ (The Exciters), „Mighty Quinn“ (Bob Dylan) und die Springsteen-Titel „Blinded By The Light“, „For You“ sowie „Spirits In The Night“ legen davon Zeugnis ab. Der Keyboarder Manfred Mann hat seit 50 Jahren ein Gespür für gute Songs und macht sie sich zu eigen.

Die großen Erfolge sind seit Anfang der 80er Jahre ausgeblieben – und doch kann die Earth Band mit Livekonzerten weiterhin Clubs und kleinere Hallen füllen ohne zur Karikatur ihrer selbst zu verkommen. Zudem ist Manfred Mann seit 2011 als Solokünstler aktiv und veröffentlicht dieser Tage mit „Lone Arranger“ sein zweites Soloalbum.

Spannend finde ich, wie er sich dabei Stücke wieder aneignet, die ihm von anderen Künstlern „entwendet“ wurden. Kanye West beispielsweise hat Teile von „You Are – I Am“ für einen Song genutzt, Manfred Mann revanchiert sich mit „One Hand In The Air“ und aufgeppten Kanye-Samples. „For You“ wurde unlängst durch die Disco Boys ein zweiter Frühling geschenkt. Manfred Mann gibt den David Guetta und legt seinen eigenen Disco-Beat drüber.

Ebenso speziell sind seine Neuinterpretationen von Rock- und Pop-Klassikern wie „Light My Fire“, „We Will Rock You“, „I Heard It Through The Grapevine“ und „Nothing Compares To You“. Damit verlässt er zwar die Pfade der Anfangszeit, weil er sehr bekannte Songs ausgewählt hat und nicht die versteckten Perlen großer Künstler, aber das Bild des „Lone Arranger“ ist dennoch sehr passend. Manfred Mann drückt den Titeln seinen eigenen Stempel auf. Sein typischer Keyboard-Sound setzt sich häufig durch und ganz besonders spannend wird es, wenn er jazzige Melodieläufe mit einwebt.

Die freie Improvisation beherrscht der Arrangeur nun einmal aus dem Effeff und es tut gut, wenn er Gast-Trompeter Till Brönner in vielen Momenten freien Lauf lässt, was zur Veredelung der Stücke beiträgt. Als Komponist und Arrangeur ist Manfred Mann weiterhin allererste Sahne. Fans der 80er-Jahre-Earth-Band wird das Ergebnis vermutlich zu experimentell sein, aber das sollte den interessierten Käufer nicht stören. Irgendwie schließt sich der Kreis, der von Bruce Springsteen über Manfred Mann’s Earth Band und die Disco Boys hin zum gereiften Arrangeur und zurück zu seinen Fähigkeiten als Musikkenner führt.