Nie war er wertvoller als heute: Wolf Maahn „Sensible Daten“

VERÖFFENTLICHUNG» 25.09.2015
BEWERTUNG» 8 / 9
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Wolf Maahn zählt zu den erfolgreichsten, kreativsten und leider wohl auch unterbewertetsten Persönlichkeiten im hiesigen Rocksektor. Seit 1982 sorgt der gebürtige Berliner, der schon lange als waschechter Kölner gilt, bereits für Hits und lyrische Geniestreiche. Die Alben von Wolf Maahn haben Tiefgang und machen trotzdem Spass, seine Songs pendeln zwischen sehnsüchtigen Liebesschwüren und beißender Ironie. Seine Konzerte, ob mit Band oder als One-Man-Show, sind stets von einer leichten Verwirrtheit umweht, die ihn ungemein sympathisch macht. Eines ist der mittlerweile 60-Jährige von Anfang an gewesen und bis heute geblieben: Ehrlich und geradeaus. Das macht ihn in einem Genre, das grösstenteils nur noch auf Absatzzahlen und Radiotauglichkeit schielt, wertvoller denn je.

Nach einem leichten Karriereknick in den Neunziger Jahren veröffentlicht Wolf Maahn spätestens seit 2010 mit „Vereinigte Staaten“ oder „Lieder vom Rand der Galaxis“ wieder ein gutes Album nach dem anderen. „Sensible Daten“, insgesamt die Nummer 13, macht da keine Ausnahme. Neben der Tatsache, dass er alle dreizehn Songs (inklusive Bonus-Track) selbst geschrieben und produziert hat, kann sich Wolf Maahn der Unterstützung einer exzellenten Begleitband sicher sein, mit der er dann ab September auch wieder auf ausgedehnte Tour geht, die ihn bis Ende April des kommenden Jahres durch 28 deutsche Städte führt.

Der Opener „Montagssong“ ist eine wunderbar lässige Blues-Nummer, die live mit Sicherheit für viele im Takt schwingende Arme und einen soliden Mitsingchor sorgen wird. Später gibt es noch einen „Dienstagssong“ und beide feiern sie die Zukunft und den Aufbruch zu neuen Ufern. „Gelobtes Land“ oder „Schlaflos in Eden“ erinnern an die alten verträumten Highlights der Marke „Ich wart‘ auf dich“, die man schon tausendmal gehört hat und trotzdem niemals wieder vergessen wird. Sternschnuppensturm und Gänsehaut inbegriffen. „Fallen in deine Arme“ hat zwar einen etwas sperrigen Titel, ist ansonsten aber ähnlich grosses Gefühlskino wie die melancholische Hoffnung auf bessere Zeiten, die er in „Über uns“ beschreibt.

Leicht schräg wird es mit dem reggaelastigen „Konkurrenztanz“, doch das gehört bei Wolf Maahn ebenso dazu wie die eingestreuten Oh-oh’s und Hey-hey’s. „Wer ich bin könnt ihr nicht haben“ singt er dann auch folgerichtig im Titelsong, der ebenso gut ins Zeitalter der Neuen Deutschen Welle gepasst hätte. Dazwischen liegen mit „Zoll Achtung!“ und „Vom selben Strand“ zwei wahre Meisterwerke, die auf den Tanzflächen der Republik für ausgiebigen Bewegungsdrang sorgen werden, wenn sich jemand traut sie zu spielen. In die gleiche Kerbe haut „Homo Sapiens“, nur eine Spur hymnischer und weniger euphorisch. Neben all dem kann Maahn selbstverständlich rocken wie eine „coole Sau“, was er im selbstironischen „TV aus dem Hotelzimmer“ beweist.

„Sensible Daten“ hat wieder viele dieser maahntypischen Songmomente abseits der angestrengten Kopflastigkeit eines Herbert Grönemeyer oder des mittlerweile auf Hochglanz polierten Langweilerpops eines Marius Müller-Westernhagen. Wer es nach all den Jahren im deutschsprachigen Musikzirkus schafft, ein solch abwechslungsreiches und souveränes Album aus dem Ärmel zu schütteln, ohne dabei in irgendwelche Plattitüden oder schmalzigen Pathos abzurutschen, der muss ein ganz Großer sein.

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  1. Wolf Maahn - Sensible Daten (CD-Kritik bei Musicheadquater.de)

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