Was bin ich? Wer bin ich? Melissa Etheridge und „This Is M.E.“

VERÖFFENTLICHUNG» 16.01.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
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Seit Beginn ihrer Karriere steht Melissa Etheridge für ehrliche und authentische Rockmusik, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Nachdem sie 2004 ihre Krebserkrankung überwunden hatte, war sie in den letzten Jahren musikalisch aktiver denn je. Ihr aktuelles Album „This Is M.E.“ veröffentlicht sie nun erstmals unabhängig von ihrem bisherigen Label Island Records.

Dem Albumtitel scheinbar wiedersprechend hat Melisa für „This is M.E.“ auch erstmals mit anderen Songwritern wie Jon Lewine und Jerry Wonda zusammengearbeitet. Das Album ist dadurch musikalisch breiter gefächert als die meisten Vorgänger, dennoch tragen alle Stücke unverwechselbar ihre Handschrift. So klingen die ersten Takte des Openers „I Won´t Be Alone Tonight“ noch nach melodischen Pop, mit Einsetzen der Drums und Melissas prägnantem Gesang wird der Song aber sofort geerdet.

Dem ansonsten ein bisschen braven „A Little Hard Hearted“ verleihen die zusätzlichen Vocals von Neyla Pekarek einen besonderen Reiz, und das intensive „Monster“, eine halb ironische, halb ernste Selbstdarstellung der Sängerin, braucht kaum mehr als etwas Percussion und eine rotzige Mundharmonika. Richtig rockig zur Sache geht es dann wieder in „Ain´t That Bad“, mit seiner trotzigen „Du hast mir zwar das Herz gebrochen, aber ohne dich geht´s mir viel besser“-Attitüde.

Faszinierend sind auch immer wieder die Geschichten, die Melissa in ihren Songs erzählt. So handelt die Single „Take My Number“ von einer zufälligen Begegnung mit einer ehemaligen Schulkameradin und philosophiert gleichzeitig über die Unvorhersehbarkeit von Lebensläufen. „All the Way Home“ beschreibt eine sehnsüchtige Heimfahrt, das düstere „Stranger Road“ dagegen eine ungewisse Flucht vor einem nicht näher definierten Verbrechen.

Meine persönlichen Lieblingsstücke finden sich ganz am Ende: Das beschwingte und positive „A Little Bit“  und der Schlusstitel „Who Are You Waiting For“. Diese ruhige Pianoballade, die sich zur eindringlichen Liebeserklärung steigert, und die Melissa zur Hochzeit für ihre Partnerin Linda geschrieben hat, ist  eindeutig der emotionale Höhepunkt des Albums.

Mit „This Is M.E.“ hat Melissa Etheridge mal wieder ein starkes, vielseitiges und persönliches Werk abgeliefert, das seinem Titel absolut gerecht wird und das ich allen echten Musikfans ans Herz legen möchte.