MissinCat: „Wirewalker“ – die Katze und ihr Drahtseilakt

VERÖFFENTLICHUNG» 27.02.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Missincat ist schon seit einigen Jahren am Start, hat aber immer noch den Status eines Geheimtipps. Das allerdings absolut zu Recht! Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich die in Berlin lebende Italienerin Catarina Barbieri. Sie hat sich musikalisch dem Minimalismus verschreiben und bleibt diesem Prinzip schon seit Jahren treu. Ihre Stimme klingt mädchenhaft prägnant – und so interpretiert sie poppige Balladen mit lyrischem Einschlag und teils akustischen, teils dezent elektronischen Arrangements, die aber immer einen sanften Charakter haben. Draufhauen ist nun gar nicht ihr Ding.

Das dritte Album „Wirewalker“ liefert 33 intensive Minuten und zehn Songs. Erst kürzlich konnte ich die charmante Künstlerin live erleben und mich vom Wirkungsgrad der berührenden neuen Songs überzeugen. Die Single „Pirates“ ist perfekt zum Frühlingsanfang und bietet eine beschauliche Lässigkeit. Gefühl und Ruhe beherrschen auch die übrigen Songs des Albums. „Wirewalker“ erzählt davon, wie man auch dann die Balance hält, wenn es mal schwierig wird. Ein Drahtseilakt eben. Diese Grundhaltung spiegelt sich in allen Tracks. Mal geht es um Liebe, mal um Verlust.

Das Album ist poppiger geworden als die beiden Vorgänger. Doch das Niveau ist gleichbleibend hoch und zahlreiche Instrumente wie Orgel, Posaune, Klarinette, Geige und Saxofon tragen zur musikalischen Vielfalt bei. Die vorherigen Alben waren noch sehr homogen gehalten – um nicht zu sagen: eintönig. Auf „Wirewalker“ hingegen offenbaren sich sehr durchdachte Arrangements und jeder Song entfaltet seinen ganz eigenen Charme. Der schwungvolle Opener „Ten Lines“, die Pianoballade „Daylight“, der Lovesong „Stay“ – was MissinCat anpackt, wird zum emotionalen Highlight.